| "Party-Inseln" - vom Meer aus gesehen |
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Mit dem Segelboot rund Ibiza und Mallorca |
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1. Tag: Heitere Gefühle bei der Ankunft an der See Die Balearischen Inseln Mallorca - von manchen Insidern kurz "Malle" genannt - und Ibiza haben sich in den letzten Jahren zumindest bei anspruchsvollen Reisenden einen zweifelhaften Ruf erworben. Zwar weiß auch der "bewusste" Tourist von den Schönheiten dieser beiden Inseln zu berichten, doch diese Meinungen gehen leicht im Lärm von "Ballermann 6" und Ibiza-Discos unter. Wir haben uns deshalb diese beiden Inseln einmal von der Wasserseite ansehen wollen, sozusagen, um uns jederzeit auf das Boot zurückziehen und vom touristischen Trubel erholen zu können.
Mit einer Stunde Verspätung landen wir - eine vierköpfige Crew - samstags in Palma und gelangen per Taxi zur Marina "Alboran" am Paseo Maritimo, der vierspurigen (Auto-)Promenade von Palma. Da unser Boot, eine "Sun Odyssee 40,3" der Charter-Agentur "Poolyachts" von 12,20 m Länge, noch für die Übernahme gereinigt wird, decken wir uns bei sengender Hitze erst einmal in verschiedenen kleinen "Supermercados" mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs ein. Anschließend übernehmen wir das nagelneue Boot - Baujahr 2005 - in einer erfreulich unbürokratischen Art und können bereits gegen 14.30 Uhr auslaufen, wozu uns der auffrischende Wind zusätzlich motiviert. Natürlich weht der Wind "mas o menos" aus der Richtung, wo wir hinwollen, nämlich aus Südwest, so dass wir erst mit einem langen Kreuzschlag Richtung El Arenal ("Ballermann"!) ausholen müssen, bevor wir schließlich auf Westkurs gehen können, wo unser Tagesziel Andraitx liegt. Leider flaut der Wind bald ab, so dass wir die Segel bergen und die Maschine anwerfen müssen, um noch vor Dunkelheit anzukommen. Doch die Monotonie des Motorens führt schließlich zu einer Verkürzung des Trips und zum Einlaufen in die Bucht von Ponsa südöstlich von Andraitx. Hier ist es nicht besonders hübsch, da die Bucht ringsum mit Hotelkästen gepflastert ist, aber für die erste Nacht geht das in Ordnung, da wir vor allem eine geschützte Ankerbucht suchen. 2. Tag: Der Weg nach Ibiza
3. Tag: Kurzer Trip nach Santa Eulalia
Der Schwell aus Osten hat uns die ganze Nacht durch gewiegt, so dass wir früh erwachen und bereits um 8.30 Uhr auslaufen. Da das Trinkwasser zur Neige geht und wir einigen Sprit verfahren haben, planen wir für heute einen Hafentag in der Marina von Santa Eulalia, einer der drei nennenswerten Städte Ibizas. Santa Eulalia - auch Eularia genannt - liegt knapp 6 sm nordöstlich von Ibiza Stadt und das bedeutet je nach Wind ein bis zwei Stunden. Wir trödeln - wegen Flaute - unter Motor an der kleinen Insel Tagomago vorbei und suchen uns an der Küste eine gemütliche Bucht für die Mittagspause. Doch die ersten Buchten kommen zu früh, und um Eulalia herum lockt nichts zum Bade und zum Verweilen. So landen wir schließlich in der Cala Longa südlich von Eulalia und suchen uns ein stilles Eckchen an der Steuerbord-Seite der Bucht, abseits der auffallenden Motoryachten, die dem Strand ihre Aufwartung machen. Diese Bucht ist ideal bei Westwind, doch bei dem schwachen Ostwind mag es hingehen, wenn auch der Schwell ein wenig stört. Nachmittags geht es dann mit einer überraschenden Brise nach Santa Eulalia, wo wir Diesel und Wasser fassen und unseren defekten Außenborder des Dinghis reparieren lassen. Die Gebühren sind hier recht happig und enthalten nicht einmal das Auffüllen des Trinkwassers. Alles muss man separat bezahlen. Da bietet sich das Ankern in der Bucht schon als preiswerte Alternative an. Santa Eulalia selbst ist ein hübsches Städtchen, durchaus touristisch geprägt, aber ohne eintönige Hotelkästen, wie man sie an typischen Badestränden sieht. Hier prägt noch der gewachsene Ortskern das Bild, wenn auch die "Fressgasse", eine schnurgerade Fußgängerszene mit Restaurants wie Perlen auf einer Kette, ein wenig an ihr Pendant in der Frankfurter City erinnert. Dennoch isst man hier gut, und auf jeden Fall ist es für Segler, die den ganzen Tag auf engem Raum zusammenhocken, angenehm, mal wieder unter Leute zu kommen und sich die Beine zu vertreten. 4. Tag: Ab nach Formentera Der Vormittag dient dem Einkauf, den wir stilecht auf dem öffentlichen Markt hinter dem Rathaus tätigen. Hier werden frischer Fisch, Fleisch, Gemüse und andere Lebensmittel unter schnurrenden Ventilatoren verkauft, die mit Mühe die heiße, stickige Luft verwirbeln. Gern stellt man sich unter einen solchen Quirl, wenn die Frauen die Melonen oder Fische prüfen, und lässt kurzfristig die Schweißflecken trocknen. Am späten Vormittag geht es dann weiter Richtung Süden, wobei zuerst einmal die Suche nach einer geeigneten Badebucht im Vordergrund steht. An der Cala Castella, gerade "um die Ecke" südlich der Cala Llonga, öffnet sich diese weite Bucht, die lediglich Schutz gegen SW- bis NO-Winde bietet, sich aber für einen mittäglichen Badestopp recht gut eignet . Auf halber Höhe der kargen Steilküste klebt eine Hütte am Hang, die angeblich ein Restaurant beherbergt. Nach dem Bad geht es also per Dinghi dorthin. Ein primitiver Weg führt hinauf zu dem nach vorne offenen Gebäude, das sich als ein typisches "In"-Lokal für Ibiza-Insider entpuppt. Hier lümmeln sich auf Liegen mit Seeblick bereits mittags junge Leute mit einem großen Pils oder einem Cocktail in der Hand, und andere Dauergäste vertilgen ausgefallene Fischgerichte oder kippen in der Mittagshitze bereits die zweite Flasche Rosé. Man kann es hier dank des Schatten spendenden Daches und guter Drinks recht gut aushalten, muss allerdings etwas Kleingeld mitbringen.
