Vom Weinberg zur Therme und zurück

                                                             
Eine Rundfahrt durch die südostliche Toskana mit Montepulciano und Pienza

 

Stationen der Reise:

Einführung
Florenz
Arezzo und der Apennin
Sirolo und Ancona
Perugia und die Trasimenischen Seen
Montepulciano und Umgebung
Siena und Volterra
Lucca und Viareggio



































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Der nächste Morgen begrüßt uns wieder mit Sonnenschein und blauem Himmel. Was will man mehr in der Toskana? Auch das Frühstück bietet alles, was das Herz begehrt, vom Müsli über die selbstgemachten Marmeladen bis zu italienischem Schinken
und Salami. Das ganze am großen Familientisch, als wohnten wir schon seit Jahren hier. Anschließend hilft uns unsere Gastgeberin bei der Planung des kommenden Tages, denn heute soll die Autofahrt nicht dem Streckenfressen, sondern dem "Erfahren" der toskanischen Landschaft gelten.

Malerische Gasse in Cetona
Malerische Gasse in Cetona


Cetona liegt sozusagen auf dem Weg, wenn wir die südwestliche Toskana kennenlernen wollen. Also machen wir hier halt und gönnen uns einen Rundgang durch das alte Dorf, das sich - wie üblich - um eine Festung auf einer Anhöhe drängt. Die Gassen winden sich den Hang hinauf, überall locken kleine Winkel und Gassen zum Verweilen, oder es eröffnen sich plötzlich weite Ausblicke auf die umliegende Landschaft. Der Ort selbst wirkt wie ausgestorben, nur wenige Menschen promenieren auf dem großen Marktplatz, gehen zum Einkaufen oder sitzen im Café. Später erfahren wir auch den Grund für diese Stille. Die jungen Leute finden hier zu wenig oder keine Arbeit und ziehen dauerhaft in die nächste größere Stadt, es bleiben nur die Alten. Viele Häuser stehen zum Verkauf - "Vendesi" - oder sind bereits verkauft: jedoch nicht an dauerhafte Einwohner sondern an Städter, die sich hier Wochenend-Domizile geschaffen haben. Jetzt, im Herbst, weilen die Besitzer jedoch alle in der Stadt, und die Wohnungen stehen leer. Dadurch macht Cetona ein wenig den Eindruck einer Geisterstadt, selbst mitten in der Woche.

Von Cetona geht es weiter zum nächsten Ort im Norden, Sarteano. Auch dieser Ort macht einen verwunschenen weil stillen Eindruck. Wir parken das Auto an einer einer der Zufahrtsstraßen zur Altstadt und unternehmen einen Rundgang durch die stillen, zur Kirche aufstrebenden Gassen. Sarteanos altes Ortszentrum hat jedoch nichts mehr mit dem täglichen Leben der Stadt zu tun, das sich weiter westlich im Neubaugebiet abspielt. Wir fahren also weiter, passieren das "echte" Stadtzentrum, dem wir aber kein gesteigertes Interesse entgegenbringen können, und setzen unseren Weg fort an einen sehr bekannten Ort.
Blick auf Montepulciano

Blick auf Montepulciano


Wer gerne italienischen Rotwein trinkt, wird ihn kennen: Montepulciano! Hier legen wir eine etwas längere Rast ein und schauen uns den Ort in aller Ruhe an. Hier deckt sich auch der alte Ortskern mit dem eigentlich Stadtzentrum, sodass es sich nicht nur lohnt, durch die links und rechts des zentralen Marktplatzes nach unten führenden GAssen zu pilgern, sondern auch Fotos von besonders malerischen Ecken zu schießen oder sogar an einem Fleck zu verweilen, weil er so schön ist. Sogar einen "Latte" gönnen wir uns in einem - jetzt im Oktober - garantiert touristenfreien Café (außer uns!). Dabei schwören wir uns, später, in Deutschland, bei jedem Glas Montepulciano an diesen hübschen Ort zu denken.



Doch wir können hier nicht ewig verweilen, da wir noch ein längeres Tagespensum vor uns haben. Schließlich wollen wir noch eine der hier besonders stark vertretenen Thermen besuchen und genießen.

