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Quellen im Hochland
und Erinnerungen an Deutschland |
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Ein Ausflug in das Bergdorf Argiropoulis und zum Kloster Moni Préveli
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Die Stationen der Reise: Rethymno Maroulás und Arkadi Argiropoulis und Moni Préveli Miliá Elafonisi Chania Akrotiri Makrigialos Kato Zákros Dasaki-Schlucht Elounda Rosá-Schlucht Ihre Meinung über E-Mail hier |
Am zweiten Tag auf Kreta weckt uns wieder strahlender Sonnenschein. Die Katzen sonnen sich auf den Nachbardächern und putzen ihr Fell, die große festlandsfähre liegt immer noch im Hafen, als habe sie beschlossen, nie mehr auszulaufen. Es herrscht eine friedliche Sonntagmorgen-Atmosphäre. Doch wir sind nicht hergekommen, um auf dem Balkon Bücher zu lesen sondern um die Insel kennenzulernen. Heute wollen wir einen Abstecher zur Südküste unternehmen und auf der Strecke ein weiteres Juwel kretischer Landschaft besuchen: der kleine Ort Argiropoulis liegt etwa zehn Kilometer landeinwärts im Südwesten von Rethymno in den Bergen und ist vor allem bekannt für seine Quellen, Schon die Anfahrt durch die sanft ansteigenden Berghänge ist ein Erlebnis, zeigt sich doch überall eine üppige Vegetation. Das Wasser wirft sozusagen seinen Schatten in Gestalt des satten Grüns voraus. ![]() Die Wasserfälle von Argiropoulis Kurz vor Argiropoulis weist ein versteckter Wegweiser auf die „springs of Argiropoulis“ hin. Die Straße schraubt sich hinab in ein grünes Tal, und die Zahl der – jetzt noch leeren – Parkplätze vermittelt uns einen Eindruck von der touristischen Bedeutung dieses Ortes. Von den Hängen stürzen sich kleinere Wasserfälle und Kaskaden herab, werden in neue Bahnen geleitet, treiben alte Mühlräder an oder füllen malerische Wasserbecken mitten zwischen den Tischen eines Freiluft-Restaurants. Wo man hinsieht, plätschert, rauscht oder gurgelt es. Das Wasser ist glasklar und nährt auf seinem weiteren Weg zur Küste und ins Meer die vielfältige Vegetation im Hochtal von Argiropoulis. Nach diesem Besuch des fast japanisch anmutenden Wasserlandschaft schauen wir uns noch den Ort an, der auf jeden Fall einen Besuch lohnt. Auf der schmalen Nase einer hoch gelegenen Hügelkuppe drängen sich die Häuser um einen alten venezianischen Palast, und der Zugang zum Ort erfolgt durch einen malerischen Torbogen. Auf unserem kurzen Rundgang spricht uns plötzlich ein älterer Grieche an: „Deutsch?“. Schnell stellt sich heraus, dass er siebzehn Jahre lang in Deutschland für mehrere Autohersteller gearbeitet hat und anschließend nach Kreta zurückgegangen ist, um die Olivenplantage seines Vaters zu übernehmen. er zeigt uns die Sehenswürdigkeiten des Ortes – einen über 2000 Jahre alten, gut erhaltenen Mosaikboden und eine fast ebenso alte Kirche – und bewirtet uns dann noch in seinem schattigen Kafeneion mit süßem Kuchen und Schnaps. Dabei erzählt er begeistert von seiner Zeit in Deutschland. ![]() Die Schotterpiste im Hochland Doch wir müssen bald wieder aufbrechen, da wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Die schmale, gewundene Straße führt weiter hinauf in die Berge und durch winzige Orte und geht plötzlich in eine Schotterpiste mit Schlaglöchern und Schründen über. Immer wieder müssen wir im Schritttempo größeren Unebenheiten ausweichen oder vor engen Kurven in den ersten Gang schalten, weil wir nicht wissen, wie es dahinter weitergeht. Man fühlt sich an „Paris – Dakar“ erinnert. Irgenwann erreichen wir