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Der Charme alter Städte |
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Stationen dieser Reise: Bormio "pro corpore" Tiranos Baudenkmäler Sondrio und Bergamo |
Von Sondrio im
Valtellina nach Bergamo
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| Für die knapp 30 Kilometer von Tirano nach Sondrio benötigt unser Bus dank des Feierabendverkehrs fast eine Stunde, was uns die Gelegenheit gibt, ein wenig über die vielfältigen Eindrücke des Tages nachzudenken oder - zu schlafen. Denn ein solcher Tag mit Sport, Besichtigungen und Weinprobe fordert doch die in Konzentration mehr als man denkt. Blick in das "Grand
Hotel della Posta"Sondrio empfängt uns wahrhaft fürstlich im "Grand Hotel della Posta", das in dreijähriger Arbeit zu einem modernen Vier-Sterne-Haus umgebaut wurde. Das im Stil des 19. Jahrhunderts erbaute Haus erhielt einen völlig neuen, modernen Innenausbau mit viel Glas und Zimmer in hellem, zeitgemäßem Stil. Dennoch hat man die Tradition des Hauses durch stilistische Andeutungen bei Mobiliar, Deckengestaltung und sonstigem Dekor gewahrt, ohne deswegen in Historismus zu verfallen. Das Haus präsentiert sich als eine gelungene Symbiose von Tradition und Moderne und lädt spontan zum Bleiben ein. Der Speiseraum liegt in einem alten Keller im Untergeschoss, der noch die Atmospäre eines Weinkellers atmet, ohne deswegen kalt zu wirken. Hier kann man sich auch hervorragend zum abendlichen Diner zurückziehen, da es mangels weiterer Räume auf dieser Ebene keinen Publikumsverkehr gibt. Im Erdgeschoss sorgen großzügige Querdurchbrüche mit Glastüren an beiden Enden für zusätzlichen Lichteinfall. Abendtafel im Speiseraum
des HotelsIm Speiseraum zeigt die Küche des Valtellina ihre Vorzüge und Künste. Allein der Vorspeisentisch könnte - wie bereits in Bormio - die Reiseteilnehmer an die Sättigungsgrenze führen. An einem anderen Tisch zeigt eine Küchenexpertin die Zubereitung einer Veltliner Spezialität, der "Pizzochero". Die Bandnudeln entstehen vor unseren Augen aus einem hellen Teig, der erst wurstförmig, dann flach auf dem Tisch liegt und schließlich mit hoher Fingerfertigkeit in kleine Bänder geschnitten wird. Als sie dann schließlich als zweite Vorspeise auf dem Teller liegen, hat jeder der Teilnehmer das Gefühl, sie irgendwie selbst hergestellt zu haben. An diesem Abend zeigt die Veltliner Küche in dem alten Gemäuer des Speiseraums im Grandhotel noch einmal ihre Stärken in der Zubereitung lokaler Produkte, und der Sommelier trägt seinen Teil dazu bei, dass die vielfältigen Speisen auch leicht die Speiseröhre hinabgleiten. Man muss sich die Gäste des "Grand Hotel della Posta" als glückliche Menschen vorstellen. Der nächste Morgen lässt sich aufgrund des opulenten Mahls am Vorabend etwas langsam an, aber gegen neun Uhr steht der Bus abfahrbereit vor der Hoteltür. Ursprünglich war für den Vormittag die Auffahrt zu einer Bergstation mit anschließendem Rundblick und Vorstellung des Winterprogramms vorgesehen, doch das Wetter, das die Wolken tief an den Hängen der Berge kleben lässt, macht uns einen Strich durch die Rechnung. Anstelle einer trüben Aussicht hoch auf dem Berg bietet sich die Gelegenheit, Bergamo zu besuchen, das in etwa auf der Strecke nach Mailand liegt, wohin wir an diesem Sonntag sowieso zurück müssen. Zwar gehört Bergamo nicht zum Valtellina, doch auf jeden Fall zur Lombardei und damit auch im weiteren Sinn zum Programm dieser Reise. Enge Gasse in BergamoAuf der Fahrt dorthin legen wir noch einen Halt bei einer lndwirtschaftlichen Kooperative ein, deren Leiter uns über die Spezialitäten der Region, besonders beim Käse, informiert und dabei vor allem die Aktivitäten der Kooperative schildert, um die Qualität der Produkte und die Motivation der Erzeuger hochzuhalten. Der unterhaltsame Vortrag wird gewürzt durch eine Käseplatte mit den bekanntesten Sorten der Region, unter anderem dem berühmten Bitto, und einem Schluck Rotwein, der zum Käse nicht fehlen darf. Käse ist bei nahezu allen Speisen der Region Valtellina in irgendeiner Weise mit im Spiel, und daher ist es auch für den "Durchschnittskulinariker" durchaus von Interesse, ein wenig mehr über Käsesorten, ihre Herstellung und Alterungsprozesse zu erfahren. Doch Käse hin, Käse her: mittlerweile überschattet das Interesse an dem bevorstehenden Spaziergang durch das alte Bergamo die Bedeutung der hiesigen Käsegewinnung. Mit ein wenig Käseproviant für die Weiterfahrt versehen, geht die Fahrt nach Süden, wieder am Comer See entlang - nun in anderer Richtung - und weiter nach Bergamo. Da der Dezember sich von seiner nasskalten Seite zeigt, gilt es erst einmal, sich in "Bergamo bassa" für den (Bus-)Aufstieg zur "citta alta" zu stärken und dabei ein letztes Mal die Besonderheiten der lombardischen Küche zu genießen. Es ist erstaunlich, dass nach drei Tagen intensiven Studierens der hiesigen Küche immer noch neue Speisen auf den Tisch kommen, die bisweilen erst Verwunderung, dann Begeisterung auslösen. Hätte man uns nicht von vornherein kulinarisch derartig verwöhnt, könnten wir jetzt sicherlich mehr von den Spezialitäten kosten und genießen, so jedoch ist bei manchem das Fassungsvermögen langsam erschöpft. Dennoch: in einer solchen Situation ist bisweilen auch das besondere Aroma einer Speise ein Genuss, den man nicht versäumen möchte..... Piazza Vecchia in BergamoFür Bergamo selbst sollte man sich eine professionelle Stadtführung gönnen, da die Stadt voller historischer Bauten und spannender Geschichten ist. Fast 120.000 Einwohner zählt die Stadt, die zu den wohlhabendsten Italiens gehört und sich einer florierenden Wirtschaft erfreut. Bereits die Etrusker hatten sich hier niedergelassen und im 6. Jahrhundert v. Chr. (!) eine Stadtmauer errichtet. Die Römer umgaben die nun Bergomum genannte Stadt wiederum mit einer Mauer, und nach wechselnden Herrschaftsverhältnissen durch die folgenden - dunklen - Jahrhunderten unter Langobarden und Franken vereinnahmte schließlich im 15. Jahrhundert Venedig die Stadt und ermöglichte ihr für einige Jahrhunderte Prosperität, bis die französische Revolution die alten Verhältnisse sprengte, Bergamo unter napoleonische Herrschaft geriet und schließlich bei den k.u.k-Österreichern landete. Erst seit Garibaldi gehört Bergamo zu Italien und wird wohl auch dort bleiben, sofern die EU nicht eines Tages alle nationalen Identitäten auslöscht. Wie viele alte Städte besteht Bergamo aus einer Altstadt auf der Höhe ("citta alta") und einer Neustadt in der Tiefebene ("citta bassa"). Unnötig zu sagen, dass die Höhenlage der alten Orte meist auf die frühzeitige Erkennung und Abwehr potentieller oder konkreter Feinde zurückzuführen war. Im Falle Bergamos war die gut geschützte Altstadt auf dem Berg bald so dicht besiedelt, dass man irgendwann anfing, neue, unbeliebte oder gar renitente Mitbürger vor die Stadttore in die Ebene zu vertreiben, wo sich dann zwangsläufig die "citta bassa" entwickelte, da die ehemaligen Mitbürger die Nähe der Stadt nicht missen wollten. Blick vom Campanone auf
die BergeWie viele andere Städte hatte auch Bergamo das Glück, zumindest in den letzten Jahrhunderten nicht mehr Opfer von Plünderungen, Brandschatzungen oder gar Bomben zu werden. Dadurch ist die Altstadt weitestgehend intakt, sieht man einmal von altersbedingten baulichen Problemen ab. Heute besteht die "citta alta" zu einem großen Teil aus Fußgängerzonen - leider nicht vollständig, aber das wäre wohl unrealistisch - und ermöglicht so unbeschwertes Spazieren durch die teilweise recht engen Gassen der Stadt. Besonders erwähnenswert ist die Piazza Vecchia, der alte Marktplatz, um dessen freie Fläche sich prägnante Gebäude gruppieren, jedes auf seine Art ein Unikat und Zeuge seiner Zeit. Ein absolutes "Muss" ist die Besteigung des Campanone - wegen der großen Glocke NICHT Campanile -, die für weniger Sportliche auch per Fahrtsuhl möglich ist. Von oben hat man einen einmaligen Ausblick in alle vier Himmelsrichtungen: die Berge im Norden, die Tiefebene mit der "citta bassa" im Osten und Süden und der Prominentenhügel mit dem Castello S. Vigilio im Westen. Wer hier oben vor sich hinträumt, den kann die plötzliche Aktivität der nur wenige Meter entfernten Glocke einen gewaltigen Schreck einjagen. Doch vom Glockenklang kann man sich glücklicherweise leicht wieder erholen. Daneben bieten sich natürlich zahlreiche sakrale Gebäude - so die Basilica Santa Maria Maggiore - oder auch Museen und Palazzi zur Besichtigung an. Um alles dies im Detail kennenzulernen, benötigt man Tage und Wochen; an einem Nachmittag kann man nur einen flüchtigen Eindruck dieser großartigen Stadt gewinnen und nimmt sich vor, hier einmal privat einige Tage zu verbringen, um die Bibliotheca Civica, den Palazzo della Ragione oder das Museo Storico zu besuchen, um nur einige zu nennen. Zwischendurch möchte man dann auch gerne in einem der vielen kleinen Cafés sitzen, etwa bei Marianna, oder in einem gemütlichen Restaurant Pasta und Rotwein zu genießen. Die geballte Historie in Bergamo ist immer authentisch, nie "nachgebaut" wie am Frankfurter Römer oder - gar - beim noch zu bauenden Berliner Stadtschloss. In Bergamo streichen die Hände über wahrhaft alte Gemäuer und alte Statuen, und man fühkt sich bei diesem Besuch ein wenig in vergangene Jahrhunderte zurückversetzt. Weitere Informationen über die Webseite Frank Raudszus |
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