Wo der Wald den Himmel schneidet


Resieberichte Januar 2008

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Impressionen aus dem Bayerischen Wald


Niederbayern ist nicht so glamourös wie die oberbayerischen Seen südlich München, es liegt etwas abseits - und das gerade macht seinen stillen Zauber aus. Wer einmal da war im Donautal rund um Passau oder auf dem „Grünen Dach Europas“, wie sich die Region Bayerischer Wald/ Böhmerwald werbewirksam nennt, kommt gerne wieder. Auch der durchaus zivilen Preise wegen, der klaren Luft, der unverfälschten Natur und und...

Das Kleinod Passau

Allein Passau, dieses städtische Kleinod, ist immer wieder einen Besuch wert. Die 50 000-Einwohner-Stadt besticht durch ihre reizvolle Mischung aus Tradition und Moderne. Seit 739 ist Passau Bischofssitz, seit 1978 sorgen die Studenten der Universität für einen Schuss Jugendlichkeit. Der entfaltet sich vor allem im Sommer in der Altstadt, jenem großartigen Ensemble aus Bauten von der Spätgotik bis zum Barock. So entstand eine Altstadtkulisse mit malerischen Plätzen, verwinkelten Gassen und schönen Promenaden. Vor allem italienische Baumeister wirkten in Passau, was der Altstadt ihr unverwechselbares mediterranes Flair verleiht.

Zentrum der Altstadt ist der barocke Stephansdom mit der größten Domorgel der Welt. Das ist ebenso sehens- (und hörenswert) wie die bischöfliche Residenz, das Rathaus, die historische Hofapotheke und die Künstlergasse Höllgasse. Passau heißt auch die „Dreiflüssestadt“, benannt nach Donau, Inn und Ilz, die hier zur Donau zusammenfließen. Bei starker Strömung ist es ein faszinierendes Schauspiel, am Dreiflüsseeck, der Spitze der Altstadt-Halbinsel, den Zusammenfluss zu beobachten.

LandschaftsidylleLandscjhaftsidylle

Wir besuchen noch die hoch über Passau thronende Veste Oberhaus, eine der größten erhaltenen Burganlagen Europas mit einem herrlichen Blick über die Stadt und ihre Flüsse. Dann führt uns die Bundesstraße nach Nordosten, hinein in den Bayerischen Wald. Unmerklich gewinnen wir an Höhe, die Besiedlung wird spärlicher, die Luft frischer, es geht hinein in eines der größten und unberührtesten Waldgebiete Europas.

Über die Kleinstadt Freyung erreichen wir nach rund 55 Kilometern Philippsreut und den Ortsteil Mitterfirmiansreut am Fuß des 1139 Meter hohen Almbergs. Und plötzlich ist die tiefe Ruhe da, während man den Panoramablick über die bayerischen und böhmischen Mittelgebirgsgipfel schweifen lässt. Und über Wälder und Wiesen ohne Ende. Der Dichter Adalbert Stifter weilte lange in dieser Region und schrieb einmal: „Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet.“

Als behaglichen Stützpunkt für die nächsten Tage wählen wir das Landhotel Haus Waldeck,
ein gemütliches kleines Haus mit Hallenbad und Wellnessbereich, mit Terrasse und einem großen Garten. Gleich hinter dem Haus beginnen die Wanderwege. Das Landhotel hat viele Stammgäste und schon nach einem Tag weiß man, warum. Der Gast fühlt sich wohl angesichts der sehr persönlichen, herzlichen Atmosphäre. Die Gastgeber sind in drei Generationen vertreten - in Gestalt des Inhabers Christian Koch und seiner Frau Karin, auch die Eltern wirken mit und die ganz junge Generation. Es hat schon Grandezza, wie die kleine Tochter die Suppe serviert. Zum familiären, unkomplizierten Ambiente gehört, dass Kinder hier sehr willkommen sind und auch Hunde und andere Haustiere.

Im Dreiländereck

Blick ins TalAusblick ins Tal

In und rund um Mitterfirmiansreut locken nicht nur die Wanderwege. Man kann Tennis spielen, das Mountainbike satteln oder die Nordic Walking-Stöcke ergreifen. Wenn es einem im Ort etwas zu eng wird, gibt es eine große Auswahl attraktiver Ziele. Wir sind hier im Dreiländereck mit den Nachbarn Tschechei und Oberösterreich. Die tschechische Grenze liegt direkt bei Mitterfirmiansreut und von dort aus sind es nur rund 180 Kilometer bis Prag. Auch Budweis und der Moldaustausee sind beliebte Ziele.

Wir aber sind der Natur wegen hier. Wir wollen das „Grüne Dach“ erleben, die Ursprünglichkeit des Hochwaldes längst vergangener Zeit, die idyllischen Waldenklaven und Rodungsinseln mit verwilderten Wiesen und zugewachsenen Ruinen. Das alles finden wir beim Wandern und Herumfahren und gewinnen eine Ahnung davon, dass hier im Grenzraum einst die Handelswege in das reiche Böhmen verliefen mit schönen Namen wie „Goldener Steig“ oder „Winterberger Weg“. Von den Wirtschaftszentren an der Donau zogen die „Säumer“ auf diesen Routen ins Böhmische.

Natur pur vermittelt der nahe Nationalpark Bayerischer Wald, der erste seiner Art in Deutschland. Zusammen mit dem Šumava (Böhmerwald) in Tschechien bildet er das Herzstück des Grünen Dachs mit rund 900 Quadratkilometern. Wo vormals der Eiserne Vorhang seine Schneise zog, verbinden heute Wander- und Radwege die beiden Nationalparks.

Im wilden Wald

Hier gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“ – nirgendwo zwischen Atlantik und Ural darf sich die Natur auf so großer Fläche nach ihren ureigenen Gesetzen zu einem wilden Wald entwickeln. Ein großes Netz von Wander- und Radwegen erschließt den Nationalpark mit seiner Fülle von Eindrücken. Man kann einen „Hochwaldsteig“ durchwandern, den „Urwald-Erlebnisweg“ nehmen oder im Tier-Freigelände Luchse, Wolfsrudel oder Wildpferde in natürlicher Umgebung beobachten.

Der Abschied fällt schwer von dieser Landschaft mit ihren bis zu 400 Jahre alten Fichten, den geheimnisvollen Hochmooren, den bunten Heidewiesen. Eine wunderschöne Landschaft, die auch regelmäßig über den Bildschirm flimmert. Seit über 20 Jahren streift hier der bekannteste Förster Deutschlands in „Forsthaus Falkenau“ mit seinem Hund durch die Wiesen und Wälder.

Alexander Hoffmann


Landhotel Haus Waldeck
Alzenbergstr. 9
94158 Philippsreut-Mitterfirmiansreut
Tel. 085 57/ 729
Fax 085 57/ 739
e-mail: haus-waldeck@web.de
www.haus-waldeck-koch.de

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