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Historisches Flair vor den Toren von Paris |
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Provins in der Region Seine-et-Marne rüstet sich zum touristischem Wettkampf |
In Frankreich - und natürlich vor allem in Paris - hört man oft die Redewendung "Paris et le desert" - "Paris und die Wüste". Damit wollen die Bewohner der Hauptstadt das geographische Bedeutungsgefälle in Frankreich kennzeichnen. Dass dies ungerecht ist, weiß jeder, der schon einmal im Elsaß, in der Normandie, der Côte d'Azur oder in den Seealpen gewesen ist. Doch halten sich solche Sprüche hartnäckig und treffen vor allem die nähere Umgebung von Paris, die natürlich besonders mit der Strahl- und Anziehungskraft der Hauptstadt konfrontiert ist. Dazu gehört die Region "Seine-et-Marne", die sich im Osten von Paris in einem großen Halbkreis von Meaux im Norden über Provins im Osten bis nach Fontainebleau und Nemours im Südosten erstreckt.
Das geschichtsträchtige Provins liegt etwa auf halber Strecke zwischen Troyes und Paris, und Autofahrern sei geraten, sich dem Ort auf den Landstraßen der Champagne zu nähern, auch wenn die Autobahn die Fahrt verkürzt. Die typische französische Landschaft mit ihren weiten, von der Landwirtschaft geprägten Flächen und den schnurgeraden, nur von Hügeln unterbrochenen Straßen vermittelt einen guten Eindruck davon, wie sich Händler des Mittelalters bei der Reise nach Provins gefühlt haben mögen. Denn Provins war zu dieser Zeit tatsächlich ein wichtiger Handelsknoten. Im 12. und 13. Jahrhundert war Provins nicht nur eine europaweit bekannte Messestadt, sondern auch der Sitz der Grafen der Champagne. Erst ab dem 14. Jahrhundert verlor Provins aufgrund politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen seine Bedeutung und kehrte zur Beschaulichkeit der ländlichen Kleinstadt zurück. Doch viele steinernen Zeugen der glorreichen Zeit blieben bis heute bestehen, und so fanden die Restaurateure bei der "Wiederentdeckung" der Stadt eine Menge lohnenswerter Arbeit vor. Denn eine Wiederentdeckung war es, was der französische Staat hier zelebrierte. Der Fokus des internationalen Tourismus auf Paris und wenige andere spektakuläre Orte hatten sich für die Entwicklung des Landes als nicht günstig erwiesen, und so investierte man zielgerichtet in die touristisch orientierte Wiederherstellung historisch bedeutsamer Orte. Nachdem Troyes dem Aschenputteldasein einer grau verputzten, halb verfallenen Provinzstadt entrissen und zur Perle der Champagne ausgebaut worden war, wandte man sich vor einigen Jahren Provins zu und hob dessen historischen Schätze.
Dazu gehört sicher die Altstadt, die "haute ville". Wie der französische Name besagt, liegt sie auf einer leichten Anhöhe, von der man in die umliegende flache Landschaft blickt. Dort entstand im 11. und 12. Jahrhundert die Infrastruktur einer bedeutenden Handelsstadt. Die gewaltigen Festungsmauern der "haute ville" stehen zu etwa der Hälfte heute noch, sind weitgehend restauriert und lassen sich über Teilstrecken auch begehen. Innerhalb dieser schützenden Mauer entstand im 12. Jahrhundert der "Tour César", ein Wehr- und Schutzturm, der jedoch ironischerweise nie zu diesem Zweck genutzt wurde. Das trutzige und allen potentiellen Angreifern Furcht einflößende Gemäuer, das neben Wehrgängen und starken Mauern über umfangreiche Vorrats- und Waffenlager verfügte, diente lange Zeit als Gefängnis sowie als Sitz des Gouverneurs, der hier ein eigenes - allerdings nicht sehr komfortables - Zimmer bewohnte. Wer heute die engen Stiegen in dem feuchtkalten Turm hinauf- und hinunterklettert, versteht, warum die Lebenserwartung damals kaum höher als vierzig Jahre lag. Heutigen Besuchern gewährt der Turm jedoch einen weiten Rundumblick über das hügelige Umland, wobei nicht mehr die Angst vor feindlichen Reiterscharen das Vergnügen an der Aussicht trübt. Nicht weit vom "Caesarturm" erhebt sich die romanische Kirche "La Collégiale Saint-Quiriace", die ebenfalls im 12. Jahrhundert entstand und wegen