Natur und Geschichte pur


 















































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Noch ist die Uckermark ein Geheimtipp für Ruhesuchende


Wollen Sie Eisvögel und Fischadler beobachten, durch Wälder ohne Ende radeln, schlichte Feldsteinkirchen oder prächtige Schlösser besichtigen? Spüren, wo Geschichte nachhallt? Dann lohnt sich ein Besuch in der Uckermark. Die Region rund 60 Kilometer nordöstlich von Berlin ist ein Geheimtipp für alle, die keine nervenden Animateure brauchen, keine lärmigen Freizeitzentren, sondern Erholung abseits touristischer Trampelpfade suchen. Es ist eine Landschaft für jede Jahreszeit, mit dem glitzernden Blau der Seen im Sommer und den eisverkrusteten Wegen im Winter.

Badehaus am winterlichen SeeBadehaus am winterlichen See

Mehr als 400 malerische Waldseen laden ein, Dörfer, in denen die Zeit still steht und kleine Städte mit einer großen Geschichte. Es ist der Dreiklang aus Seen, Wäldern und Hügeln, der die Uckermark so unverwechselbar macht. Die Region ist der am wenigsten besiedelte Landstrich Deutschlands, bei Fahrten über Nebenstraßen kann es passieren, dass minutenlang kein einziges Auto entgegen kommt. In so mancher Ortschaft gibt es keine Kneipe, kein Café, nichts- nur Ruhe.

Sehr lange wird die Uckermark wohl kein Geheimtipp mehr bleiben. Viele Berliner – darunter viele Künstler und Kreative - legen sich hier einen preisgünstigen Zweitwohnsitz zu und vergrößern die Schar derer, die hier ständig leben oder ihre Auszeit nehmen. Das reicht vom Schriftsteller Botho Strauß bis hin zur Bundeskanzlerin. Angela Merkel, die im Uckermark-Städtchen Templin aufwuchs, hat ein Häuschen in Hohenwalde und ab und an ist sie in ihrem kleinen VW Golf auf den Chausseen mit dem alten Kopfsteinpflaster unterwegs. Es kann schon sein, dass sie dann dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck begegnet, der regelmäßig für ein paar Tage in der Uckermark entspannt, wenn er das Regieren leid ist.

Der „Reichsjägermeister“

Vom Berliner Ring (A 10) aus ist die Uckermark über die A 11 Richtung Norden schnell erreicht. Regionalzüge verkehren von Berlin über Eberswalde nach Templin. Den Süden der Region nimmt das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ein. Die Schorfheide ist mit ihren Buchen, Kiefern und Eichen das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands. Hier jagten schon Kurfürsten und Kaiser, Reichspräsidenten, dann der „Reichsjägermeister“ Hermann Göring und später die DDR-Nomenklatura mit Erich Honecker an der Spitze. An die Hohenzollern erinnert der „Kaiserbahnhof“ in Joachimsthal. Züge fahren hier nicht mehr, der Bahnhof dient heute als Kulturzentrum und „Hörspielbahnhof“. Die Geschichte der Provinz, aus der Friedrich der Große seine besten Soldaten bezog, ist allgegenwärtig. Auf der Landenge zwischen dem Großen Döllnsee und dem Wuckersee liegen die Überreste des mythenträchtigen „Carinhall“, des luxuriösen Jagdschlosses von Göring. Dort empfing er Staatsgäste, hortete seine geraubten Kunstschätze und dämmerte ab 1944 dem Untergang entgegen. Beim Herannahen der Russen 1945 ließ er die Gebäude von seinen Fallschirmjägern sprengen, übrig blieben ein paar Steinbrocken und die Torhäuser an der Zufahrt mit den gekreuzten Marschallstäben. Der Ort lockt Unzählige an, immer wieder auch TV-Teams aus aller Welt.

Oase der Ruhe

Direkt am Döllnsee liegt etwas Zivileres: das Hotel Döllnsee-Schorfheide. Das Vier-Sterne-Haus hat auch seine Geschichte. Das Haupthaus im Tudor-Stil wurde 1934/35 im Auftrag Görings für seinen „Leibjäger“ Willi Schade gebaut. In DDR-Zeiten gehörte das Anwesen zuletzt dem Staatsrat, der hier tagte und internationale Gäste beherbergte. Breschnew bettete hier sein Haupt, und hier trafen sich 1981 Honecker und der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Luftaufnahme des HotelsLuftaufnahme des Hotels

Heute gehört der Komplex Privatinvestoren und präsentiert sich als eine herrliche Oase der Ruhe inmitten der uckermärkischen Natur – und dies nicht nur für Staatsgäste. Es ist eine Traumlage direkt am See, umkränzt von dichten Wäldern, die viele Gäste für einen Wochenendtrip oder länger anzieht und dies zu attraktiven Preisen. Das Hotel ist auf den neuesten Stand gebracht mit seinen 127 Zimmern mit Wald- oder Seeblick.  