Wir sparen uns mittägliche Alkoholzufuhr und begeben uns nach gut einer Stunde wieder an Bord, um noch einige Meilen nach Süden gutzumachen. Bei den berüchtigten Felsen vor dem Haupthafen von Ibiza kommt dann plötzlich Wind mit bis zu 10-12 Knoten auf, der uns mit respektabler Fahrt zu der engen Durchfahrt zwischen Ibiza und Formentera treibt. Hier trifft sich die gesamte Schiffahrt der südlichen Balearen auf 7 Metern Wassertiefe. Schnellfähren kurven mehr oder minder aufmerksam um Segelyachten herum und lassen sie in ihrem Schwell tanzen, Motoryachten machen es ihnen nach, und die Skipper der tief gehenden Segelyachten schauen einmal mehr aufs Echolot oder ins Wasser. Aber schließlich übersteht jeder - auch wir - diesen Engpass, und wir steuern die Bucht vor der Insel Espalmador nördlich von Formentera an, die Schutz nach mehreren Seiten bietet. Das scheinen aber viele "Yachties" zu schätzen, denn die Bucht ist nahezu voll belegt. Wir finden zwar ein Ankerplätzchen, aber nach Baden ist uns angesichts der Vielzahl der hier liegenden Yachten nicht zumute. Die Nacht allerdings verbringt man hier - zumindest im Sommer - ruhig und ohne Schwell. Im Herbst soll es hier aber schon recht lebhaft zugegangen sein. 5. Tag: Der Strand von Salinas und Isla Vedra Am nächsten Morgen geht es bei frischem Wind und ohne Frühstück hinüber an den berühmten Strand von "Las Salinas", wo die Schönen und Nackten sich räkeln. Aus einem ehemals "wilden" Strand hat sich hier eine absolute "In-Location" für junge Leute entwickelt, die sich dort nach dem Motto "sehen und gesehen werden" einem gnadenlosen Konkurrenzstress aussetzen. Trendige Strandlokale verleihen dem Strand zusätzliches Flair und ziehen den statusbewussten Gästen das (knappe) Geld aus den ebenso knappen Badeanzügen und -hosen. Auch die Freizeitkapitäne - wie eben wir - schließen sich diesem Treiben an, indem sie so nahe wie möglich vor dem Strand ankern, um "adabei" zu sein. Vor allem die Motoryachten zeigen sich hier in ihrer ganzen Schnittigkeit und Pracht. Wozu hat man schließlich das ganze Geld bezahlt, wenn niemand das Boot sieht....?
Irgendwann wird es dann aber doch ein wenig eintönig an diesem Strand, der mittlerweile vor allem vormittags von Familien mit Kindern besetzt ist - man sucht vergeblich das "trendige" Publikum -, und wir trollen uns an Bord zurück, um weiter gen Westen zu segeln, wo hinter der nächsten Huk bereits die Isla Vedra im Dunst zu erkennen ist. Bevor wir diese jedoch erreichen, besuchen wir noch die Cala Yondal, die äußerlich nicht viel hermacht - außer den obligatorischen Motoryachten, die tagsüber anscheinend nur vor einschlägigen Stränden ankern - aber inwärtig ein ausgesprochen mondänes Ambiente aufweist. Eine Abordnung der Crew kommt beeindruckt vom Landgang zurück und berichtet von den "Reichen und Schönen", die dort in angemessener Umgebung ihre Freizeit verbringen. Wer da mit einem kleinen Gummi-Dinghi anlandet, erntet natürlich nur ein mitleidiges Lächeln. Nach einem kurzen Blick in die unwirtliche Cala Roig marschieren wir doch noch bis zur spektakulären Inselgruppe Isla Vedra und Isla Vedretta an der Südwestecke Ibizas und finden schließlich einen geschützten Ankerplatz in der Cala Badella. Vorspringenden Felswänden begrenzen die landschaftlich reizvolle Bucht, und am Ende locken ein Sandstrand und ein kleiner ort mit niedriger Bebauung. Kein klotziges Hotel stört das Bild, die wenigen Autos müssen sich durch enge Gässchen schlängeln und das Restaurant am Hafen bietet neben einem schönen Ausblick auf die Bucht eine hervorragende Dorade im Salzmantel. Irgendwie ist der Massentourismus noch nicht bis hierher gekommen, und sowohl die Einheimischen als auch die hier urlaubenden Touristen scheinen das zu würdigen. 6. Tag: Felsen-Eilande Da wir gestern nur zwischen den beiden Felseninseln und der Hauptinsel Ibiza hindurch gefahren sind, steht heute noch eine "Umsegelung" dieser beiden Zackenfelsen an. Der Wind steht günstig und frischt auch auf, so dass wir schnell die kurze Strecke bis zur Isla Vedra überwinden. Unter der Abdeckung der hohen Felsen müssen wir allerdings mit Motorhilfe dicht unter diesen an der Nordseite entlanglaufen. Dabei weicht die aus der Ferne mythisch anmutende Struktur dieser Insel einer eher geologische Sicht auf die unterschiedlichen Felsformationen. Hoch reckt sich dabei der Hauptfelsen über dem Boot in den Himmel, und am Westzipfel gibt es dann noch einen winzigen Naturhafen mit einer Felsentreppe auf eine Plattform, von der besonders Mutige an ruhigen Tagen in die See springen. Heute jedoch ist niemand danach zu Mute, denn an dieser Ecke pfeift der Wind plötzlich mit 17 Knoten aus Südost und baut dabei eine ansehnliche See auf. Für uns ist das natürlich DIE Gelegenheit für eine sportliche Segeleinlage, die einem in dieser Gegend zu sommerlichen Zeiten leider selten gegeben wird. Und so lassen wir unsere Sun Odyssée bis zur Leereling in die rauhe See wegtauchen und sich mit 7 Knoten durch die entgegen kommenden Seen boxen.
