Reisen Klöster und Piratennester

                                                       
April 2010
Die Halbinsel Akrotiri: einst Rückzugsort der Mönche, jetzt Urlaubsregion

 
Die Stationen der Reise:

Rethymno
Maroulás und Arkadi
Argiropoulis und Moni Préveli
Miliá
Elafonisi
Chania
Akrotiri
Makrigialos
Kato Zákros
Dasaki-Schlucht
Elounda
Rosá-Schlucht






















































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Auch der dritte Tag beginnt wieder mit strahlendem Sonnenschein und einem Frühstück auf der Terrasse. Dann heißt es jedoch aufbrechen, denn heute haben wir ein umfangreiches Programm vor uns. Das Ziel heißt heute Akrotiri, die über fünfhundert Meter hohe Halbinsel Akrotiri östlich von Chania.

Das Kloster Agia Triada auf Akrotiri
Das Kloster Agia Triada auf Akrotiri


Die Fahrt dorthin mit dem Auto dauert knapp zwanzig Minuten, doch die Navigation ist etwas knifflig, weil die Beschilderung nicht auf erstmalige Besucher aus dem Ausland eingerichtet ist. Konkret bedeutet dies, dass unser Ziel, das Kloster Agia Triada, nur sporadisch ausgewiesen ist. Doch mit Nachfragen bei Taxifahrern finden wir schließlich den Weg, Er führt am Flugplatz vorbei bis an den Fuß der Bergkette. Hier liegt das alte Kloster am Ende einer langen Allee und begrüßt uns mit einem Karfreitags-Gottesdienst, so dass wir das Innere der Klosterkirche nur kurz von der Tür aus einsehen können. Dafür erkunden wir die Gemäuer um die schöne alte Kirche mit ihren Kuppeltürmen, die alle Wirren der Jahrhunderte überstanden haben. Die Randbebauung selbst ist stark renovierungsbedürftig, aber man sieht an allen Stellen entsprechende Aktivitäten. Hoffentlicht bremst die griechische Finanzkrise diese Restaurierung nicht zu sehr!

Von Ahia Triada geht es per Auto hinauf zum Moni Gouvernéto, einem aufgelassenen Kloster oben in den Bergen. Die kurvenreiche Strecke ist nicht immer im besten Zustand, aber das sind wir und unser Leihwagen mittlerweile gewohnt. Moni Gouvernéto besteht aus einer festungsartigen Anlage mit einer noch in betrieb befindlichen Kirche, in der in diesem Augenblick gerade der Gottesdienst zu Ende geht. Rings um die Kirche ist alles abgesperrt, da überall Restaurierungsarbeiten im Gange sind – wenn auch nicht am heutigen Karfreitag. Daher lassen sich außer dem Gesamteindruck keine weiteren Detaileindrücke gewinnen, und wir verlassen das Anwesen mit der Erkenntnis, dass sich hier vor Jahrhunderten die Mönche vor den Piraten verschanzt haben.

Blick auf Moni Katholikó
Blick auf Moni Katholikó

Unser weiterer Weg führt uns einen befestigten Gehsteig - Wanderweg wäre eine zu euphemistische Bezeichnung – hinab in eine Schlucht, die zur östlichen Küste von Akrotiri führt. An der Basis liegt das ursprüngliche Kloster Moni Katholikó. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Tropfsteinhöhle, wegen der eigenartigen Form eines Stalagmiten auch „Bärenhöhle“ genannt, wo einst ein Eremit gelebt hat. Das Kloster selbst liegt noch einmal etliche steile und gewundene Treppenstufen tiefer, von denen man einen traumhaften Blick in die schroffe und steile Schlucht aus genießt. Vom Kloster selbst stehen nur noch einige Mauern und eine großartige Brücke, die auf die andere Seite der Schlucht führt. Dort befanden sich früher weitere Gebäude und Gärten des Klosters.



Piratenbucht unterhalb Moni Katholicó

Piratenbucht unterhalb Moni Katholicó

Die Schlucht führt vom Kloster weiter nach unten zur Küste, Der Weg wird immer  mehr zum Trampelpfad über Stock, Stein und Felsen, und die steilen Wände der Berge rücken von beiden Seiten immer näher. Die Wanderung wird langsam abenteuerlich, wenn auch nicht gefährlich. Nach zwanzig Minuten erreichen wir endlich die felsige Küste, wo wir auf einen idyllischen kleinen Naturhafen treffen, der sich Felsen etwa vierzig, fünfzig Meter weit in die Felsen hineinzieht und keine zehn Meter breit ist. Eine Yacht kann hier nur vorwärts hinein und rückwärts hinaus, drehen ist kaum möglich. Von hier aus müssen die Mönche vor Jahrhunderten zum Fischen hinausgefahren sein oder sogar Handel getrieben haben. Doch irgendwann entdeckten dann Piraten den kleinen Hafen und die zum Kloster führende Schlucht. Da Geldgier größer ist als Bequemlichkeit, haben sie das Kloster einige Male geplündert, bis die Mönche hinaufzogen sind und das befestigte Moni Gouvernéto gründeten.

Taverne am Strand von Stavrós
Taverne am Strand von Stavrós


Unser Aufstieg vom Ufer bis Moni Gouvernéto dauert eine Stunde, und anschließend wissen wir, was wir getan haben. Für heute ist es genug mit Besichtigungen und Bergwanderungen, jetzt heißt es entspannen. Dazu überqueren wir die Halbinsel bis zur Nordwestecke, wo der Badeort Stavrós liegt. Dort erwartet uns ein fast karibisches Ambiente: eine kleine, geschützte Bucht mit hellem Seesand und türkisblauem Wasser, dahinter das tiefe Blau des Mittelmeers. In einer Taverne direkt an der Bucht nehmen wir erst ein typisch griechisches Mittagessen – griechischer Salat mit Schafskäse und Oliven, Weißwein – zu uns und legen uns dann an den Strand, der an diesem für Deutsche sommerlichen Karfreitag nahezu leer ist. Auch ein Sprung ins  Wasser darf nicht fehlen, obwohl die Temperatur höchstens achtzehn Grad beträgt.

Mit einer Rundfahrt durch die gehobene Ferienhaus-Landschaft von Stavrós endet dieser eindrucksreiche Tag, der uns eine andere Facette von Kreta nahegebracht hat. Der Abend ist wieder der Fisch-Speisekarte von Chania gewidmet.


Morgen geht es über die ganze Insel in den Ostteil nach Makrigialos.

Frank Raudszus
 

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