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Die Buddhas über dem Fluss |
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Die
Buddha-Grotten von Luoyang und die Kung-Fu-Kämpfer von Shaolin |
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Stationen
der Reise: Einführung
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Siebenter Tag: ![]() Exponat aus den Historischen Museum von Xi'an Heute geht es nun wirklich ins Historische Museum von Xi'an. Der Tag verspricht wieder sengend heiß zu werden, und so sind wir recht froh, in klimatisierten Räumen wandeln zu können. Schon morgens um halb neun strömen die Menschen ins Museum, und nicht nur ausländische Touristen. Die meisten sind Chinesen, und einen solchen Ansturm auf Museen erlebt man in Deutschland nur in Sonderfällen, z. B. während der MoMA-Ausstellung in Berlin. Das Museum zeigt Exponate aus allen Epochen der chinesischen Geschichte, angefangen in der Steinzeit bis hin zum Mittelalter. Großflächige Modelle bestimmter Provinzen - z. B. der Kaiserstädte - oder ganz Asiens, um die Seidenstraße zu demonstrieren, mit Leuchtanzeigen und umfangreichen Erklärungen veranschaulichen den historischen Werdegang dieses Riesenreiches. Funde aus der Terracotta-Armee der Qin-Dynastie sind ebenso dabei wie die kleinen Figuren aus den Han-Gräbern. Für uns ergeben sich deshalb bereits einige Wiederkennungseffekte, aber vieles ist doch neu, und die Menge der historischen Informationen erschlägt den Besucher nahezu. Dazu kommt das dichte Gedränge vor den Vitrinen und Wandscheiben, hinter denen die Exponate liegen. Man könnte stundenlang in diesen Räumen verweilen, doch die nachdrängende Menge sowie unserer Zeitplan üben einen mehr oder minder sanften Druck nach vorne aus, weiter zu den nächsten Exponaten. Am späten Vormittag verlassen wir ein wenig erschöpft und voller neuer Eindrücke das Museum und eilen durch die Mittagshitze zum Bus, der uns zum Mittagessen brigen soll. Auf der Fahrt dorthin begleitet uns der dichte Dunst, der sich seit Peking kaum einmal gelichtet hat und dessen Schmutzpartikel man auf der Zunge spürt. Nach einem typisch chinesischen Mittagessen mit verschiedenen Fleisch- und Gemüsesorten sowie leichtem Bier geht es per Bus zum Bahnhof, denn heute soll es in einer fünfstündigen Bahnfahrt nach Luoyang gehen. ![]() Der Bahnhof von Xi'an Der weiträumige Bahnhofsvorplatz empfängt uns mit einer wartenden und flanierenden Menschenmenge, und in den Bahnhof gelangt man über kontrollierte Eingänge nur mit einer gültigen Fahrkarte. Sogar das Gepäck wird dabei wie am Flughafen überprüft. Im Bahnhofsgebäude sitzen und liegen einzelne Reisende und ganze Familien auf dem Boden, so dass fast der Eindruck einer Fluchtsituation aufkommt. Durch diese geduldig wartende und teilweise picknickende Menge arbeiten wir uns vor zur "Soft Seat Lounge", die zwar ebenfalls ziemlich voll ist, aber immerhin noch genügend gepolsterte Sitze für "gehobene" Reisende bietet. Hier warten wir gut eine Stunde, bis der Zug schließlich mit einer halben Stunde Verspätung eintrifft. Unsere Platzreservierungen klappen, aber der Zug ist bis auf den letzten Platz besetzt, so dass wenig Bewegungsfreiheit bleibt. Nachdem der Zug endgültig abgefahren ist, geht es lange durch hässliche Industrievororte, ehe sich draußen langsam die offene Landschaft durchsetzt. Doch der weite Blick ins Land bleibt uns verwehrt, da der