Nach gut einer halben Stunde gehen wir dann nach Backbord über Stag, um gegenüber der Inselgruppe die Sehenswürdigkeit "Atlantis" anzulaufen. Das ist eine Ansammlung von seltsamen Felsformationen und natürlichen Wasserbecken, die wie eine kleine Stadt wirkt und deshalb den sagenumwobenen Namen erhalten hat. Generationen von Besuchern haben sich in dem weichen Gestein verewigt und sogar Friedenssymbole aus Steinen ausgelegt. Ein kleiner Naturhafen bietet Ankerplatz für maximal zwei Boote, allerdings auf 8 Metern Wassertiefe mit wenig Schwojraum. Bei dem heute herrschenden Wind muss schon bei kurzen Landaufenthalten eine Ankerwache an Bord bleiben, um permanent die Lage des Bootes zu überwachen. Doch wenn man sich weit genug in diesen Minihafen hineinwagt - und das kann man nach genauer Kenntnis des Untergrunds -, dann kann es hier richtig gemütlich werden, solange der Wind nicht gerade aus Süd bis Südwest weht. Doch schließlich bietet Atlantis nichts Neues mehr, und so geht es weiter nach Norden, vorbei an der Cala Badella, weiter bis zur Isla Conejera und ihrer Schwester Isla Bosque, zwischen denen man bei gutem Wetter auf zwanzig Metern breite und 4 Metern Wassertief durchrutschen kann, und hinein in die Bucht von San Antonio, wo wir die Nacht verbringen wollen. Der massiv touristische Ort schreckt als Nachtquartier ab, ebenso die beiden Ankerbuchten im Süden. Schließlich finden wir im Norden eine geschützte Bucht mit wenigen Ankerliegern und relativ sparsamer touristischen Infrastruktur, wo wir nicht nur einen grandiosen Sonnenuntergang über dem Horizont sondern auch eine ausgesprochen ruhige Nach erleben. 7. Tag: Gemütlich nach Norden Nach Morgenbad und Frühstück geht es hinein nach San Antonio, um das ach so flüchtige Trinkwasser aufzufüllen. Am Kopf einer Pier der Marina ergattern wir zu diesem Zweck einen "halblegalen" Platz, was uns zwar Wasser aber auch den Protest des Personals einbringt. Die Rückkehr des Einkaufsteams muss der Skipper daher am Rande des Fahrwasser vor Anker abwarten. Ein längerer Aufenthalt in diesem übertouristisierten Ort lohnt sich nicht, und der Hafen zeichnet sich vor allem durch regen Verkehr von Fähren aller Größenordnungen, Ausflugsbooten und Yachten aus. Man möchte ausrufen: "Verweile nicht, hier ist's nicht schön!". Kaum sind die Einkäufer im "fliegenden Wechsel" an Bord genommen, geht es hinaus bei einer aufkommenden Brise Richtung Norden. Anfangs schiebt uns noch der Wind voran, dann verliert er seine Kraft, und wir ziehen wieder die Segel ein. Rollgenua und -groß lassen die Segelarbeit zur Routine werden.
