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Sommerlicher Herbst in Andalusien |
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Die Costa de la Luz und ihr Hinterland |
Für Mitteleuropäer kann der Sommer in Andalusien unerträglich heiß werden. Die Lage am südlichsten Zipfel der iberischen Halbinsel, nur wenige Kilometer von der nordafrikanischen Küste entfernt, lässt bereits die Nähe der heißen Wüstenzonen erahnen. Da bietet sich der Herbst als ideale Urlaubszeit an. Im Gegensatz zum Frühjahr ist das Wasser des Atlantiks noch warm genug zum Baden, 21 oder gar 22 Grad sind keine Seltenheit. Die Lufttemperaturen liegen um die 25 Grad, und so fühlt man sich am Strand wie an einem schönen Sommertag an Ost- oder Nordsee, nur dass die von Westen anrollenden Atlantikwellen sich höher auftürmen und spektakulärer am Strand brechen als in den nördlichen Randmeeren. Die
Costa de la LuzFährt man von Jerez de la Frontera, dem für die Atlantikseite Andalusiens günstigsten Flughafen, nach Süden, so beeindruckt zuerst einmal die karge Landschaft, die im Oktober durch große graubraune Flächen geprägt ist. Man kann sich vorstellen, dass die Bewohner in vortouristischen Zeiten eine karges und entbehrungsreiches Leben führten. Heute hat sich das durch den vermehrten Besuch sonnenhungriger Mitteleuropäer deutlich geändert. An Puerto Real und San Fernando vorbei - die Hafenstadt Cádiz liegt noch etwas weiter im Westen - geht es auf der nur schwach befahrenen Autobahn bis nach Chiclana de la Frontera und dann auf einer gut ausgebauten Landstraße bis zum Badeort La Barrosa. Als erstes fällt der Verzicht auf jegliche hohe Bebauung auf, wie wir sie leidvoll von anderen spanischen und europäischen Küsten kennen. Der späte Start des Tourismus in diesem Landesteil hat eben auch seine Vorteile. Hierhin gelangte man in den sechziger und siebziger Jahren nicht in ein oder zwei Tagen mit dem Auto, sondern nur mit dem Flugzeug, und damals gab es noch keine Billig-Fluglinien. Also entwickelte sich der Tourismus hier nur langsam und beschränkte sich auf zahlungskräftiges Publikum. Das mag zwar sozial anrüchig klingen, hat aber eindeutig den Vorteil geringer Zersiedelung und landschaftsgerechter Architektur. Fast zwangsläufig entwickelte sich das touristische Profil um eher kostenträchtige Sportarten wie Golf. Der Flächenbedarf dieser Sportart lässt sich nur in touristisch noch nicht erschlossenen Gebieten oder aber zu extrem hohen Kosten decken. Die Gegend um Marbella, bekanntes Urlaubsdomizil des internationalen Jetsets, sei hier als - abschreckendes? - Beispiel genannt. Der Strand von La
Barrosa (Handy-Kamera!)Der Ort La Barrosa mit seiner etwas südlich gelegenen Hotel-Landschaft "Playa de Barrosa" liegt zwischen der malerischen Fischerinsel Sancti Petri im Nordwesten und dem neuen "Novo Sancti Petri" im Südosten. Von Sancti Petri fuhren bis in die siebziger Jahre die Thunfisch-Trawler hinaus zum Fang, heute liegen dort nur noch kleine Fischerboote, Yachten und Tauchboote. Von Sancti Petri bis nach Conil noch südlich von Novo Sancti Petri erstreckt sich ein wahrer Traumstrand: breit, mit feinem, weißem Seesand und ganz ohne Steine. Bei Niedrigwasser erstreckt sich eine zusätzliche breite Fläche aus festem Sand, die sich hervorragend zum Strand- und Wasserwandern eignet, kilometerlang von Nordwesten nach Südosten. Noch im Oktober finden hier ganztägig wahre Völkerwanderungen in beiden Richtungen statt. Dazwischen traben Jogger aller Alterstufen, mit und ohne MP3-Player am Hals, und sogar Reiter genießen den festen und doch federnden Strand bei Niedrigwasser. Die Flut kann dann - vor allem bei Westwind - bis nahe an die Strandbars vordringen und am feinen Seesand lecken, doch bei der nächsten Ebbe zieht sich das Wasser wieder friedlich zurück. Die Hotels ducken sich alle hinter einem dicht