Frühling, Sommer, Herbst und Winter - die Lombardei ist immer ein Urlaubsziel


Resieberichte Dezember 2008

Weitere Stationen dieser Reise:

Übersicht

Bormio "pro corpore"

Tiranos Baudenkmäler

Sondrio und Bergamo

Eine kulinarische, kulturelle und touristische Erkundungstour durch eine geschichtsträchtige Region



Um Mailand herum und nördlich bis in die Alpen hinein erstreckt sich die Lombardei. Fährt man vom Mailänder Flughafen Malpensa nach Norden am Comer See vorbei, der - aus der Vogelperspektive gesehen - wie ein eiliger Spaziergänger nach Westen zu wandern scheint, kommt man in das Veltliner Tal - italienische Valtellina. Wer jetzt an den österreichischen "Grünen Veltliner" - eine Weißweinsorte - denkt, irrt sich insofern, als letzterer eine Rebsorte bezeichnet, die irgendwann einmal aus diueser Gegend kam. Doch mit Österreich - weder mit dem jetzigen noch mit dem "k.u.k.-Gebilde - hat das Valtellina außer einer gemeinsamen Grenze nichts zu tun.

Die LombardeiDie Lombardei und das Valtellina

Bereits die Fahrt entlang des Comer Sees stimmt den Besucher auf die Landschaft ein: noch führt die Straße durch ein beinahe sanft zu nennendes Vorgebirge, doch voraus sieht man bereits die schneebedeckten Gipfel der Alpen, die Bergwandern und Wintersport versprechen. Das Valtellina selbst erstreckt sich entlang der von der Alpenfront vorgegebenen Grenze zur Schweiz von West nach Ost. Im äußersten Westen ragt das Valchiavenna oder Valle Spluga über den Ort Chiavenna weit nach Norden bis zum Splügenpass ("Passo Spluga") und führt über diesen schließlich nach Chur in die Schweiz. An seinen Hängen liegen so bekannte und  beliebte Skiorte wie Madesimo oder Campodolcino, während der Lago di Montespluga oder der Lago d'Isola wegen ihrer Höhenlage knapp unter 2000 Metern wohl auch im Sommer weniger Bade- als Wandefreunden als Ziel dienen dürften. Doch für Erstere bietet sich ja der Comer See nicht weit im Süden an. Von diesem aus zieht sich das restliche Valtellina über die Regionen Morbegno, Sondrio und Tirano mit den jeweils gleichnamigen Hauptorten in einem großen Bogen bis hin zum Alta Valtellina mit dem bekannten Skiort Bormio als Zentrum.

Das ValtellinaUnsere Reise durch die Region führt uns vom Flughafen Malpensa entlang des Comer Sees nach Vercela, wo wir zum ersten Mal mit der Gastronomie des Valtellina Bekanntschaft machen. Vercela selbst liegt an der Nordspitze des Comer Sees auf der Strecke nach Chiavenna, gehört also selbst bereits zum Valchiavenna. Neben einem erfrischenden Apéritif erwartet uns gleich eine kulinarische Besonderheit der Region, der "Violino", auch "Ziegengeige" genant. Dieser von der Ziege stammende Schinken - für uns Deutsche eine eher unbekannte Variante dieser Delikatesse - hat seinen Namen von der speziellen Art des "Servierens" erhalten: der Kellner hält den  eher schmalen Schinken - schließlich stammt er von einem schlanken Ziegenbein - wie eine Geige am Hals und schneidet mit einem scharfen Messer kleine Stücke von außen nach innen, also mit der Messerspitze in Richtung Gesicht. Das reizt natürlich zu Bonmots über die Sicherheit des Gesichts und speziell der Nase, doch jahrzehntelange Übung beschränken die Gefahr einer Verletzung wohl weitestgehend auf die Fantasie der Betrachter. Der Geschmack des "Violino" erweist sich als herzhaft und deutlich würziger als der bei uns eher übliche Schinken. Dazu reicht man lauwarmen, unterschiedlich gefüllten Blätterteig. Der Rest des üppigen Menüs bietet dann zwar keine Überraschungen mehr, aber dafür hervorragende italienische Küche mit Produkten und Weinen der Region.

Doch diese Reise sollte nicht ausschließlich der Erkundung gastronomischer Besonderheiten des Veltliner Tals dienen, sondern den Teilnehmernvor allem verschiedene landschaftliche, historische, sportliche und kulturelle Attraktionen der Region nahebringen. Also geht es  mit mehr als gut gefüllten Mägen und der entsprechenden Mittagsmüdigkeit weiter im Bus Richtung Bormio, unserem nächsten Ziel. Die Tatsache, dass die von Regen- und Schneeschauern geprägte Dezemberwitterung einen Genuss der vorbeiziehenden Landschaft nicht erlaubt, kommt den leiblichen Bedürfnissen der Reisegesellschaft sehr entgegen, und so nähert sich diese ihrem Ziel in wohltuendem Schweigen. Allerdings muss diese Fahrt bei besseren Wetterbedingungen - etwa im späten Frühjahr - eine wahre Freude sein, führt doch das lang gezogene Tal zwischen beeindruckenden Höhenrücken und Gebirgsmassiven hindurch.

Weiter nach Bormio....


Frank Raudszus