Ausklang in einer Kult-Metropole

                                                             
Unsere China-Rundreise endet in Hongkong, einer Ikone Asiens

 

Stationen der Reise:

Einführung
Peking
Die Chinesische Mauer
Xi'an
Luoyang
Shanghai
Hangzhou
Guilin
Kanton
Hongkong













































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Achtzehnter Tag:

Der kurze Besuch in Kanton alias Gouangzhou endet bereits heute Morgen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mitten in der Einkaufsstraße der Altstadt haben wir gestern Abend diese noch einmal erkundet, sind dann jedoch ob der im wahrsten Sinne des Wortes schreienden Buntheit der Läden und der Anspruchslosigkeit des Angebots bald ins erstklassige Hotel "Dong Feng" zurückgekehrt. Ein zweiter Abstecher ins sogenannte "Friendship Center" führte uns in ein Edelkaufhaus mit allen Spitzenmarken Europas und Amerikas. Also das genaue Gegenteil der Altstadt, das wir aber eigentlich auch nicht sehen wollten. Authentizität - was immer das ist - lässt sich in dieser aufstrebenden Wirtschaftszone halt nur schwer finden.

Die Brücke zum Flughafen auf Lantau
Die Brücke zum Flughafen auf Lantau


Auf der über einstündigen Fahrt durch die weitläufigen Randbezirke von Kanton zeigt uns der einheimische Führer nicht nur spektakuläre neue Gebäude, so das wie ein moderner Katamaran anmutende Sportstadion oder den neuen Büroturm von Schwindel erregender Hähe, sondern erklärt uns auch die zehn Wünsche der Chinesen, die mit einer Frau und zwei Kindern beginnen und mit eine Reise nach Europa für neuntausend Yuan in zehn Tagen enden.

Um zehn Uhr besteigen wir die Fähre nach Hongkong, ein schnelles Zweirumpfboot. Von bequemen Sitzen im klimatisierten Oberdeck aus sehen wir erst das Delta des Perlflusses mit seinen Ankerliegern und Hafenanlagen, dann einzelne Inseln und ein- wie auslaufende Frachter vorbeiziehen. Mit etwa 25 Knoten - ca. 50 km/std. - gleitet die Fähre durch die sich stetig erweiternde Bucht, bis an Backbord (links) die Hochhauskette der neuen Wirtschaftszone von Shenzhen in Sicht kommt. Je mehr wir uns der Küste nähern, desto deutlicher erkennen wir die Hafenanlagen mit ihren langen Piers, den Dutzenden von Kränen und den Containerfrachtern aus aller Welt. An Steuerbord kommt gleichzeitig die Insel Lantau in Sicht, auf der sich seit 1999 der neue Flughafen von Hongkong befindet, der den alten, gefährlichen Flugplatz mitten im Stadtteil Kowloon ersetzt hat. Im Minutenabstand sehen wir dort Maschinen starten und landen und erhalten dadurch einen weiteren Eindruck von der Bedeutung dieser Stadt.

Hongkong in Sicht!
Hongkong in Sicht! Rechts der "Victoria Peak"

Gegen zwölf Uhr machen wir im Fährhafen von Kowloon fest, der unmittelbar gegenüber dem "Hongkong Island" mit dem Stadtkern liegt. Nach der obligatorischen "Immigration"-Prozedur - schließlich ist Hongkong wegen seiner liberaleren Behandlung des internationalen Reiseverkehrs eine Art Ausland - geht es im Bus gleich durch den Tunnel hinüber auf das "Hongkong-Island", wo die Engländer damals ihr wirtschaftliches Zentrum errichtet hatten. Der Verkehr erinnert an Shanghai, wohnen hier doch sieben Millionen EInwohner auf einer sehr begrenzten Fläche. Das führt im wahrsten Sinne des Wortes zu erhöhter Bebauung, das heißt in Hongkong strebt alles in die Höhe, und die Straßen sind sehr schmal. Hier ist jeder Quadratmeter bebaut, zumal die bergige Struktur der Insel nur auf einem kleinen Teil der offiziellen Fläche eine Bebauung zulässt. Zur Zeit der Gründung dieser Stadt benötigte man halt nur ein paar Handelshäuser sowie die erforderlichen Regierungs- und Verwaltungsgebäude, heute wohnen hier Millionen. Je höher am Hang desto teurer sind die Wohnungen, und ganz oben auf dem berühmten "Victoria Peak" durften lange Zeit nur Europäer wohnen. Heute leben dort reiche Chinesen.

Blick vom Victoria Peak auf Hongkong und Kowloon
Blick vom Victoria Peak auf Hongkong und Kowloon


 Von der Aussichtsplattform des "Victoria Peak" eröffnet sich eine wahrhaft atemberaubende Aussicht auf die Hochhäuser-Ansammlung am Ufer der Insel, auf das gegenüber liegende Kowloon, den Wasserarm dazwischen und auf die Bergkette der "New Territories" im Norden hinter Kowloon. Hier könnte man stundenlang stehen und das Panorama genießen, würde nicht ein plötzlicher, heftiger Tropenschauer die Aussichtsplattform leerfegen und die Besucher unter die Bäume oder ins nächste Restaurant treiben.