Die einladende Cala Salada an der Steuerbordseite lockt uns noch zu früh zur Pause, und so verkriechen wir uns schließlich in eine unwirtlich aussehende weil felsige Bucht, eher eine Einbuchtung der Küstenlinie, zwischen knapp überspülten Felsbrocken zu der obligatorischen Mittags- und Badepause. Doch eine Armada kleiner Feuerquallen treibt uns schnell aus dem Wasser, teilweise mit brennenden Placken auf der Haut, hinaus aufs offene Wasser, das sich nach kurzer Probe als "quallenfreie Zone" erweist. Die nächsten Buchten werden von nun an sorgfältig auf Quallen geprüft. Die malerische Felseninsel "Isla Margerita" umrunden wir mit etwa 20 Metern Abstand, um die eigenwillige Erosionsarchitektur ausgiebig bewundern zu können. Zur nächsten Pause lockt ein winziger Naturhafen im Schatten der hohen Felswand, doch die geringen Ausmaße und der hineinstehende Schwell lassen uns mit wehem Herzen Abstand von einem Einfahrtsversuch nehmen. Etwas weiter jedoch öffnet sich eine weitere Felsenbucht, nicht zum Ankerplatz geboren, aber durchaus geeignet. Hierher hat sich bisher noch kein Ankerlieger verirrt, und daher können wir uns in aller Ruhe eine passende Stelle mit ausreichend Schwojraum aussuchen. Mit dem Dinghi erkunden wir die umliegenden Mini-Buchten und entscheiden schließlich, an diesem einsamen Flecken zu übernachten, da die Windprognose weiterhin auf 0 bis 2 Windstärken lautet. Hier kann man bei einem schönen Glas Wein zum Ausklang des Abends einen blutroten Sonnenuntergang erleben, den man auf einer Postkarte als puren Kitsch bezeichnen würde...... 8. Tag: Zu Gast bei englischen Freunden Kurz nach unserem Morgenbad nähert sich ein Fischerboot, um die Netze einzuholen. Hungrig nach frischem Fisch lichten wir schnell den Anker und streben auf ihn zu. Doch unsere Bitte um (bezahlten) Fisch wehrt er ab. Offensichtlich muss er alles bei der Genossenschaft abliefern. Pech gehabt! Also geht es weiter nach Norden, wieder dank totaler Flaute unter Motor. Dabei umrunden wir eine zweite, ausgehöhlte und erodierte Felseninsel ähnlich der Isla Margerita und legen uns vor dem Hafen San Miguel in eine kleine Bucht zum Baden. Als wir anschließend im Hafen von San Miguel Ankern und das Schlauchboot flott machen wollen, vermissen wir eines der Paddel. Da auch der Außenborder seit der Cala Badella streikt, haben wir jetzt ein Problem. Wir gehen also sofort wieder in See, um unser Tagesziel Portinatx zu erreichen, wo wir zumindest ein Ersatzpaddel zu erstehen hoffen. Zwar könnten wir die relativ kurze Strecke dank einer aufkommenden zarten Brise per Segel zurücklegen, aber schon bald belehrt uns das Log, dass wir dann nicht vor 20 Uhr eintreffen würden. Ob dann noch alle Läden offen sind? Also beschleunigen wir die Fahrt per Motor und laufen auch gegen 17 Uhr in die Bucht von Portinatx am Nordende von Ibiza ein, wo wir sogar einen Ankerplatz nicht fern vom Ufer finden.
Als wir bei einem benachbarten englischen Ankerlieger ein ähnliches Dinghi wie unseres entdecken, entsteht spontan die Idee, sich von ihm ein Paddel für die Landfahrt auszuleihen. Gesagt, getan - und der freundliche "Englishman" leiht uns das Utensil ohne weitere Fragen. Tatsächlich finden wir in einem Allerweltsladen - Souvenirs, Postkarten, Luftmatratzen, Schwimmflügel - ein einfaches Paddel und können die Leihgabe dankend zurückgeben. Als wir ihm beiläufig die Symptome unseres schadhaften Außenborders erklären, zeigt er sich sofort als Experte mit hohem Reparatur-Potential. Seine Ferndiagnose erweist sich als richtig und der kleine Eingriff als Volltreffer. Danach läuft das Dinghi auch unter Motor wieder. Es ist doch nützlich, auch die Innereien eines Motors zu kennen. Dank sei Mr. Hewitt von der "Lady Margaret". Portinatx ist eher von einem einfachen Massentourismus geprägt. Pubs und Spielhallen deuten auf englische Kundschaft hin, und abends hört man das aufmunternde Dauerfeuer der Hotel-Animateure bis in die Nacht hinein über die ganze Bucht. Als Schutzhafen gegen alle östlichen Winde eignet sich der Hafen hervorragend, als Urlaubsort spricht er jedoch nur eine eingeschränkte Zielgruppe an. 9. Tag: Panthersprung nach Andraitx Ibiza ist umkurvt, doch eine Woche liegt noch vor uns. Also beschließen wir, heute den Rücksprung nach Mallorca zu wagen, um noch in den dortigen Revieren zu wildern. Nach einer Stunde brist der Wind auf zu 10 bis 12 Knoten, was uns eine - angesichts der Erfahrungen der letzten Tage - respektable Fahrt einbringt, wenn uns auch der NO-Wind auf einen Kurs westlich von Mallorca zwingt. Nach weiteren 4 Stunden und einer Strecke von 20 Seemeilen verlässt uns der Wind dann doch wieder und überschlägige Berechnungen ergeben, dass die Reststrecke etwa 15 Stunden in Anspruch nehmen würde. Niemand hat jedoch Lust, so lange bei leicht killenden Segeln und brütender Hitze auf dem Boot zu sitzen. Also wird wieder die moderne Technik in Gestalt des Diesels beschworen. Mit diesem geht die Fahrt dann auch zügig voran, nur unterbrochen von Badepausen mitten auf der bleiernen Ebene des "Canal de Mallorca".