auf diesem Schotterweg einen Pass, und dahinter senkt sich die Straße in weiten oder enge Kurven ins nächste, südliche Tal hinab. Nach einiger Zeit geht auch die Schotterdecke wieder in Asphalt über, und wir kommen wieder zügiger voran. Gegen Mittag erreichen wir schließlich den kleinen Badeort Plakias, der sich an die Felsen der südlichen Küste schmiegt und den Schlusspunkt eines langen, halbrunden Strandes bildet. Die Saison hat hier noch nicht begonnen, nur die Einwohner und einige versprengte nordeuropäische Touristen beleben diesen Ort. Obwohl die Sonne die Luft auf deutsche Sommertemperaturen erwärmt, ist es den Griechen offensichtlich noch viel zu kalt. Wir genießen die Mittagssonne auf der Terrasse eines kleinen Restaurants unmittelbar am felsigen Ufer und lassen das Spiel der um die Felsen brandenden Wellen auf uns wirken. Fern im Süden sieht man schwach die vorgelagerten Inseln im Dunst und dahinter ahnt man – Ägypten! Von Plakias geht es der Küste entlang nach Osten zum Kloster Moni Préveli, das hoch über dem Wasser auf einem Felsplateau liegt. Wir erreichen das Kloster über eine einsame, kurvenreiche Straße, die sich an karstigen Bergabhängen entlangzieht, Das Kloster selbst besteht aus einem alten Teil, der kaum restauriert ist, und darum neu gebaute oder restaurierte Gebäude. Heute, am Sonntag Nachmittag, wirkt alles wie ausgestorben. Nur die uralten, weit ausladenden Pinien und andere Bäume lassen ahnen, dass hier über Jahrhunderte bewusst Landschaft angelegt und gepflegt wurde. Das ganze Anwesen verströmt die Atmosphäre eines großzügigen, derzeit nicht bewohnten Landgutes. Dabei sieht alles gepflegt und „wie geleckt“ aus, so dass sich die wenigen Besucher fast ein wenig eingeschüchtert bewegen. ![]() Der Strand von Préveli Da es heute an diesem Ort außer der Außenanlage nichts zu besichtigen gibt, beschließen wir, dem Strand noch einen Besuch abzustatten. Ein Einheimischer hatte uns den Tip gegeben, bei der „alten Brücke“ abzubiegen und auf einem Schotterweg zum Strand zu fahren. Nun, die Brücke taucht plötzlich tatsählich auf, malerisch wie die van Goghsche in Arles, doch den Schotterweg haben wir in Länge und Zustand weit unterschätzt. Dagegen war die mittägliche Schotterpiste im Hochland eine bequeme Straße! Im Schrittempo und meist im ersten Gang quälen wir uns zwanzig Minuten lang den kurvenreichen, mit Löchern durchsetzten, von Steinen aller Größenordnungen übersäten und von Wasserrinnen durchpflügten weg hinab und können froh sein, dass uns kein Fahrzeug entgegen kommt. Hier merkt man schmerzhaft, wie lang zwanzig Minuten sich ziehen können. Wie durch ein Wunder erreichen wir schließlich unbeschädigt den Strand, klettern noch einige Felstreppen auf und ab und entspannen uns schließlich am malerischen „Limni Prélevi“. Die Felsen hinter halten den Wind etwas ab, so dass man sich sonnen kann, am gemächlich aus dem Binnenland heranfließenden Flüsschen sitzen Angler, und einige Familien nutzen den schönen Tag auf ihre Weise. Das ist „Tourismus à la Crète“: beschaulich und ohne Hektik. Doch uns hält es hier nur eine knappe Stunde, dann heißt es wieder aufbrechen, die schreckliche Schotterpiste ein zweites Mal in Gegenrichtung zu absolvieren und anschließend quer durchs Binnenland zurück nach Rethymno an der Nordküste zu fahren. Dort kommen wir gegen 18 Uhr an und sind froh, das Auto abstellen zu können und im Hotel ein entspannendes Bad zu nehmen. Morgen geht es weiter nach Miliá. Frank Raudszus |
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