Reisen Panoramastrecken und Paradestrände

                                                       
April 2010
Ein Ausflug an Kretas Ostküste nach Kato Zákros

 
Die Stationen der Reise:

Rethymno
Maroulás und Arkadi
Argiropoulis und Moni Préveli
Miliá
Elafonisi
Chania
Akrotiri
Makrigialos
Kato Zákros
Dasaki-Schlucht
Elounda
Rosá-Schlucht












































































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Am nächsten Morgen, ausgeruht und nach dem Genuss eines ausgedehnten Frühstücks mit Meerblick, stellt sich zumindest theoretisch die Frage nach dem heutigen Ausflugsprogramm. Makrigialos ist ein eher verschlafenes Städtchen mit sehr überschaubarem touristischen Potential. Der Hafen mit einigen netten Tavernen und Bars stellt die einzige Attraktion dar, schläft jedoch zumindest touristisch noch den Winterschlaf. Hier geht es erst im Mai langsam los.

Zwei attraktive Ziele bieten sich an: die Dasaki-Schkucht nur wenige Kilometer westlich von Makrigialos und die Ostküste mit dem kleinen Badeort Kato Zákros. Dieser leitet seine besondere Bedeutung vor allem von einem minoischen Palast ab, der unmittelbar an der Küste lag und heute zu den wichtigsten minoischen Ausgrabungsstätten gehört. Da unser morgiges Ziel, Elounda bei Agios Nikolaos, uns sowieso wieder nach Westen zieht, fällt die Entscheidung leicht. Auf geht's nach Osten!

Das Hochland in Kretas Osten mit Meerblick
Das Hochland in Kretas Osten mit Meerblick


Wir wählen die auf der Karte einfacher aussehende Strecke über die nordwestlich nach Sitia führende Hauptstraße, von der es nach knapp fünfzehn Kilometern auf einer gewundenen Straße über mehrere kleine Orte nach Zákros und dessen "Strand-Dependance" Kato Zákros
abgeht. Wie wir bereits einmal festgestellt haben, hält die Wirklichkeit der Straßen nicht das, was die Karte vorgaukelt. Das liegt in diesem Fall weniger an dem Zustand der Straßen, sondern einfach an der Schwierigkeit der Orientierung sowie an den vielen steilen und engen Kurven, die man in dieser Häufung einfach nicht vermutet hat. Schon eine vermeintliche Abkürzung über das kleine Dorf Vori führt uns mitten in dies hinein, bis es wegen der Enge der Gasse nicht mehr weitergeht. So war das der Karte nicht zu entnehmen, aber das muss man mit Gleichmut nehmen. Auf Kreta stimmt die Realität nicht immer mit der Straßenkarte überein.

Die enge Straße windet sich die östlichen Berge bis auf fast achthundert Meter hinauf, hier oben sieht es bereits recht rauh aus und man spürt den Nordostwind förmlich alles Grüne hinwegfegen. Nur die Ziegen halten es hier oben aus, und man muss als Fahrer höllisch aufpassen, hinter einer Kurve nicht plötzlich in eine Ziegenherde hineinzufahren. Doch die engen Kurven verhindern sowieso eine zu hohe Geschwindigkeit, und so kann man sich jedesmal auf die quirligen Vierbeiner einstellen, die die Straße längst zu ihrem Lebensraum erklärt haben. Vor herannahenden Autos räumen sie allerdings schnell das Feld. In einem Dorf verpassen wir die richtige Abzweigung und landen nur über verschwiegene Pfade wieder auf der richtigen Straße. Im nächsten ist der Wegweiser ebenfalls so versteckt, dass wir erst einmal mitten im ausgestorbenen Dorf vor einer nur noch meterbreiten Gasse stehenbleiben. Irgendwie finden wir auch hier wieder heraus, wobei es uns ungemein tröstet, dass auch eine junge Griechin in derselben Sackgasse landet.

Das "Tal der Toten" vor Kato ZákrosDas "Tal der Toten" vor Kato Zákros

Schließlich erreichen wir eine Passhöhe, und vor uns breitet sich ein weites und tiefes Tal aus. So muss es Moses gegangen sein, als er das Land Kanaan erblickte. Hier oben ist alles felsengrau, dort unten grünt und blüht es bereits, und einige Orte bilden malerische weiße Flecken in diesem grünen Gemälde. Da möchte man stehenbleiben und erst einmal den Blick ins Tal genießen. Doch dieser Genuss ist uns auch auf der Weiterfahrt vergönnt, denn nun geht es in engen Haarnadelkurven und langen Serpentinen mehrere hundert Meter den Berghang hinab, und auf jeder Serpentinengeraden genießen wir den Ausblick bis aufs östliche Mittelmeer. Nach gefühlten hundert Kurven erreichen wir endlich das Tal und dann auch bald Zákros, das sich heute österlicher Ruhe erfreut. Die einzige Tankstelle weit und breit will gerade schließen, aber der nette Grieche füllt uns vorher noch den Tank. Ein Glück, denn das hätte später eng werden können!