Irgendwann schälen sich die Berge Mallorcas aus dem Dunst heraus, werden schärfer und größer, und gegen 18 Uhr laufen wir schließlich in die Bucht von Andraitx ein. Dabei entsteht ein allgemeiner Wettlauf zwischen den Yachten, denn wer Andraitx kennt, weiß, dass die Ankerplätze spätestens um diese Zeit rar werden in der inneren Bucht. Tatsächlich finden wir noch eine Lücke nicht zu weit vom Ort und vom Ufer, wo wir unbehelligt Anker werfen können. Die nächste Aktion heißt: "Landgang". Die gesamte Crew hat das dringende Bedürfnis, sich zu bewegen und dabei ein wenig den Ort zu erkunden. Andraitx hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem Ferienort der Betuchten entwickelt. Die Hänge der Bucht sind mit aufwendigen Villen bestückt, die sich den einlaufenden Yachten und den Badegästen präsentieren, und der Ort wimmelt von gehobenen Hafen-Restaurants mit Hafenblick. Auf der Nordseite der Bucht ist eine weitläufige Marina entstanden, die Yachten vorzugsweise der Oberklasse ständige Liegeplätze bietet und auch für Gäste offen ist. Angesichts der hier üblichen Liegegebühren haben wir uns aber für den Rest des Törns für die preiswerteren Ankerplätze entschieden. Hinter der Marina steigt das Gelände zu einer Anhöhe an, die ringsum mit Ferienhäuser aller Preisklassen bebaut ist. Positiv macht sich dabei allerdings die Tatsache bemerkbar, dass Andraitx keine Hotelkästen kennt. Hier residiert wohl eher die Kundschaft mit dem eigenen Ferienhaus - oder zumindest mit der Ferienwohnung - und der kleinen oder großen Yacht im Hafen. Für den Segler gibt es hier Versorgungsmöglichkeiten in Hülle und Fülle, unter anderem ein großer Supermarkt am Ende des Hafenbeckens. In der Marina selbst gibt es Wasser und Diesel. Landschaftlich bietet Andraitx besondere Reize, da sich das Tal hinter dem Hafen weit ins Land hin öffnet und dort in ein, zwei Kilometern Entfernung den alten Ort Andraitx erkennen lässt. Früher hatte man die eigentlichen Orte immer in einer gewissen Entfernung von den Häfen angelegt, um im Falle eines Piratenüberfalls noch rechtzeitig reagieren zu können. Heute jedoch bleiben die - erwünschten - Piraten, sprich: Touristen, im Hafen und lassen dort ihr Geld statt es den Dorfbewohnern zu rauben. C'est la vie! 10. Tag: Start der "Tour de Mallorque" Es ist Montag Morgen und wir haben noch fünf Tage vor uns. Nach einigen überschlägigen Berechnungen anhand der Seekarte fällt die Entscheidung, in diesen verbleibenden Tagen das "17. deutsche Bundesland" zu umrunden.
Nach der Wasserübernahme scheitert dieselbe Aktion beim Diesel an einer eindrucksvollen Warteschlange von Yachten. Da unser Vorrat noch eine Zeitlang reichen sollte, machen wir uns ohne Nachfüllung auf den Weg. Ein frischer Wind motiviert uns zusätzlich und im Nu stehen wir unter Segeln vor der Bucht. Natürlich weht der Wind genau aus der Richtung, wo wir hinwollen, nämlich aus der Meerenge zwischen Mallorca und der Insel Dragonera an der Südwestecke von Mallorca. Bei Windstärken von 13 bis 17 Knoten kreuzen wir mit guter Fahrt und ordentlicher Lage die die Meerenge nach Norden hoch, immer in der Hoffnung, das uns der Wind den ganzen Tag über treu bleiben möge. Doch die Freude am Segeln endet eine halbe Meile nördlich der Durchfahrt und zeigt uns, dass der Wind offensichtlich nur auf einem "Düseneffekt" zwischen den beiden Inseln beruhte. Hier draußen herrschen wieder sommerliche Stille und eine bleierne See. Bald rollen wir daher die Segel wieder ein und motoren nach Nordosten, immer der gebirgigen Küste Mallorcas entlang. Hier ist diese anmutig, die Berge verlaufen in weichen Linien und sind bis zum Meer hinunter bewaldet, und hin und wieder lockt sogar eine kleine Bucht mit ein wenig Sandstrand zum Ankern. Doch dazu ist es noch zu früh, da wir heute noch nach Sollér etwa in der Mitte der NW-Küste wollen und bis dahin noch einige Meilen hinter uns bringen müssen. Kurze Badepausen auf offenem Meer müssen da den Erfrischungsbedarf erst einmal abdecken. Später wagen wir uns auch unter die zunehmend felsige Küste und suchen nach kleinen Ankerplätzen, wobei uns unsere Erfahrung von Ibiza hilft. Wir haben bereits einen Blick für flache Stellen und knapp überspülte Felsen entwickelt und finden immer einen Ankerplatz, der auch die Gefahr eines unter Felsen verhakten Ankers minimiert. Dennoch ist nach jedem Ankerfall eine Inspektion per Taucherbrille fällig, die uns oft auch Hinweise auf die beste Vorgehensweise beim Ankerlichten gibt. Die Hitze treibt uns - wie schon seit Tagen - unter die wenigen Schattenflecken unter dem Bimini (Sonnensegel), die über Mittag wegen des senkrechten Sonnenstandes glücklicherweise am größten ausfallen. Morgens und abends dagegen verengt die tief stehende Sonne den Schattenbereich in unangenehmem Ausmaß.