dichte, graue Dunst die Sicht auf wenige Kilometer begrenzt und alles dahinter in diffusem Grau verschwinden lässt. Nach ein oder zwei weiteren Großstädten - namenlos, da mit "nur" einer halben Million Einwohnern zu den unbedeutenden Kleinstädten zählend - lockert sich das flache Land zunehmend zu einer hügeligen bis gebirgigen Lösslandschaft auf. Überall steigen ockerfarbene Lösswände steil aus dem dichten Grün der Täler auf, das sich bis auf die Kuppen der Anhöhen erstreckt. Zwischen den einzelnen Plateaus schneiden grüne Schluchten tief in die Lösslandschaft ein, und die Bahnstrecke führt durch viele kurze Tunnels. Was in Deutschland vielleicht für eine halbe Stunde Bahnfahrt ausreichen würde, erstreckt sich hier über gut zwei Stunden mit leichten Variationen der Landschaftsgestaltung und einer dünnen Besiedlung. Irgendwann deckt die Dunkelheit ihren Mantel über den Dunst, so dass wir uns mehr den Vorgängen im Waggon widmen können. Hier bereiten die chinesischen Fahrgäste mittlerweile ihr Abendessen vor, indem sie sich mit heißem Wasser aus einem im Wagen befindlichen Behälter vorbereitete Suppen zubereiten. Ein intensiver Essensgeruch durchzieht den Wagen, und die zusätzlichen Biere, die der "fliegende" Getränkehändler mit sich führt, lassen die Chinesen in Stimmung kommen. Wir waren leider etwas zu bedächtig bei der Getränkewahl, und so haben die Einheimischen alles Bier aufgekauft. Pech gehabt! Als wir gegen halb zehn endlich in Luoyang eintreffen, streben wir nur noch an die an das Ambiente der späten DDR erinnernde Hotelbar zu einem kühlen Bier und dann ins Bett. Der Tag war mit Museum und Bahnfahrt in der Tat anstrengend. Achter Tag: Gut erholt und ausgeschlafen stehen wir um neun Uhr zum nächsten Ausflug bereit. Die Wärme und der dichte Dunst machen uns bereits etwas zu schaffen, und so kommt uns die Fahrt im klimatisierten Bus zu den Grotten gerade recht. Bei diesen Grotten handelt es sich um heilige Stätten des Buddhismus am Ufer des Yi-Flusses. An beiden Ufern erheben sich steile Kalksandsteinfelsen, in die man bereits während der Han-Dynastie Buddhas meißelte. Damals unternahm ein Gesandter des Kaisers auf dessen ausdrücklichen Wunsch eine Reise nach Indien, die ihn jedoch nach Afghanistan führte. Von dort brachte er die Lehre des Buddhismus mit, die sich in China schnell durchzusetzen begann. ![]() Die Buddha-Grotten von Luoyang Je nach Geldbeutel begannen die Menschen, kleine Grotten aus dem Fels zu schlagen, in die sie Buddha-Figuren stellten oder direkt aus der Grottenrückwand formten. Die jeweiligen Kaiser - und auch eine Kaiserin - ließen entsprechende überdimensionale Grotten mit Figuren errichten, die bis zu siebzehn Meter in der Höhe maßen. Ursprünglich schützten Holzdächer die großen Grotten gegen die Witterung, doch irgendwann unterblieb deren Pflege und sie brachen über den Figuren zusammen, wobei sie ihnen Arme und teilweise auch Köpfe abschlugen. Grabräuber, religiöse Fanatiker und schließlich die Kulturrevolution der sechziger Jahre zerstörten weitere Buddha- und Wächterstatuen. Glücklicherweise überstanden vor allem die größeren Skulpturen die Wechselfälle der Geschichte recht gut und lassen sich jetzt von langen Stegen, die am Fels auf und ab entlangführen, gut betrachten. Versteht sich, dass auch hier wieder - nicht zuletzt wegen der Schulferien - ein reger Andrang herrscht und sich die Reiseführer mit Lautverstärkern - Mikrophon mit Lautsprecher, Megaphon - gegenseitig überschreien. Die an diesem Tag besonders drückende Hitze macht es vor allem den europäischen Besuchern nicht gerade leicht, das volle Grottenprogramm zu absolvieren, doch auch den Chinesen fällt so mancher Schweißtropfen aus dem Gesicht, und viele Hemden wirken nach einiger Zeit wie marmoriert. Da kommt eine Bootsfahrt in einer schwimmenden Pagode gerade recht, kann man doch sitzend die Beine ausstrecken und den leichten Fahrtwind im Schatten genießen. ![]() Der "Tempel des weißen Pferdes" Den offiziellen Abschluss dieses heißen Tages bildet ein Besuch im "Tempel des weißen Pferdes" nicht weit von Luoyang, der ebenfalls bereits während der Han-Dynastie entstand. Heute steht aus dieser Zeit nur noch das Eingangstor, die restlichen Gebäude wurden wesentlich später in der ursprünglichen Form neu errichtet. In mehreren Tempelgebäuden stehen verschiedene Buddhas und grimmige Wächter mit aufgerissenen Augen, die böse Geister abwehren sollen. Zwischen den einzelnen Gebäuden sorgen baumbestandene Höfe für Schatten und stellen Muße spendende kleine Sitzecken zur Verfügung. Hier leben heute noch - oder nach der Kulturrevolution "wieder" - junge Mönche, die zumindest einen Teil ihres Lebens der Meditation und einfachen Diensten widmen. Ein wenig abseits des Klosters beherbergt ein "Pagodenwald" die Seelen gestorbener Mönche und Äbte. Letztere erhielten als einzige eine neunstufige Pagode für sich alleine, während die einfachen Mönche sich nach dem Tode eine Pagode mit sieben oder weniger Ebenen teilen mussten. Diese Ansammlung wirkt tatsächlich ein bisschen wie ein Wald, stehen doch die bis zu zehn Meter hohen Pagoden auf verhältnismäßig engem Raum nahe beieinander. Doch auch in diese schattigen Haine dringt irgendwann die dumpfe Nachmittagshitze vor, so dass wir gegen vier Uhr aufbrechen und mit dem Bus durch einen chaotischen Feierabendverkehr ins Hotel zurückkehren, um auszuspannen und uns auf das erste und letzte gemeinsame Abendessen in Luoyang vorzubereiten. Neunter Tag: Heute nehmen wir Abschied von Luoyang. Wie um uns eine gute Reise zu wünschen, lichtet sich der Dunst an diesem Morgen und lässt den blauen Himmel erahnen. Prompt brennt die Sonne umso mehr. Mit dem Bus geht es hinaus aus dem städtischen Verkehrsgetümmel auf eine nagelneue und weitgehend verkehrsfreie Autobahn. Grund für die geringe Nutzung sind unter anderem die Autobahngebühren, die sich nicht jeder chinesische Autofahrer leisten kann oder will. ![]() Blick ins Kloster Shaolin Die Straße führt uns zum Kloster Shaolin, wo vor knapp zwei Jahrtausenden die Kunst des Kung Fu entwickelt wurde. Aus dem mittlerweile wieder dichter gewordenen Dunst schälen sich plötzlich Berge, die uns die Nähe des Klosters anzeigen. Wer gedacht hat, dass wir als ausländische Reisegruppe eine "Privataudienz" bei dem Abt eines abgelegenen, stillen Klosters erhalten würden, sieht sich getäuscht: bereits der große Parkplatz und die zahlreichen Reisebusse lassen auf eine weitere Touristenattraktion schließen. An dem modernen, großzügig ausgelegten Eingangsbereich drängen sich denn auch die Reisegruppen - vorwiegend Einheimische. Von dort bis zum eigentlichen Klsoter führt ein längerer, glücklicherweise baumbestandener Weg, der uns bei dem halbstündigen Gang durch die dumpfe Hitze etwas Schatten spendet. Schließlich erreichen wir das Kloster, das sich