Essa, trinka, bliba!


Resieberichte Januar 2008

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 Der Vorarlberg verbindet Bodenständigkeit mit skisportlichem Anspruch


Lange Zeit stand der Vorarlberg sowohl sportlich als auch generell touristisch ein wenig im Schatten des "großen Bruders" Arlberg mit seinen bekannten Namen Lech und Zürs. Doch nicht zuletzt im Zuge des Trends zum "ökologischen Tourismus" rücken die weichen Standortfaktoren des Vorarlbergs zunehmend in den Vordergrund und lassen diese österreichische Region zu einem attraktiven Urlaubsgebiet nicht nur für Wanderer werden.

Die Altstadt von BludenzDie Altstadt von Bludenz

 Das Urlaubsgefühl setzt schon im Zentrum des Reviers, der Stadt Bludenz, ein. Wer an einem Schlechtwettertag die Pisten meiden muss und sich dann alternativ in den Ort begibt, staunt über die liebevoll restaurierte Altstadt und genießt den Bummel durch die kopfsteingepflasterte Fußgängerzone ebenso wie den Besuch des einen oder anderen Cafés, der in Österreich, dem Land der Kaffeehäuser, zum Pflichtprogramm gehört. Und wenn der Regen sich noch ein wenig länger im Tal hält als gehofft, lohnt sich ein Besuch des neuen Badezentrums "Val Blu", dessen große Glasfenster hinaus ins Tal und auf die gegenüber liegenden Berghänge zeigen. Das neu errichtete "Wellness"-Zentrum zeichnet sich durch großzügige Innen- und Außenbecken, eine weitläufige Liegewiese - natürlich nur für den Sommer - sowie einen hellen und vielfältig ausgestatteten Saunabereich aus. Hier kann man einen Schlechtwettertag
ohne das Gefühl einer Notlösung in entspannter Atmosphäre genießen. In der "Bäraloch"-Außensauna erlebt man die Bergwelt beim Schwitzen hautnah.

Doch die Gäste kommen natürlich nicht nur wegen dieser Wellness-Anlage in den Vorarlberg. Im Sommer und im Herbst locken die Berge zu ausgedehnten Wandertouren, im Winter dagegen möchte der Skifahrer zu seinem Recht kommen. Und da hat der Vorarlberg mittlerweile Einiges zu bieten. Westlich von Bludenz führt das schmale Brandnertal weit in ein Gebirgsmassiv hinein, das sich bis auf zweieinhalbtausend Meter erhebt. Am Ende des Endtals liefert ein hoch gelegener Stausee Strom, in der Mitte des Tals liegt der Ort Brand. Auf der halben Strecke nach Brand liegt auf 900 Metern Höhe der kleine Ort Bürserberg. Von hier aus können die Skiläufer das Skigebiet "Loischkopf" erreichen, das sich oberhalb des Orts über weite, freie Hänge bis zum Gipfel gleichen Namens auf über 1800 Metern erstreckt. Dank der Ausrichtung der Pisten nach Nordosten findet man hier auch im März noch gute Skibedingungen vor. Um auch im Frühjahr Abfahrten bis zum Einstiegsort zu ermöglichen, teilt die Mittelstation auf 1200 Metern das Skigbiet noch einmal auf. Weiter unterhalb erstreckt sich dann eine gut präparierte Kunstschneepiste durch die grünen Matten, während sich weiter oben die Naturschneehänge mit noch guten Schneeverhältnissen präsentieren. Selbst gute Skifahrer finden hier den einen oder anderen Steilhang, der einiges Können erfordert.

Im Museum von BürserbergIm Museum von Bürserberg

 Auf der Höhe der Mittelstation erstrecken sich zwei bewohnte Gebiete, Dunza und Tschengla, die hauptsächlich aus rustikalen Gasthöfen oder Ferienhäusern bestehen. Man hat hier auch aus touristischer Sicht konsequent auf die Einhaltung des typischen "Dorfstils" geachtet und jegliche falsche Moderne vermieden. Auch die Ausstattung der Häuser zielt auf den sportlichen Gast ab, der auf die wesentlichen Dinge im Urlaub achtet, als da sind: ruhige Lage,
wohnliches Ambiente des Hauses, gemütliche Zimmer und gutes Essen. Schließlich ist man den ganzen Tag auf den Beinen und hat sich dabei einen gesunden Appetit für den Abend erarbeitet. Das Hotel "Dunza" erfüllt diese Anforderungen in besonderem Maße. Inhaber Ulfried Maurer bereitet nicht nur alle Speisen eigenhändig vor, sondern kennt sich auch ansonsten sehr gut im näheren und weiteren Umfeld seines Hauses aus. Dabei sind als erstes die "Steinkreise" zu nennen, die sich nur einige hundert Meter oberhalb des "Dunza" auf einem kleinen Plateau erstrecken und sozusagen ein österreichisches Gegenstück zu "Stonehenge" darstellen. Sie bestehen aus einem Kreis von Steinen - Durchmesser zwischen zehn und dreißig Meter - und einem zentralen, größeren Stein. Nachdem diese Kreise Jahrtausende lang unter Schutt begraben waren, wurden sie vor nicht allzu langer Zeit entdeckt, entschlüsselt und wieder in den vermutlichen Urzustand versetzt. Die Steine dieser Kreise strahlen Kraftfelder aus, die entsprechend begabte oder geschulte Menschen mit Hilfe eines Pendels nachweisen können. Außerdem bestehen zwischen den Anordnungen der Steine und den jeweiligen astronomischen Konstellationen von Sonne, Mond und bestimmten Sternen enge Verbindungen. Man datiert die Entstehung der Steinkreise auf etwa 4000 v. Chr. und schreibt ihnen kultische Bedeutung von hohem Rang zu. Fragt man Ulfried Maurer danach, kann er leicht einen ganzen Abend - möglichst bei einem guten Zweigelt - mit Erklärungen verbringen.