Am Nachmittag kommt dann kurz vor Sollér doch noch etwas Wind auf, so dass wir auf den letzten Meilen noch einmal unter Segeln etwas Fahrt machen. Gegen 18 Uhr laufen wir schließlich in Sollér ein und ankern im Hafenbecken, das nur nach Westen hin offen ist. Natürlich kommt der Wind aus Westen (woher auch sonst in diesem Fall), aber mit solch verschwindender Stärke, dass es keine Rolle spielt. Sollér selbst ist vom Massentourismus erfreulich verschont geblieben, was wohl auf die fehlenden Sandstrände und die enge Lage zwischen felsigen Gebirgsmassiven zurückzuführen ist. Ohne eigenen Flughafen und ausreichend Platz für großflächige Hotelanlagen muss sich dieser Ort auf den gewachsenen Tourismus beschränken, der sich hauptsächlich auf Spanier und Dauergäste abstützt. Nur am Südufer des Hafenbeckens ziehen sich zwei, drei größere Hotels hin, der eigentliche Ort jedoch - auf der Nordseite - besteht immer noch aus dem gewachsenen Ortskern mit dem typischen Charakter eines Fischerdorfes. Kleine Häuser, enge Gassen, einheimischer Einzelhandel und sogar eine alte Straßenbahn mit viel Holz prägen das Straßenbild. Eine Promenade für auffällige SUVs fehlt ebenso wie eine üppige Marina mit Motoryachten, auf denen sich die Besitzer abends den Touristen mit dem Cocktailglas präsentieren. Hier kann man den Abend entspannt in einem Restaurant am Hafen genießen, Fisch speisen und den Blick über die Bucht genießen. 11. Tag: Die Umrundung von Cap Formentor
Da wir erst einen kleinen Teil unserer Inselumrundung hinter uns gebracht haben, steht heute wieder ein längerer Trip vor uns. Da die Flaute sich zum Dauerzustand entwickelt hat, wird auch heute wieder der Diesel unser treuester Begleiter werden. Nur am Morgen und am späteren Nachmittag brist es für kurze Zeit auf, so dass man mit Hoffnung auf Vorankommen die Segel setzen kann. Je weiter wir nach Nordosten kommen, desto spröder und rauher wird die Küste. Die Berge nehmen immer schroffere Konturen an, der Waldbewuchs nimmt rapide ab, und die Felsen stürzen senkrecht ins Meer. Die über Jahrmillionen anbrandende See hat die Felsen ausgefressen und knapp oberhalb der Wasseroberfläche schrundige Hohlräume geschaffen. Weiter oben hat der Wind ebenfalls seine erodierende Kraft entfaltet. Einzelne, hunderte von Metern hohe Felsen haben sich irgendwann einmal tektonisch aufgefaltet und stehen jetzt sozusagen "schief" im Wasser, wie gestrandete Schiffswracks.
Zwei besonders reizvolle Buchten sollte man an dieser Küste nicht verpassen: die Cala Tuent, ein tiefer Einschnitt in die Felskulisse mit Mallorcas höchstem Berg, dem Puig Mayor, im Hintergrund, und etwas weiter östlich die Cala Calobra, die hinter einem schmalen Strand am Ende der Bucht noch eine Lagune mit üppiger Vegetation versteckt. Leider sind beide Buchten das Ziel zahlreicher Ausflugsdampfer von Sollér, so dass sich vor allem in der Cala Calobra bereits eine stark frequentierte Tourismus-Infrastruktur mit starkem Andrang herausgebildet hat. Folgerichtig liegen im Bereich des überfüllten Strandes bereits zahlreiche Yachten, die sich vom Trubel haben anlocken lassen. Also eine kurzer Rundblick und dann nichts wie raus. Schließlich erreichen wir Cap Formentor, einen hohen, steilen und kahlen Felsen am äußersten Nordende von Mallorca. Hier sieht es wirklich urzeitlich aus, nur der einsame Leuchtturm hoch auf dem Felsen vermittelt eine Ahnung von Leben. Direkt hinter dem Kap treffen sich zwei Dünungssysteme - von West und Ost - und verursachen eine unangenehme Kabbelsee, die sich erst eine Meile nach Umrundung des Kaps legt. Wir haben für die Übernachtung die Cala Engossaubas knapp zwei Meilen südwestlich des Kaps ausgewählt. Die vor Schwell und Wind gut geschützte Bucht ist - außer ein paar Bergziegen - unbewohnt, und nachdem die letzten tauchenden Tagesgäste die Anker gelichtet haben, gehört die Bucht mit ihrem glasklaren Wasser und den kleinen Korallenbänken uns. Zum Abendessen bereiten wir uns "Sardinas a la Plancha" zu und trinken anschließend zu Melone mit Schinken noch eine kühle Flasche Sekt, um die Zeit bis zur schlafensgerechten Abkühlung der Luft angemessen zu überbrücken. 12. Tag: Das andere Mallorca Um zehn Uhr, mit dem Auftauchen der ersten Tagesgäste, nehmen wir Abschied von unserer einsamen Bucht, in der wir eine ausgesprochen ruhige Nacht verbracht haben, und nehmen Kurs auf das Cap Pera, Mallorcas östlichste Spitze gegenüber der Insel Menorca. Die Bucht von Alcudia mit den Städten Pollensa und Alcudia lassen wir an Steuerbord liegen, weil eine Erkundung dieses weitläufigen Beckens doch zu zeitaufwendig wäre. Der Wind zeigt sich von seiner bekannten Seite, nämlich kaum, so dass wir nach einigen kläglichen Segelversuchen wieder den Diesel anwerfen. Vorbei geht es am Pta. Sabata, dem nördlichsten Punkt der weit in die Bucht von Alcudia hineinragenden Halbinsel, und am Cabo Farrutx, mit dem die weite Bucht endet. In der Caleta de Font Salada legen wir eine Badepause ein. Unbebaute Ufer, leere Sandstrände und türkisblaues, flaches Wasser prägen diesen Teil Mallorcas, der so gar nichts vom Trubel der Südküste ausstrahlt. Die weiten, karg bewachsenen Hänge der mittelhohen Erhebungen - von Bergen wollen wir hier nicht reden - weisen weder Orte noch Häuser auf. Dieser Landstrich ist so gut wie verlassen und ein Paradies für Wanderer, allerdings nicht bei der herrschenden Hitze. Bereits hundert Meter vor dem Strand gehen wir wegen des flach abfallenden Grunds vor Anker und genießen das klare, erstaunlich erfrischende Wasser. Danach schiebt uns der Wind wieder eine Zeitlang nach Osten, allerdings aus wechselnden Richtungen, und fordert dadurch ständige Kurs- oder Segeländerungen. Kurz vor Cabo Pera nehmen wir dann für dessen zügige Umrundung den Motor wieder zur Hilfe. Anschließend geht es nach Süden, vorbei an dem bekannten Ferienort Cala Ratjada - der Tourismus hat uns wieder! - und anderen, immer wieder gehäuft auftretenden Urlauberorten. Dazwischen erheben sich bewaldete Höhen ohne die Schroffheit der Nordwest-Küste.