Im Sommer geht es hinaus auf den Steg zum Badehaus am Großen Döllnsee mit seinem kristallklaren Wasser. Da gibt es dann Tage, wo die Sonne mild brennt, ein paar Vögel hoch am Himmel ihre Bahnen ziehen, ein leichter Wind im Schilfgras am Ufersaum wispert. Der See leuchtet hellblau, es ist still, denn Motorboote sind hier verboten. Und im Winter lohnt es sich für Saunafreunde, die sich an das Eisbaden wagen. Rund um das Hotel gibt es Tennisplätze, Wander- und Fahrradwege, Wildparks, ein Golfzentrum und das nahe Künstlerdorf Bebersee mit seinen Ausstellungen. Fast fällt es schwer, das Hotel zu verlassen und dies nicht nur wegen des guten Restaurants Cottage -  die Seele möchte baumeln im Panorama-Hallenbad, in der Wellness- und Beauty-Landschaft mit einem üppigen Angebot für Sie und auch Ihn.

Weniger als eine halbe Stunde dauert es mit dem Auto bis nach Templin. Mit rund 17.000 Einwohnern ist Templin eine der wenigen Städte in der Uckermark und allemal einen Abstecher wert. Reizvoll die gut erhaltene, sieben Meter hohe Stadtmauer, Flair hat die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern. Die Seen rund um Templin sind durch Kanäle miteinander verbunden und laden zu einer Schiffstour ein. Danach kann man es sich im Thermalbad Templin gemütlich machen.

Die „Rote Nelke“

Bei der Fahrt durch das Land geht es bisweilen kilometerlang durch Chausseen und Wälder, wohin man schaut. Dann tauchen wieder kleine Ortschaften auf, mit ihrer speziellen, herben Anmutung. Die Gehöfte sind schmucklos, manches ehedem prächtige Herrenhaus steht auch leer und verfällt. Preußische Strenge und DDR-Kargheit mischen sich zu einem eigentümlichen Eindruck in einer Region, wo es noch schlichte Gaststätten wie die „Rote Nelke“ gibt – mit einem Mittagsmenü für 3,80 Euro. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Industriebetriebe sind rar gesät, der Tourismus ist eines der zarten Hoffnungspflänzchen.

Haus in der DämmerungHaus in der Dämmerung

Wer sich auf die Uckermark einlässt, findet Tag um Tag neue Ziele. Ob die Kreisstadt Prenzlau (20.000 Einwohner) mit ihrer Kirche St. Marien, dem schon von Weitem sichtbaren mächtigen Paradebau der Backsteingotik oder das kleine Chorin mit dem ehemaligen Zisterzienser-Kloster. Wer den rechten Überblick haben will, fährt nach Joachimsthal auf die gläserne Aussichtsplattform BIORAMA, die zwei zugereiste Engländer 2006 neben einem alten Wasserturm errichtet haben. Die Aussicht auf die eiszeitlich überformte Landschaft des Biosphärenreservats ist an klaren Tagen überwältigend, der Blick reicht bis zum Berliner Fernsehturm in 70 km Entfernung.

Verwehte Zeit

Entdeckungen warten in vielen Orten, etwa in Temmen-Ringenwalde, einem 700-Seelen-Dorf. Dort findet sich nicht nur eine sehenswerte Kirche von 1280, sondern auch ein verwunschener Park im englischen Stil. Der Park mit dem dichten Farn, den milchig-grünen reglosen Teichen und zierlichen Brücken gehörte einst zu einem Herrenhaus derer von Ahlimb-Saldern, einem ortsansässigen Adelsgeschlecht. Das Herrenhaus wurde 1945 zerstört, doch ein neugotisches Erbbegräbnis der Dynastie blieb erhalten und wird restauriert. Gefallen für „Gott und Vaterland“ steht auf den schweren Grabplatten der adligen Offiziere. Verwehte Zeit.

Für das Hier und heute steht der „Gasthof zur Eisenbahn“ in Ringenwalde, ein höchst gemütliches Refugium für Jäger und andere Touristen. Der Gasthof hat viele Stammgäste, denn er ist weit über Ringenwalde hinaus bekannt für eine hervorragende bodenständige Küche. Hier schmeckt die Wildroulade ebenso wie Zander und Hecht aus den nahen Seen. Die gute Küche war dem „Feinschmecker“ jüngst sogar eine Auszeichnung wert.  

Wer Ringenwalde an einem sonnigen Tag verlässt, nimmt eine der unzähligen Chausseen mit den hohen Baumreihen links und rechts. Er fährt durch einen grünen Tunnel, wie in einem unendlichen Kirchenschiff, die welligen Wiesen huschen vorbei, immer wieder bricht das Licht durch die Baumkronen herein und man möchte so fahren ohne Ende. Das sind dann die Momente, wo man nicht mehr weg möchte aus der Uckermark.


Wichtige Adressen in der Uckermark:

Tourismus Marketing Uckermark GmbH
Grabowstr. 6
17291 Prenzlau
Tel. 03984/ 835883
Email: info@tourismus-uckermark.de
Website: www.tourismus-uckermark.de

Hotel Döllnsee-Schorfheide
Döllnkrug 2
17268 Templin
Tel. 039882/ 63-0
Email: info@doellnsee.de
Website: www.doellnsee.de

Gasthof zur Eisenbahn
17268 Ringenwalde
Tel. 039881/ 279
Email: info@gasthof-zur-eisenbahn.de
Website: www.gasthof-zur-eisenbahn.de

Alexander Hoffmann
 

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