Reisen Rendezvous in der Schlucht

                                                       
April 2010
Erkundung der Dasaki-Schlucht bei Koutsourás und Weiterfahrt nach Elounda

 
Die Stationen der Reise:

Rethymno
Maroulás und Arkadi
Argiropoulis und Moni Préveli
Miliá
Elafonisi
Chania
Akrotiri
Makrigialos
Kato Zákros
Dasaki-Schlucht
Elounda
Rosá-Schlucht









































































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Das Programm des nächsten Tages steht bereits morgens fest. Nach dem Frühstück auf der Sonnenterrasse packen wir wieder einmal unsere Koffer und begeben uns an den nächsten Ort. Da die Entfernung nach Elounda jedoch nur rund fünfzig Kilometer beträgt, können wir noch einen vormittäglichen Programmpunkt einfügen. Die Dasaki-Schlucht bei Koutsourás wenige Kilometer westlich bietet sich da geradezu an.

Vor dem Einstieg in die Dasaki-Schlucht
Vor dem Einstieg in die Dasaki-Schlucht


In Koutsourás angekommen, achten wir besonders auf entsprechende Hinweisschilder, können jedoch keine entdecken. Bevor wir zu weit fahren, fragen wir einen Mann, der mit seiner Frau den morgendlichen Sonnenschein vor seinem Haus genießt, nach der Dasaki-Schlucht. Zwar sprechen wir kein Griechisch und die wenigsten in diesen kleinen Orten Englisch oder Deutsch, aber das fragend ausgeprochene  Wort "Dasaki" versteht der Einheimische sofort und weist zum Ortsausgang, zusammen mit einigen englischen Brocken. Wir verlassen also Koutsourás, können jedoch immer noch kein Schild entdecken.

Fast ein Kilometer hinter dem Ort entdecken wir schließlich rechter Hand einen sandigen Parkplatz mit einigen Reklametafeln. Ein Hinweis auf die Schlucht in einer uns verständlichen Sprache fehlt zwar, aber die hinter dem Platz aufsteigenden Berghänge zeigen einen schluchtähnlichen Einschnitt, und so fahren wir einfach erst auf den Platz und dann eine holprige Schotterpiste entlang, die durch einen lichten Wald Richtung Berge führt. Irgendwann geht es nicht mehr weiter, doch wir sehen deutlich das Ende einer Schlucht hundert Meter vor uns. Wir stellen den Wagen im Schatten eines Busches ab und machen und auf den Weg.

Unsere "adhoc"-Wandergruppe (plus Fotograf)
Unsere "adhoc"-Wandergruppe (plus Fotograf)


Schon nach wenigen Metern wird klar, dass wir richtig getippt haben. Ein weitgehend trockenes, mit Felsen aller Größenordnungen gefülltes Bachbett windet sich aus einer typischen Schluchtlandschaft heraus. Wir folgen dem schmalen Trampelpfad, der sich mal links, mal rechts des Bachbettes dahinschlängelt oder auch mal direkt darin verläuft, und steigen wie gehabt über Baumwurzeln oder umgestürzte Baumstämme, über Felsen und durch dichtes Gestrüpp, das teilweise über den Weg wuchert. Nach etwa einer Viertelstunde hören wir vor uns entfernte Stimmen, und richtig: nach einigen Biegungen und wenigen Minuten sehen wir einen Mann und eine Frau vor uns, die sich offensichtlich auf Deutsch unterhalten. Er steht oben auf einem etwa fünf Meter hohen Felsen und sie unten. Zwischen ihnen lehnt eine nicht sehr vertrauenerweckende Leiter an der senkrechten Felswand. Einige Sprossen fehlen, und der einzige Handlauf hat sich ebenfalls gelockert. Offensichtlich ist der Mann trotz dieser Mängel hochgeklettert, während die Frau skeptisch- sprich: ängstlich - ist und den Aufstieg verweigert. Nach kurzer Begrüßung und Klärung der Landsmannschaft erfahren wir, dass diese Leiter die einzige Möglichkeit darstellt, die Schlucht weiter zu durchwandern.

Nach kurzer Überlegung beschließt der Schreiber dieser Zeilen, sich vor dem anderen Mann nicht blamieren zu wollen, und klettert ebenfalls mit sicherem Griff und Tritt über die durchaus nicht "TÜV-fähige" Leiter auf den Felsen. Nun stehen zwei Männer oben und zwei Frauen unten, und es entspinnt sich eine längere Diskussion, die den Zweck hat, die Damen zum Aufstieg zu bewegen. Lange wogt die Diskussion unentschieden hin und her, dann endlich wagt die erste Dame den Aufstieg - mit männlicher Unterstützung und gutem Zureden. Dieser Tatsache kann sich auch die andere Dame nicht entziehen, und kurz danach stehen alle vier Wanderer oben und können aufatmend den Weg fortsetzen. Nach der gemeinsamen Überwindung dieses Hindernisses finden wir uns mit Heiko und Angelika zu einer vierköpfigen Wandergergemeinschaft zusammen und tauschen rege unsere verschiedenen Kreta-Erfahrungen aus.