Blick ins BrandnertalBlick ins Brandnertal

 In ähnlichem Umfang engagiert er sich für die Geschichte der Region und führt seine Gäste in das Heimatmusuem von Bürserberg. Oftmals sind ja solche Heimatmuseen durchaus Garanten für gähnende Langeweile, doch hier nehmen sowohl die urtümliche Bauart des Hauses als auch die Exponate und - vor allem! - das Engagement der ehrenamtlichen Museumsführer die Besucher gefangen. Eine einstündige Führung vergeht wie im Fluge, wobei man vieles über die Herstellung von Dachschindeln und Werkzeuge lernt und ebenfalls einen tiefen Einblick in die teilweise prekäre geologische Situation dieses Gebirgsmassivs erhält. Da fällt es dem Besucher denn auch anschließend leicht, sich im kleinen Bauernmarkt in den Museumsräumen mit dem einen oder anderen Produkt des Landes zu versorgen.

Die skisportliche Seite der Region ist jedoch mit dem Skigebiet Loischkopf nicht abgetan. In Brand hat man im letzten Jahr die Liftkapazität duurch eine neue Doppelgondel erheblich erhöht. Bis zur Bergstation sind es von der Ortsmitte Brand jetzt nur noch Minuten. Von dort aus führen moderne Sessellifte bis auf das 2000 Meter hohe Glattjoch, von dem sich breite Hänge aller Schwierigkeitsgrade sowie ein Panoramablick auf das gesamte Brandnertal öffnen. Insgesamt 14 Lifte ermöglichen einen staufreien Skibetrieb auch an Wochenende. Ganz neu ist dieses Jahr die Gondelverbindung per "Panoramabahn" zum Skigebiet Loischkopf, und wenn in der Gondel zur Unterhaltung auch noch "La Paloma" auf Deutsch von Freddy Quinn ertönt, fühlen sich norddeutsche Gäste gleich zu Hause. In der Gegenrichtung fährt man alternativ - natürlich kann man auch die Gondel nehmen - auf einer blauen Piste fast direkt vom Loischkopf zu einem Schlepplift unterhalb der Bahnstation, der die Skifahrer wieder ins Brandner Skigebiet bringt. Diese Verbindung hat außer dem Effekt des "Skizirkus" noch den angenehmen Nebeneffekt, dass man bei Schneefall oder Glätte nicht die gewöhnungsbedürftige weil enge und kurvenreiche (Rallye-Fans würden sagen: "sportliche") Straße von Bürserberg zur Mittelstation am Schillerkopf nehmen muss, wenn man auf dem Loischkopf skifahren möchte.

Das Skigebiet von BrandDas Skigebiet von Brand (zum Vergrößern bitte Anklicken)

 Brand selber hat sich nicht zuletzt wegen des besseren Zugangs zum Skigebiet zu einem kleinen "Wallfahrtsort" für Wintersportler entwickelt. An schönen Wintertagen wimmelt der Ort von Skitouristen oder solchen Besuchern, die nur durch den noch ursprünglichen Ort bummeln und sich auf einer der sonnigen Terrassen bei einem "Kaffee mit Schlag" von der Frühlingssonne wärmen lassen wollen. Aufgrund der Lage in einem Endtal gibt es so gut wie keinen Durchgangsverkehr, sieht man einmal von den Bussen ab, die am hinteren Ende des Ortes halten und wenden. Die Bebauung besteht zum größten Teil aus den traditionellen zwei- oder dreistöckigen Häusern, Neubauten wurden mit viel Holz und einem der alten Bebauung angepassten Baustiel eingefügt. Alt und neu ergänzt sich hier ausnehmend gut. Die Inschrift auf dem alten, ganz aus Holz gebauten "Romantik Hus" bringt das Motto des Vorarlbergs auf den Punkt: "Essa, trinka, bliba!" - vom Skisport haben die Erbauer des Hauses noch nichts gewusst.

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Frank Raudszus

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