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Von Cetona
über Siena und Volterra nach Lucca |
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Stationen
der
Reise: Einführung
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Langsam neigt sich unsere Toskana-Reise ihrem Ende entgegen. Noch einmal genießen wir im "Atelier Cetona" ein fürstliches Frühstück bei anregenden Gesprächen, dann heißt es Koffer packen und ins Auto steigen. Auch heute scheint die Sonne wieder aus einem blauen Himmel, so dass man fast geneigt ist, den alten Spruch von "reisenden Engeln" zu zitieren. Ein letztes Winken, und schon lenken wir den Wagen von der geschotterten Zufahrt auf die Landstraße. Aus Zeitgründen verzichten wir heute auf eine Fahrt über Landstraßen und Dörfer und suchen gleich die nächste Auffahrt zur "Autostrada". Auf dieser geht es etwa achtzig Kilometer nach Nordwesten, und während dieser Fahrt gilt die Aufmerksamkeit mehr dem Verkehr als der Landschaft. Bei Siena fahren wir ab und nähern uns dem Stadtkern auf einer langen, stetig ansteigenden Tangente. Wir widerstehen dem Impuls, an der erstbesten Stelle zu parken, und haben Glück mit dieser Entscheidung. Nicht weit vor dem nordwestlichen Eingang in die Via Camollia finden wir auf dem Viale Don Giovanni Minzoni, der Zufahrtsstraße, mit Glück einen Parkplatz unterhalb der gewaltigen Stadtmauer und benötigen nur noch wenige hundert Meter bis zum Beginn der Altstadt. Die Piazza Salembini in
Siena mit PalästenDer Eingang erfolgt über ein altes Stadttor mit einem breiten Vorplatz und führt direkt in die enge Via Comollia. Die niedrig stehende Herbstsonne erreicht die Straße nicht mehr und lässt dort herbstlichen Schatten herrschen. Viele Geschäfte gibt es hier draußen an der Peripherie der Altstadt nicht, es ist eine reine Zufahrt zum eigentlichen Zentrum. Die Via Comollia geht über in die Via dei Montanini, die bereits deutlich mehr attraktive Geschäfte beherbergt und uns schließlich zur Piazza Salimbeni mit dem Palazzo Salambeni führt. Den Platz umrahmen drei repräsentative und gut erhaltene Palazzi aus der Gotik und Renaissance. Schon hier lohnt sich ein Besichtigungs- und Fotostop. Von hier aus geht es auf der Banchi de Sopra, der Verlängerung der Via Montanini, weiter bis zum berühmten Campo, der sich plötzlich zur Linken durch einen breiten Durchgang dem Blick öffnet. ![]() Der Dom von Siena Doch bevor wir den Platz näher in Augenschein nehmen, folgen wir der Straße - nun die Via di Citta - noch bis zum Domplatz und statten dem Dom von Siena den obligatorischen Besuch ab. Diese Besichtigung sollte man auf keinen Fall versäumen, denn der Don zeichnet sich außer durch sein reich verziertes Portal vor allem durch die berühmten Mosaiken aus, die im Kircheninneren die Bodenfläche zur Hälfte bedecken. Zur Schonung der künstlerisch hochwertigen Mosaiken sind die meisten mit roten Seilen abgesperrt. Das hat neben der Schonung auch den Vorteil, dass man sie in Ruhe betrachten und die lateinischen Texte entziffern kann (sofern man es kann!), ohne dass andere Besucher darauf stehen. Die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert entstandenen Mosaiken sind direkt in den Marmor geritzt und durch verschiedenfarbigen Marmorarten farblich aufgefächert. Sie stellen verschiedene mythische oder historische Schlachten sowie Heiligengeschichten und -figuren ab und können alleine einen interessierten Besucher schon einen ganzen Tag beschäftigen. Zum auch außen mit Marmor verkleideten Dom gehört ein hoch aufragender Turm, der eine herrliche Rundumsicht auf Siena ermöglicht. Nach dem Besuch des Doms geht es zurück zum "Campo", dem zentralen Platz, wo zweimal jährlich die berühmten Reiterspiele stattfinden. Dazu sammeln sich an bestimmten Tagen zwei seit Alters her fest in der städtischen Gesellschaft verankerte Parteien, die seit Jahrhunderten eine ritualisierte Gegnerschaft pflegen, und bereiten sich mit Hilfe ihres Anhangs akribisch auf das Rennen, den "Palio" vor, das am festgesetzten Tag in Form mehrerer Runden stattfindet. Dazu wird der gesamte Platz mit Sand bedeckt, den Einheimische und Touristen gemeinsam