Nach diesem "Blickfang" geht es hinunter zum Südufer der Insel. Von oben genießt man einen ebenso spektatkulären Blick auf die vorgelagerten und weiter abgelegenen Inseln sowie den passierenden Schiffsverkehr wie zur anderen Seite. Hier ermöglichen verschiedene Strände den Bewohnern des engen Hongkong sommerliche Badefreuden. Die gelbe Leinenmarkierung draußen in der Bucht kennzeichnet nicht etwa die Grenze für Nichtschwimmer sondern soll die im Sommer gerne nach Beute Ausschau haltenden Haie fernhalten. Einige unserer Gruppe wagen trotz dieses dezenten Hinweises ein Bad in der See, wo sich die Einheimischen recht unbesorgt tummeln, und kommen auch heil wieder aus dem Wasser. Offenichtlich wirkt die Absperrung.....

Alte Boote und neue Bauten
Alte Boote und neue Bauten

Um die Wasserseite von Hongkong näher kennen zu lernen, unternehmen wir noch eine Hafenrundfahrt durch den Fischereihafen im Süden der Insel. Auf umgebauten (oder im alten Stil neu gebauten?) Dschunken mit Motor kreuzen wir gut eine dreiviertel Stunde durch Dutzende von meist kleineren Fischdampfern und Ausflugsbooten, vorbei an einem riesigen bunten Restaurantschiff und immer den Blick auf die hohe Bebauung an Land vor uns. Hier treffen sich tatsächlich zwei Welten: die immer näher ans Ufer rückende Bebauung modernster Arrt und der alte, fast gemütlich zu nennende Hafen, in dem bunte Schiffe aller Alsterklassen in Päckchen vor sich hin dümpeln und ihres nächsten Einsatz beim Fischfang oder Touristentransports harrend.

Damit ist die Aktion "Hongkong im Schnelldurchgang" für diesen Tag abgeschlossen. Was bleibt, ist, sich am Abend im Gewimmel der Straßen und im Flackern der allgegenwärtigen Reklame ein gutes Restaurant mit einem schmackhaften Fischangebot zu suchen. Es gelingt!


Neunzehnter und letzter Tag:

Ein typisches Bild von HongkongEin typisches Bild von Hongkong

A day in Hongkong! Der letzte volle Tag unserer Chinareise ist angebrochen. Sozusagen als Belohnung für die Absolvierung eines dreiwöchigen Besichtigungsprogramms steht dieser Tag uns ganz allein zur Verfügung. Jeder kann tun und lassen, was er gerne möchte: entweder die Wellness-Abteilung im hervorragenden Hotel genießen oder Hongkong kennenlernen. Wir entscheiden uns für letzteres und setzen uns in eine der doppelstöckigen Straßenbahnen, die Hongkong von Ost nach West und umgekehrt anfahren. Wir suchen sofort das oberte Stockwerk auf und arbeiten uns beharrlich von Station zu Station auf die vordersten Plätze vor. Hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Straße vor der Bahn, von oben spendet das Dach Schatten, und der Fahrtwind kühlt obendrein. In Hongkong wird für die Straßenbahnnutzung eine feste Gebühr zwischen Ein- und Ausstieg erhoben; man kann also für denselben Preis entweder von eienr Station zur nächsten oder fünfmal um Hongkong herum fahren. Wir lassen es bei zwei Fahrten durch Hongkong bewenden und sehen dabei das "Happy Valley" mit der Pferderennbahn und die jeweiligen östlichen und westlichen Ausläufer der Stadt. Am lebendigsten und sehenswertesten ist natürlich das Zentrum mit seinen hohen Gebäuden und dem pulsierenden Leben in den engen Straßen.

Markt nahe der Hollywood Road
Markt nahe der Hollywood Road

 Nachmittags unternehmen wir noch einen kleinen innerstädtischen Ausflug zu einigen Sehenswürdigkeiten, so das ehemalige Governeursgebäude oder das neue Gebäude der HSBC-Bank eines internationalen Star-Architekten. Von da aus führt ein Abstecher zu Fuß - in Hongkong sind alle Wege kurz - zur langen Hollywood Road mit ihren vielen kleinen Geschäften und Märkten, vom krönenden Abschluss mit der bbesichtigung eines kleinen Tempels - endlich wieder! - gar nicht zu sprechen. Mit der Straßenbahn zuckeln wir zurück zu unserem Hotel und lassen dabei noch einmal das Treiben auf den Straßen auf uns wirken.





BLick von Kowloon auf das nächtliche Hongkong
Blick von Kowloon auf das nächtliche Hongkong


Das letzte gemeinsame Abendessen findet in einem touristischen Viertel von Kowloon statt, das vor Besuchern geradezu wimmelt. Nun, in Hongkong hat sowieso niemand mit der unverfälschten Authentizität des alten China gerechnet. Also genießen wir  den Trubel und den internationalen Standard der Umgebung. Den Rückweg absolvieren bis an das Ufer von Kowloon zu Fuß, wobei wir noch das neue Museum bewundern und anschließend den Ausblick auf das nächtliche Hongkong mit seinen in allen Farben strahlenden und blinkenden Hochhäusern genießen. Mit der modernen U-Bahn geht es dann "unter Wasser" zzurück nach Hongkong und ins Hotel. Morgen heißt es packen und zum Flughafen fahren. Dann wartet ein zwölfstündiger Flug im engen und voll ausgebuchten Flugzeug auf uns. Doch auch den werden wir überstehen und uns notfalls mit Erinnerungen an drei spannende und erlebnisreiche Wochen im Reich der Mitte "über Wasser halten".

Frank Raudszus