Die Strecke zu unserem heutigen Tagesziel Porto Christo zieht sich ziemlich, nicht zuletzt wegen zweier windbedingter "Segeleinlagen", die jedesmal in nachlassender Fahrt und killenden Segeln enden. Vor Porto Christo schauen wir uns noch zwei potentielle Ankerbuchten an, aber beide bieten nicht genügend Schutz gegen den heute doch merklichen Schwell aus Osten. Schließlich laufen wir in Porto Christo ein und ankern rechts vom Fahrwasser in der inneren Einfahrt. Porto Christo beherbergt zwar zahlreiche Fischerboote und Segelyachten, der Ort selbst ist jedoch kaum vom Massentourismus geprägt. Die Einheimischen dominieren das Stadtbild, Restaurants und Geschäfte sind eher ländlich als mondän-touristisch, und die Segler fallen im Straßenbild nicht weiter auf. Auch die unvermeidlichen Ferienhäuser rings um den alten Ort und den Hafen beschränken sich auf großzügig verteilte ein- oder zweistöckige Häuser. Der Hafen selbst zieht sich schlangenförmig um den halben Ort herum und endet in einem schmalen, flachen Becken für kleine (Fischer-)Boote, auf das kleine Terrassen-Restaurants blicken. Nahe dem Hafen lockt ein weiter Platz Einheimische und Besucher zum Flanieren und Verweilen, die gepflegte Strandpromenade zieht sich bis in den felsigen Ufersaum am Nordende der Bucht. 13. Tag: Durchaus kein Unglückstag Der lange Seetag gestern hat uns gelehrt, heute früh aufzubrechen und unser Frühstück irgendwo unterwegs in einer reizvollen Ankerbucht einzunehmen. So verlassen wir bereits kurz nach 7 Uhr unseren Ankerplatz und nehmen Kurs Richtung Süden. Leider lässt der aus Osten kommende Schwell alle Ankerbuchten an der Ostküste ziemlich ungemütlich aussehen, so dass wir uns entschließen, einen Blick in die geschützte Bucht von Porto Colom zu werfen, die sich weit nach Nordosten ins Land hinein zieht. Gleich hinter der Einfahrt gehen wir an Stb-Seite unter der Küste vor Anker, nur um festzustellen, dass zum Frühstück das Brot fehlt. Da auch Diesel und Wasser ein wenig knapp werden, gehen wir an die Handelspier und füllen alle Vorräte auf. Anschließend geht es gegenüber der Pier ins Feld der Ankerlieger, wo wir einen schönen Platz auf knapp 3 Metern Wassertiefe finden. Dort frühstücken wir erst einmal ausgiebig und genießen den Ausblick auf die weite Bucht, den malerischen Ort (fast) ohne touristische Architektursünden und die weit geschwungenen Berge Mallorcas im Hintergrund. Hier verbreitet die Insel Ferien- statt Tourismus-Atmtosphäre!