Geldmangels nicht gemäß den ursprünglichen Plänen fertiggestellt wurde. Eine Besichtigung lohnt sich für jeden Besucher dennoch, denn das Innere der Kirche sagt viel aus über das - religiöse - Lebensgefühl des Mittelalters. Hinter der Kirche senkt sich das Gelände der Neustadt entgegen, die ebenfalls bereits Jahrhunderte hinter sich hat und immer einen Spaziergang wert ist. Wir bleiben jedoch in der "haute ville" und sehen uns dort weiter um. An zentraler Stelle, etwas oberhalb des Caesarturms", liegt die "Place du Chatel", ein rechteckiger, mittelgroßer Platz, den kleine Häuser verschiedener Epochen umstehen. Hier ist nichts wirklich neu - d.h. 19. oder 20. Jahrhundert -, hier atmet jeder Bau Geschichte. Die schänsten und ältesten Fachwerkhäuser stehen an der Rue Couverte am westlichen Ende des Platzes, und hier liegt auch das Hotel "Les vieux Remparts", was soviel heißt wie "die alten Stadtmauern". Passgenau in die winkligen Gassen der Altstadt eingefügt, verbindet das Haus historisches Flair mit modernem Komfort. Die Vergangenheit der Stadt lässt sich an vielen kleinen Details - Bilder, Skulpturen - ablesen und liest sich wie eine Verbeugung vor der historischen Bedeutung von Provins.
Doch die Stadtväter von Provins lassen es nicht bei der Restaurierung von Stadtmauern und alten Gebäuden bewenden. Sie füllen auch den Veranstaltungskalender der Stadt mit entsprechenden Angeboten. Die "spectacles" spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese historischen "Ritterspielen" lassen die Welt des Mittelalters noch einmal auf vielfältige Weise aufleben, und das Geschick der Regisseure liegt darin, die jeweilige Handlung sowohl Erwachsenen als auch Kindern schmackhaft zu machen. Die Schau "Arkhangaii" bietet zwar wenig Verbindungen zu Provins, tragen doch seine Protagonisten mongolische Trachten und üben sich in mongolischen Riten und Reiterkunststücken, doch die Artistik zu Pferde sowie Tempo und Vielfalt der Vorführung lassen diesen Punkt schnell in den Hintergrund treten. Dazu serviert die Belegschaft des "Les vieux Remparts" ein rustikales Diner mit verschiedenen Pasteten auf einem knusprigen Fladenbrot. Danach gibt es Hühnchen und Schweinefleisch mit scharfer mongolischer Soße auf einer gigantischen Weißbrotscheibe und natürlich noch ein schmackhaftes Dessert. Alle Gerichte begleiten die passenden Getränke. So wird die Show zum kulinarischen Genuss für Gaumen und Auge. Nicht weit von dieser Spielstätte entfernt findet nahezu täglich die Adlerschau "Les Aigles des Remparts" statt, bei der die Flugkünste zahmer Adler gezeigt werden. Die Geschichte "La Légende des Chevaliers" spielt direkt unterhalb der Stadtmauern und stellt den uralten Kampf zwischen Gut und Böse dar. Die Guten sind leuchtend gekleidete Ritter und eine schöne Frau, die Bösen schwarze Ritter mit schrecklichen Masken, die von außen in die mittelalterliche Idylle einfallen. Keine Frage, dass die Guten nach hartem Kampf siegen, wobei alle Beteiligten ausgiebig ihre Kunstfertigkeit zu Pferde sowie mit Schwert und Lanze zeigen können. Eine Rose spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, und beide Parteien provozieren beim Publikum - vor allem den Kindern - Anfeuerungs- oder Abscheugebrüll. Ein echter Spaß für Jung und Alt mit vielen reiterischen Kunststücken. Ein viertes "Spectacle" schildert den mittelalterlichen Kampf um die Stadtmauern. Mit diesem touristischen Programm sowie weiteren Attraktionen beispielsweise einer kleinen "Touristenbahn" und einem Stadtmuseum mit vielen antiken Exponaten - die Römer sind auch hier gewesen -lockt Provins zunehmend Tagesbesucher und Dauergäste in die Stadt. Am 5. Juli und am 2. August findet darüber hinaus das sommerlichen Fest "Les lueurs du temps" statt, bei der hunderte von Kerzen Stadt und Gebäude beleuchten und den nächtlichen Bummlern den Besuch der verschiedenen Attraktionen oder einige gemütliche Stunden auf dem "Place du Chatel" bei Rotwein und Live-Musik und viel Romantik ermöglichen.
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