Dasaki-Schlucht mit Falsabstützung
Dasaki-Schlucht mit Falsabstützung


Nun wird die Schlucht zunehmend enger und steiler, und aus dem Wandern wird teilweise Klettern. Aber nach mehreren Schluchtwanderungen sind wir das gewohnt und haben unseren Spaß an der wilden Natur in dieser Schlucht. Überall blühen und gedeihen Pflanzen, die man sonst nicht sieht. In dieser offensichtlich wenig begangenen Schlucht kann sich die Natur noch weitgehend frei entfalten.
Nach weiteren zwanzig Minuten weitet sich die Schlucht wieder zu einem offenen "V", und der Weg wird wieder gangbarer. Vor uns erhebt sich eine alte Mauer quer über das Tal, die früher vielleicht einmal Stauzwecken gedient haben mag, jetzt jedoch halb zerfallen ist. An dieser Mauer machen wir kehrt und lassen unsere neuen Wandergefährten alleine weitergehen, denn wir müssen heute noch unser neues Ziel erreichen. Der Abstieg geht dann leichter und schneller vonstatten, und sogar die berüchtigte Leiter stellt für uns kein Hindernis mehr dar. Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir wieder unser Auto und verlassen endgültig Kretas Südküste.

Unser nächstes Ziel, Elounda, liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Agios Nikolaos am Mirambellou-Golf an der Nordküste. Daher geht es erst einmal östlich Richtung
Ierápetra. Auf der Fahrt dorthin locken das sommerliche Wetter und das blaue Meer zum Bade, doch es will sich kein ansprechender Badestrand finden. Bei dem kleinen Ort Agia Fothiá zieht sich dann eine Bucht tief in eine dicht begrünte Flussmündung hinein, und durch die Bäume entdecken wir plötzlich einen kleinen, malerischen Strand. Wir finden die etwas versteckte Abfahrt und schlängeln uns eine von den uns schon so bekannten holprigen Wegen zum Strand hinunter. Dort hoffen wir auf weichen Sand und eine Taverne mit Meerblick. Beides finden wir vor, doch die Taverne ist leider noch geschlossen, und die Besitzer werkeln eifrig an der Renovierung für die Sommersaison. So müssen wir uns mit Meer und Strand begnügen, und die gefühlten zwanzig Grad (wahrscheinlich höchstens achtzehn!) des Mittelmeers lassen das Baden zum Vergnügen werden. 

Badespaß bei Agia Fothiá
Badespaß bei Agia Fothiá

Nach der Siesta am Strand fahren wir die Paar Kilometer bis nach
Ierápetra und quälen uns durch Einbahnstraßen bis zum Hafen durch, wo sich eine lange Promenade nach Osten erstreckt. Heute, am Ostermontag, flaniert bei herrlichem Sommerwetter die halbe Stadt auf der großzügigen und aufwendig gepflasterten Promenade, wo sich Restaurants und Cafés - heute gern "Lounges" genannt - in einem langen Bogen aneinanderreihen. Die Jugend frequentiert mit Vorliebe den tiefn Sesseln der angesagten "Lounges" und lässt bei einem "coolen" Drink das Publikum defilieren. Wir genießen den Ausblick auf den Hafen und das Meer und wundern uns, dass vor allem die Frauen hier noch Winterstiefel und warme Jacken tragen. Das Wärmeempfinden scheint zwischen Kretern und Deutschen doch sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein, denn wir fühlen uns wie an an einem schönen deutschen Julitag.

Anschließend überqueren wir in knapp zwanzig Minuten die an dieser Stelle nur etwa zehn Kilometer breite Insel und erreichen bei Pachiá Ammes die Nordküste. Die breite Schnellstraße steigt an der Küste empor und bietet uns nach wenigen Kilometern einen herrlichen Ausblick auf die Küstenlandschaft bis nach Agios Nikolaos und darüber hinaus. Bei diesem Anblick weiß man, warum die Touristikunternehmen diese Gegend für ihre besten Hotels und Ferienhäuser gewählt haben. Tiefe und weite Buchten sowie kleinere und größere Felsvorsprünge schaffen das malerische Bild einer abwechslungsreichen und lebenswerten Landschaft. Buchten und Täler sind begrünt, zwischendurch blinken die hellen Häuser eines kleinen Ortes, und über allem erheben sich im Westen und Südwesten die hohen Berge des Ida-Gebirges. Der Preis für diese landschaftliche Schönheit ist eine deutliche touristische Färbung der Ortschaften, in denen Werbetafeln und Lokale am Straßenrand das Bild prägen. Doch das ist nicht zu vergleichen mit den entsprechenden Zuständen in bekannten italienischen oder spanischen Küstengebieten. Hier wirkt alles noch um einige Jahrzehnte ursprünglicher. Hoffen wir, dass es so bleibt.

Die Straße führt uns in einem großen Bogen um Agios Nikolaos vorbei und dann hinauf auf eine kleine Passhöhe. Als wir diese erreichen, liegt auf einmal die lang gezogene Bucht von Spinalonga vor uns, mit dem gleichnamigen venezianischen Fort am nördlichen Ende und den Edel-Hotels am südlichen Ausgang unmittelbar vor des kleinen Orts Elounda. Unser Ziel ist das "Elounda Beach Hotel", in dem wir nach unser teilweise anstrengenden Rundfahrt über Kreta die letzten Tage nur entspannen, lesen und baden wollen. Ein detaillierter Bericht über diese Tage würden eher einer Hotelbeschreibung gleichen und dafür ist an dieser Stelle kein Platz. An dieser Stelle sei nur soviel gesagt, dass Umfulana für uns eins der "führenden Hotels" Griechenlands ausgesucht hat, und wir freuen uns schon darauf, am Ende der Reise noch etwas verwöhnt zu werden.

Frank Raudszus
 

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