bewachsenen Dünengürtel und sind maximal zweistöckig ausgebaut. Vom Strand aus sieht man nur die Obergeschosse, und die gedeckten Farben lassen die Häuser auch optisch zurücktreten. Jedes Hotel betreibt neben den großzügigen Poolanlagen unmittelbar am Hotel noch eine kleine "Dependance" am Strand, mit festen Sonnenschirmen - die fliegen bei dem oft kräftigen Wind nicht gleich weg -, Liegen und einer Strandbar. Auch wenn die Nutzung dieser Liegen Extragebühren kosten, lohnt es sich doch, den Strandtag hier anstelle der austauschbaren Hotelpools zu verbringen. Der Blick über den Atlantik und der kurze Weg zum den anbrandenden Brechern sind Grund genug. Etwas südwestlich der Hotelansammlung befindet sich das Golf-Resort von Novo Sancti Petri. Hier finden die Freunde des kleinen Balles zwei 18-Loch-Plätze und eine zusätzliches Übungsgelände mit Driving-Range vor. Die beiden 18-Loch-Plätze sind in eine gemeinsame Anlage integriert, jedoch voneinander sauber getrennt, so dass die Spieler der beiden Bahnen sich nicht gegenseitig treffen oder gar stören. Die einzelnen Bahnen verlaufen zwischen dichten Pinienwäldern, deren einzelne Bäume oft dicht an den oder sogar auf den Fairways stehen. So macher gut getroffene Ball landet dann gerne in den Baumkronen und tropft entweder unter dem Baum ins Gras oder kommt gar nicht wieder herunter. Die Bunker stellen eine besondere Spezialitäz dieser Anlage dar: nicht nur sind sie zahlreich vorhanden, vor allem gerne um die Grüns herum platziert, sondern darüber hinaus erschwert die Konsistenz des Sandes auch das Herausspielen. Kein leichter weißer Seesand erleichtert dem Schläger das Durchgehen, sondern schwerer brauner Sand setzt dem Schläger Widerstand entgegen und lässt so manchen Ball nur wenige Meter weiter im Bunker landen. Die eindeutig schöneren Löcher gehen auf das Meer hinaus. Zuerst arbeitet man sich einen mit Rasen befestigte Dünenhügel hinauf, um dann einen langen Abhang hinabzuspielen, der den Blick auf den Atlantik freigibt. Links und rechts säumen kleine Appartementhäuser in der typischen rotbraunen Farbgebung die Fairways. Wenn man auf dem Grün des Lochs 11 des B-Kurses den Ball in (oder neben) das Loch "puttet", genießen die Mitspieler den Blick auf den Strand und das Meer gut zehn Meter unterhalb des Grüns. Doch auch die anderen Bahnen haben ihren landschaftlichen und - natürlich - spielerischen Reiz, und bei einigen Par-3-Löchern muss man sehr genau abschlagen, um nicht in den Bäumen oder einem geschickt platzierten Wasser zu landen. Im Hinterland der Costa
de la LuzDoch bisweilen bläst der Wind aus Südosten oder Südosten so stark, dass der Golfsport wenig Freude und viel Frust bereitet. An solchen Tagen ist ein Ausflug ins andalusische Hinterland zu empfehlen. Das nächste lohnende Ziel ist das knapp 20 km entfernte Medina Sidonia. Auf einer deutlichen Erhebung gelegen - wahrscheinlich zum Schutz vor Seeräubern und anderen zweifelhaften Zeitgenossen -, bietet es eine weitgehend authentische Altstadt mit sehr begrenztem Tourismus. Der zentrale Platz strahlt südländisches Flair aus, und die kleinen Gassen links und rechts lohnen mit ihren weißen Häusern und der friedlichen Atmosphäre allemal einen Rundgang. Am Südende der Stadt bietet eine Aussichtsplattform einen weiten Rundblick über die andalusische Landschaft. Wer eher Großstadtluft schnappen möchte, kann ins 30 km entfernte Cádiz fahren. Von dieser Hafenstadt brach Christoph Columbus einst zu seiner epochalen Fahrt nach Indien alias Amerika auf (genau genommen von Puerto de la Santa Maria im Golf von Cádiz). Die auf dem Ende einer langen, schmalen Halbinsel gelegene Stadt verbreitet den Charme eines alten Hafens. Eine langgezogene Mauer schützte den Ort einst vor seeseitigen Angriffen, Parks säumen vor allem außerhalb des alten Stadtkerns die Straßen entlang des äußeren Strandes. Auf der Innenseite der Bucht dominiert die Industrie mit Lagerhallen, Werften und Hafeneinrichtungen, in der Nähe des alten Hafens, um die Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert herum, hat sich die beschauliche Altstadt gehalten, mit engen Gassen und hübschen kleinen Plätzen, auf denen man an schönen Sommertagen einen ganzen Nachmittag vertrödeln kann. Blick