Da wir noch eine ordentliche Tagesstrecke vor uns haben und sich der Wind - wieder einmal - nicht von seiner stärksten Seite zeigt, laufen wir nach einer Stunde aus zum Cabo Salinas am südlichsten Zipfel Mallorcas. Im windlosen Schwell benötigen wir zwei Stunden, um uns zu diesem Zwischenziel hinzuschaukeln. Der Versuchung Segel zu setzen widerstehen wir nach kurzen Blicken auf die anderen Segler, die mit schlagenden Segeln langsam vor sich hin dümpeln. In der malerischen und gut geschützten Cala Mitjana legen wir eine Badepause ein, verlassen dieses schöne Plätzchen aber bald, weil laufend Boote oder Ausflugsdampfer hereinkommen, die entweder - vergeblich - einen Ankerplatz suchen oder ihren Gästen per Lautsprecher diese stille Bucht vorstellen. Gegen Mittag umrunden wir die Südspitze - mit obligatorischem Leuchtturm - und legen unter ein wenig Landschutz eine Badepause vor einem wilden Strand ein. Anschließend verlegen wir in eine besser geschützte Bucht zum Mittagessen und zur Siesta. Doch damit ist unser heutiges Ziel noch nicht erreicht, denn das heißt Colonia de San Jordi oder La Rapita weiter westlich an Mallorcas Südküste. Also geht es nach der Mittagspause weiter, und bald wegen nachlassenden Windes unter Motor. Westlich von la Rapita schließen wir uns vor der Playa de Trench in der Ensenada de La Rapita einem großen Feld von Ankerliegern an. Dieser Ankergrund hat sich nach der weit gehenden Schließung der Insel Cabrera für Yachten zu einem "Ausweichquartier" für Dauerlieger entwickelt, die eher den Badeurlaub per Segel- oder Motoryacht lieben. Später verlegen wir dichter unter den Ort Colonia de San Jordi, da für die Nacht auffrischende Winde aus Süd bis Südwest vorhergesagt sind. Eine dunkle Wolkenwand im Nordwesten unterstreicht diese "Drohung". 14. und letzter Tag: Heimwärts mit Wind Die Nacht ist wider Erwarten ruhig geblieben, nur ein überraschender Regenschauer hat uns am frühen Morgen kurzzeitig die Oberlichter schließen lassen. Wir lassen die letzten Wolken davonziehen, bevor wir aufstehen, denn nur 20 Seemeilen trennen uns noch von unserem Ausgangsort Palma. Diesen letzten Tag und die letzten Meilen wollen wir bis zum letzten Augenblick auskosten. Daher suchen wir auf der Fahrt entlang der Küste ständig nach geeigneten Badebuchten. Eine einsame und gut geschützte Bucht finden wir kurz hinter Porto d'Estanyol, allerdings ist hier der Grund nicht nur felsig, sondern zeigt starke Sprünge der Wassertiefe. Nachdem wir uns vorsichtig in die Bucht "hineingefummelt" und Anker geworfen haben, zeigt eine Unterwasserinspektion mit Taucherbrille ein stark zerklüftetes "Unterwasser-Gebirge", in dem irgendwo der Anker liegt. Die Furcht vor einer Verhakung des Ankers oder der Kette ist durchaus nicht unbegründet. Doch mit ein wenig Geschick und Motorunterstützung bekommen wir nach der Badepause den Anker ohne größere Probleme aus Grund und Wasser. Da Wind aufgekommen ist - welch Wunder! -, segeln wir mit einer frischen Brise weiter nach Nordwesten und müssen sogar die im Segelhandbuch hymnisch besungene Cala Pi an Steuerbord liegen lassen. Wer weiß, wie lange uns dieser Wind noch treu ist!
Doch die obligatorische Mittags- und Badepause darf nicht ausfallen! Wir finden an der Steilküste vor Cabo Blanco tatsächlich eine etwas geschützte Einbuchtung, in der wir auf dem einzigen Sandfleck zwischen großen Felsbrocken auf 7 Metern Wassertiefe ankern. Der Schwell ist hier jedoch nur wenig gemildert, so dass wir uns nach einem erfrischenden Bad und dem üblichen Mittagessen aus Tomaten, Käse, Zwiebeln und Oliven - dazu die letzten Dosen Bier - wieder aufmachen Richtung Palma. Der Wind legt jetzt deutlich zu und dreht dabei auf West. Da wir noch eine letzte Badepause westlich von Palma einlegen wollen - die permanente Hitze gebietet es -, müssen wir uns gegen den auffrischenden Wind von Cabo Blanco freikreuzen und auch anschließend hoch am Wind laufen. Das vermittelt am letzten Nachmittag - nach einer windarmen Woche - noch einmal richtiges Segelgefühl! Bis zur Stb-Scheuerleiste krängt das Boot weg und kämpft sich mit nahezu 7 Knoten Fahrt durch die allerdings noch mäßig bewegte See, die, vom Wind aufgeblaut und mit einzelnen Schaumkronen verziert, von Backbord voraus anrollt. Nach zwei Stunden ist der Spaß vorbei, da wir unsere letzte Ankerbucht - ein wenig westlich der Cala Mayor - erreicht haben. Dort genehmigen wir uns nach einem Bad einen letzten Campari-Orange, genießen noch einmal den Rundblick auf See, Land und andere Segler und gehen dann unter Motor auf die letzte Meile zur Marina "Alboran" in Palma, wo wir pünktlich um 18 Uhr am Steg der Charter-Agentur festmachen. Ein erlebnisreicher, von viel Sonne und wenig Wind geprägter Segeltörn durch die Balearen ist nun zur Erinnerung geronnen. Fazit: Die Balearen sind immer ein lohnendes Ziel für einen Segeltrip. Sowohl die Umrundung einer Insel als auch der Transfer von einer zur anderen Insel sind in einer Woche gut möglich. Die Buchten bei bekannten touristischen Zielen sollte man eher meiden - es sei denn, man liebt den Rummel - und dafür verschwiegene Ankerbuchten aufsuchen, die es durchaus gibt. Die Versorgung in den Häfen ist durchweg gut, die Liegegebühren sind jedoch recht stattlich. Der Segelwind scheint im Mai und September wesentlich besser zu sein als zur Hochsaison, Ende September kann es allerdings laut Segelführer auch schon wieder recht stürmisch werden. Dann sind die harten Männer gefragt, denen auch der Verlust eines Segels oder permanente Brecher an Oberdeck nichts ausmachen. Im Juli lässt der Wind ein wenig zu sehr zu wünschen übrig und die Hitze kann erdrückend werden. Aber nicht jeder kann sich die Termine aussuchen, und auch der Hochsommer hat seine schönen Seiten. Frank Raudszus |