festtreten. Es versteht sich, dass dieses Ereignis Touristen aus aller Welt anzieht und Karten nur schwer zu ergattern sind. Da im Oktober kein Palio ansteht, brauchen wir uns um Karten oder Überfüllung des Stadtzentrum keine Sorgen zu machen. Wir können frei über den Platz schlendern, dessen Anlage und die umliegenden Gebäude bewundern und uns schließlich einen windgeschützten Sonnenplatz in einem der Cafés am Rande des Platzes suchen. Dass die Preise hier nicht gerade im Niedrigsegment liegen, versteht sich dabei von selbst. ![]() Der "Campo" von Siena Da Lucca, unser heutiges Ziel, noch nahezu einhundertfünfzig Kilometer entfernt ist, gebietet es sich von selbst, den Zwischenstopp in Siena zu beenden und die Weiterfahrt anzutreten. Schweren Herzens verlassen wir diese mit historischer Bedeutung aufgeladene Stadt und begeben uns zu unserem Auto. Obwohl die Autostrada über Florenz die schnellste Verbindung darstellt, verzichten wir auf diese Strecke und genießen lieber die Toskana auf einer Nebenstrecke. Diese führt uns nach Westen Richtung Meer, denn auch Lucca liegt im Norden von Pisa nicht weit von der Ligurischen Küste. So fahren wir gemächlich abseits der großen Straßen der langsam absteigenden Sonne entgegen, mal etwas mehr westlich, mal nördlicher. Die Straße führt uns über Anhöhen in gewundenen Kurven oder durch flaches Gelände, bis wir vor uns eine besonders markante Anhöhe mit einem Ort darauf erblicken: Volterra. Diesen Ort müssen wir uns natürlich ansehen, und so geht es wieder in Serpentinen den Berg hinauf und dann an der Stadtmauer entlang auf der Suche nach einem Parkplatz. Da vor uns schon einige Wagen offensichtlich ebenfalls nach einer Abstellmöglichkeit suchen, haben wir wenig Hoffnung, bis sich plötzlich eine kleine Lücke nahe dem Ortseingan öffnet, die die anderen Besucher offensichtlich übersehen haben. Ein Spaziergang die Hauptstraße hinunter, ein "Latte" zur Stärkung in einem kleinen Café und ein Besuch der örtlichen Kathedrale sind die wesentlichen Stationen auf diesem Rundgang. Das Schönste an Volterra sind jedoch die Ausblicke in die umliegende Landschaft, die uns auch nach einer Woche Toskana immer wieder stille "Ahs" entlocken. ![]() Blick von Volterra in die Umgebung Auch hier ist unseres Bleibens jedoch nicht lange, denn die Sonne neigt sich schon bedenklich dem Horizont entgegen, und wir möchten noch bei Helligkeit in unserer nächsten Unterkunft eintreffen. Jetzt geht es durch das flache, industrialisierte Land nach Pontedera, einem kleinen Ort südöstlich von Pisa, von dem es dann direkt nach Lucca geht. Der Verkehr nimmt in dieser bevölkerungsreichen Gegend deutlich zu, so dass es öfters zu kleineren Staus kommt, die unser Fortkommen behindern. Hinter Pontedera begehen wir dann den Fehler, statt der Autobahn die Landstraße nach Lucca zu nehmen, und müssen durch Dutzende eng beieinander liegender Dörfer kurven. Was anfangs noch ein wenig abwechslungsreich und malerisch anmutet, nervt irgendwann nur noch, doch schließlich erreichen wir Lucca, unser heutiges Ziel. Unsere Unterkunft, ein ehemaliges Landgut, liegt jedoch über zehn Kilometer nördlich von Lucca in den ansteigenden Hängen des Mittelgebirges, und so heißt es noch einmal, sich durch den Feierabendverkehr zu quälen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir nach einer etwas komplizierten Fahrt durch kleine Dörfer und entlang verschiedener Anwesen das von einer Mauer umgebene Areal, das etwa ein halbes Dutzend Häuser umfasst, die früher einmal alle zum weitläufigen Landgut gehörten. Heute sind sie alle zu Ferienhäusern mit großzügigen, rustikal aber modern eingerichteten Zimmern und Aufenthaltsräumen umgebaut, die von üppigen Gärten umgeben sind. Hier oben herrscht eine himmlische Ruhe, aus dem Tal grüßt das Lichtermeer Luccas und im Norden erheben sich die Bergkuppen. Für heute haben wir genug von Besichtigungen, und so suchen wir uns (und finden!) nur noch ein bodenständiges Restaurant, in dem wir den Tag bei einem guten Essen und Rotwein ausklingen lassen können. Morgen werden wir dann die Umgebung erkunden. |
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