terrassenförmig mit mehreren Höfen und Hallen einen Hang hinaufzieht. Leider wurden die meisten Gebäude im Laufe der Zeit infolge von Kriegswirren zerstört und erst in den achtziger Jahren, nach der Kulturrevolution, wieder im alten Stil aufgebaut. Nur zwei Gebäude der ursprünglichen Anlage sind erhalten geblieben und wurden im Zuge des Neubaus renoviert. Die Buddha- und Wächterfiguren stammen alla aus dem letzten Jahrzehnten, spiegeln jedoch den Stil der Han-Zeit weitgehend wider. Wie bereits gesagt, stammt die Kunst des Schattenboxens, das "Kung Fu", aus diesem Kloster. Einer der ersten Äbte stellte angeblich fest, dass die Mönche aufgrund ihrer ausgedehnten Meditationsübungen und der daraus folgenden Bewegungsarmut zunahmen und außerdem steif und unbeweglich wurden. Daher entwickelte er Leibesübungen, die alle Glieder in Bewegung halten sollten. Eine andere - oder ergänzende - Geschichte besagt, dass damals alle möglichen wilden Tiere - Tiger, Wildschweine, Schlangen - durch das Unterholz rings um das Kloster streiften und die Mönche immer wieder in Gefahr brachten. Dagegen hätten die Mönche eine spezielle Kampfkunst entwickelt, deren einzelne Übungen denn auch die Namen der abzuwehrenden Tiere erhielten. ![]() Vorführung der Kung-Fu-Schüler Nicht weit von dem Kloster - und nicht nur da - gibt es eine Reihe privater Schulen, die neben allgemeinem Unterricht schwerpunktmäßig Kung Fu anbieten. Hier lernen die Schüler ab dem sechsten Lebensjahr zwei Mal täglich je zwei Stunden diese schwierige Kunst, die höchste Körperbeherrschung verlangt. Da die Schulgebühren nicht gering und privat zu entrichten sind, können sich allerdings nur wohlhabende Eltern diese Ausbildung für ihre Söhne - Mädchen werden nicht genommen! - leisten. Im Rahmen unserer Reise erhalten wir eine knapp einstündige Vorführung, in der Schüler aller Altersklassen einzeln oder in Gruppen ihre Bewegungskünste mit und ohne - natürlich ungefährliche - Waffen zeigen. Erstaunlich ist dabei, mit welcher Disziplin und Beweglichkeit schon kleine Jungen ausgesprochen schwierige Übungen vorführen, die jedem Varieté Ehre machen würden. Nach dieser beeindruckenden Vorführung geht es zum Flughafen von Shengzhou, von dem aus wir nach Shanghai, unserem nächsten Reiseziel, fliegen. Dort schweben wir eineinhalb Stunden später unter dichten Regenwolken über einem nicht enden wollenden Stadtgebiet ein. Auf dem sich vom Regengrau der Stadt deutlich abzeichnenden Fluss reihen sich die Schiffe wie Perlen auf einer Kette. Wir landen auf dem Inlandsflugplatz von Shanghai, wodurch sich Ausstieg und Gepäckaufnahme wesentlich zügiger gestalten als auf dem chronisch überlasteten internationalen Flughafen. Bereits kurz vor halb acht sitzen wir im Bus, der uns durch den Feierabendstau zum Hotel bringt. Schon der erste Eindruck dieser Stadt überwältigt den erstmaligen Besucher. Ein Hochhaus neben dem anderen reckt sich aus den Niederungen der einstmals normalhohen Stadt in den Nachthimmel, und jeder Büroturm scheint den nächsten an Höhe, Gestaltung und Beleuchtung übertreffen zu wollen. Manhattan ist ein Dorf gegen die massive Ansammlung von Wolkenkratzern in dieser 18-Millionen-Metropole. Einige besonders hervorstechende Exemplare können wir bereits während dieser kurzen Busfahrt bestaunen, die anderen sowie die mehrstöckigen Stadtautobahnen folgen morgen. |
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