Mittagsruhe in Pienza
Mittagsruhe in Pienza


Das nächste uns empfohlene Ziel heißt Pienza, ein kleiner Ort südwestlich von Montepulciano. Der nur etwa zweitausend Einwohner beherbergende Ort trägt seit 2004 das Markenzeichen "Weltkulturerbe" und wird dementsprechend gepflegt. Papst Pius II. (1405-1464) stammte aus diesem Ort und ließ ihn später aus Heimatverbundenheit zu einer architektonischen Perle der Toskana umbauen. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Plätze und Gebäude des kleinen Ortes eingehen, sondern verweisen auf die Erklärungen bei Wikipedia. Da die Innenstadt weitgehend autofrei ist, lässt es sich hier unangestrengt flanieren und fotografieren. Der zentrale Platz, die Piazza Comunale, weist einen speziellen Effekt auf: um angesichts der engen Platzverhältnisse in der Stadt einen großzügigeren Eindruck zu erzielen, gestaltete man die seitlichen Häuserfronten asymmetrisch, wodurch sich für den frontal vor dem Palazzo Piccolomini stehenden Besucher eine besonders großzügige und weite Optik ergibt. Doch auch die umliegenden kleinen Gassen sind einen Rundgang wert. Man erkennt sofort, dass durch den Status des Weltkulturerbes einiges Geld in den Ort geflossen ist, ohne dass deshalb der touristisch Aspekt zu stark in den Vordergrund tritt. Die Restaurants wirken eher intim und lauschig, und selbst die unvermeidlichen Boutiquen und Andekenläden fügen sich harmonisch in das Stadtbild ein.

Bagno dei Vignoni mit Wasserbecken
Bagno dei Vignoni mit Wasserbecken

Nur ungern verlassen wir diesen liebenswerten Ort und setzen unsere Rundfahrt zum nächsten Ziel fort, der Therme von Bagno Vignoni. Der Ort liegt nur wenige Kilometer südwestlich von Pienza in einem kleinen Seitental. Hier haben schon die alten Römer die heißen Quellen genutzt, was man bei der Ankunft an den Ausgrabungen nahe dem Parkplatz erkennt. Doch uns interessiert mehr der kleine Ort, da die Ausgrabungen für uns keine spektakulären Erkenntnisse zutage fördern. Ein kleines Bistro namens "Cacio" bietet in der Art eines Stehimbisses eine Auswahl hervorragender italienischer Antipasti, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Da wir mittlerweile einen guten Appetit angesammelt haben, stürzen wir uns mit Heißhunger auf das vielfältige Angebot und verzehren es in der engen Sitzecke. Hier wirkt nichts touristisch, eher improvisiert und unaufdringlich. Das anschließende Bad in den Thermen muss leider ausfallen, da - Pech für uns - heute Ruhetag ist. Stattdessen schlendern wir ein wenig zwischen den wenigen Häusern des Dorfes und um das große Wasserbecken herum, das jedoch nicht zum Baden sondern offensichtlich als Reservoir gedacht ist.

Nach dem warmen Wasser der Therme steht uns aber dennoch der Sinn, und so steuern wir jetzt den südöstlich gelegenen Badeort San Casciano dei Bagni an, um dort hoffentlich auf eine geöffnete Therme zu stoßen. Unterwegs nehmen wir noch den landschaftlliche reizvollen Aussichtspunkt bei Castellucio mit und fahren ein Stück die "Pinienallee" entlang.- das ist ein geschotterter Seitenweg - nicht für Sportwagen geeignet! -, den beidseitig in malerischer Form Pinien säumen. Schon von weitem kann man den Weg sich in Serpentinen über die Hügel ziehen sehen. Wir fahren ein Stück im wagenschonenden Tempo entlang und schauen uns dabei zwei "Agritourismo"-Unterkünfte an, ehemalige Bauernhöfe, die in einem von der Regierung unterstützten Programm "Ferien auf dem Bauernhof" anbieten. Schließlich geht es dann aber doch über Sarteano und die Nebenstraße über Santa Maria in Belverde nach San Casciano dei Bagni, wo wir zum Abschluss der Rundfahrt ausgiebig das warme Wasser der Therme genießen.

Der Abend ist dem mittlerweile schon familiär zu nennenden Abendessen bei unseren Gastgebern gewidmet, das sich bei Kaninchen und Rotwein noch lange hinzieht. Morgen wird es weiter gehen Richtung Norden, über Siena nach Lucca, der letzten Station der Reise.


Frank Raudszus