in eine Gasse von ArcosDie Alternative zu Cádiz als Ausflugsort ist das Binnenland, wo zuerst der kleine Ort Arcos zu nennen ist, der etwa 30 km landeinwärts von Medina Sidonia liegt. Über wenig befahrene, aber schmale Straßen - man sollte bei diesen Ausflügen auf die vorhandene Autobahnverbindung über Jerez verzichten - erreicht man Arcos gleich von der richtigen Seite: der Seite mit der schroffen Felswand. In Arcos stellt man das Auto am besten unterhalb der Altstadt auf einem öffentlichen Parkplatz auf und steigt auf einer Treppe den steilen Hang hinau. Oben empfängt den Besucher der alte Ortskern mit schmalen Gassen und kleinen Bars, wo vornehmlich die Einwohner einkehren und wo man preisgünstig eine Kleinigkeit essen kann. Auf dem "Gipfelplateau" der Anhöhe steht die örtliche Kathedrale, leider vor einem bis auf den letzten Quadratzentimeter vollgeparkten Vorplatz. Doch davor bietet eine Aussichtsplattform einen großartigen Ausblick in die Landschaft und - nur für Schwindelfreie - einen Blick senkrecht an der Felswand hinunter auf den etwa hundert Meter tiefern liegenden Ort. Blick auf die Schluchtwand in RondaWer dann auch vor einer längeren Auofahrt nicht zurückschreckt, dem empfehlen wir eine Fahrt nach Ronda. Vom Strand La Barrosa kann man die Strecke Medina Sidonia - Arcos - Ronda und zurück einschließlich Besichtigungen sogar an einem Tage zurücklegen. Von Arcos aus sollte man wenigstens in einer Richtung die Strecke durchs Gebirge wählen. Nur sie vermittelt dem Besucher einen Eindruck von der wilden Großartigkeit der andalusischen Berglandschaft. Die enge, kurvenreiche Bergstrecke, glücklicherweise zu dieser Zeit nur wenig befahren, verbindet die wenigen hier oben liegenden Orte, von denen manche - so Grazalema - wegen ihrer Ursprünglichkeit und spektakulären Berglage zu längerem Verbleiben einladen. Es lohnt sich tatsächlich, hier einmal für längere Zeit von Ort zu Ort zu fahren und auch einmal in einem dieser kleinen Orte zu übernachten. Ronda selbst ist durch zwei Dinge berühmt geworden: in erster Linie durch die 150 Meter tiefe Schlucht, die den Ort in zwei Teile zerschneidet und an ihren senkrechten Felswänden eine Schar von Aussichtsplattformen und -restaurants beherbergt. Die Brücke über die Schlucht ist an ihren attraktivsten Positionen permanent von fotografierenden Touristen besetzt, die den spektakulären Blick in die Tiefe und in die Weite festhalten wollen. Doch auch um die Brücke herum hat sich ein touristisches Milieu entwickelt, dass - wie an allen spektakulären Orten der Erde - nicht unbedingt zum Charme des Ortes beiträgt, aber wohl unvermeidlich ist. Rondas zweite Attraktion - allerdings im Wesentlichen für deutsche Literaturliebhaber - stellt der deutsche Dichter Rainer-Martia Rilkes dar, der sich vom Dezember 1912 bis zum Februar 1913 in Ronda aufhielt und an den angeblich sogar eine Gedenkplakette in Ronda erinnert. Die Rückfahrt von Ronda nach La Barrosa ging dann doch über die gut ausgebaute und nicht zustark befahrene Autobahn, da die Gesamtstrecke von über 300 km mit zweimaligem Durchqueren des Gebirgsmassiv an einem Tage kaum zu bewältigen gewesen wäre. Auf jeden Fall kann man diesen Ausflug jedem Gast empfehlen, der seinen Urlaub an der Costa de la Luz verbringt und auch einmal etwas anderes als nur Strand, Atlantik und Hotels (und vielleicht den Golfplatz) sehen möchte. Frank Raudszus |
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