Zwischen Zákros und Kato Zákros biegt eine Schlucht mit dem "Tal der Toten" ab. Die Schlucht endet an dem alten minoischen Palast am Ufer, und in der Schlucht haben die Minoer früher ihre Toten begraben. Wir stellen den Wagen am oberen Eingang der Schlucht ab und unternehmen eine kleine Wanderung in die Schlucht hinab. Nach einer Viertelstunde haben wir die erste Biegung soweit umrundet, dass sich die Schlucht in fast ihrer gesamten Länge vor uns öffnet. Da die eigentliche Engstelle jedoch noch einige Kilometer vor uns liegt und der Weg bis dahin noch lang und beschwerlich erscheint, beschließen wir, es bei der visuellen Erkundung aus der Ferne zu belassen und dem Strand zuzueilen. Denn nach der langwierigen Anfahrt naht die Mittagszeit und es lockt die Erwartung eines Imbisses am Strand.

Siesta in der Bucht von Kato Zákros
Siesta in der Bucht von Kato Zákros


Nach einer langen, abwärts führenden Linkskurve öffnet sich vor uns die Bucht von Kato Zákros. ein heller Sandstrand grüßt vor einer begrünten Uferregion, zwischen dieser und dem Strand haben sich drei oder vier kleine Restaurants mit überdachten Terrassen etabliert. Am Strand stehen leere Liegen, die sofort unsere Aufmerksamkeit wecken. Nach einer kleinen Siesta auf den Liegen genießen wir eine der typischen griechischen Mahzeiten und wenden uns dann wieder dem Strand und dem Meer zu, das hier türkisfarben lockt. Die Wassertemperatur liegt bei siebzehn bis achtzehn Grad, was einem Nordeuropäer nach kurzem Anfangsschock angenehm erscheint. Griechen baden hier (noch) nicht!

Da der Tag wegen der langwierigen Anfahrt bereits weit fortgeschritten ist, denken wir bald an die Rückfahrt, wollen vorher jedoch noch den Palast besichtigen. Leider ist die Ausgrabungsstätte am Ostersonntag geschlossen, und so müssen wir uns mit einem Blick durch den Maschendrahtzaun auf ockerfarbene Rechtecke, Mauerreste und Steinquader zufrieden geben. Spektakuläre Tempelreste oder gar im ursprünglichen Stil wieder aufgebaute Palastbauten gibt es hier nicht zu besichtigen. Für Archäologen bietet diese Fundstätte sicher viele spektakuläre Details, dem Laien
erschließt sich jedoch von außen nicht allzu viel. So beschränken wir uns auf einen kurzen Blick über das gesamte Areal und machen uns dann auf den Rückweg nach Makrigialos.

Blick vom Hochland aufs Buchten, Inseln und MeerBlick vom Hochland aufs Buchten, Inseln und Meer

Da man in einer neuen Umgebung nach Möglichkeit nicht auf dem Hinweg zurückkehren sondern auch andere Regionen kennenlernen sollte, beschließen wir, diesmal die küstennahe Strecke zu nehmen. Das erweist sich schnell als eine hervorragende Entscheidung, denn hier bieten sich noch einmal traumhafte Ausblicke. Die erste Station ist Xerókambos etwa zehn Kilometer südlich, dass mit seiner flachen Lagune und den wie Gebirge in Miniaturformat anmutenden Felsformationen am Strand einen besonders malerischen Eindruck macht. Wir fahren mit dem Auto eine kurze Schotterpiste zum Strand hinab und laufen ein wenig am Wasser entlang. Der Tourismus scheint hier noch glücklicherweise in den Kinderschuhen zu stecken, denn der Ort besteht nur aus einem kleinen Kern und einigen verstreut liegenden Ferienhäusern. Keine Appartementhäuser an den Hängen und keine Tavernen am Strand. Hier ist es einfach einsam - und schön.

Weiter geht es in langen Kurven den Berg hinauf und ins Land hinein bis auf achthundert Meter Höhe. Immer wieder eröffnen sich neue Ausblicke auf vorgelagerte Halbinseln, Inseln, versteckte Buchten und kleine Strände, und eigentlich müsste man während der Auffahrt an jeder Kehre halten und den Blick genießen. Wir tun dies drei Mal, dann schiebt sich eine Anhöhe zwischen uns und das Meer und wir wenden unsere Aufmerksamkeit wieder dem rauhen Bergland zu, das auch seine Reize hat. In langen Kurven geht es weiter hinauf und dann hinunter in eine fruchtbare Hochebene, in der wir mehrere kleine Dörfer durchfahren. Schließlich führt uns die Straße wieder in steilen Kurven hinab zur Südküste, wo wir in Goúdouras landen. Am Meer geht es jetzt auf einer bequem zu fahrenden Straße durch eine Ansammlung von Treibhäusern die letzten Kilometer zurück nach Makrigialos, wo wir am Spätnachmittag wieder eintreffen.

Die Suche nach einem Lokal für das Abendessen gestaltet sich an diesem Ostersonntag noch etwas schwierig. Entweder sind die Tavernen geschlossen oder, wenn wir ein Lokal mit Betrieb, Leben und Tanz finden, findet dort ein österliches Familientreffen statt. Nach längerer Suche in den benachbarten Ortschaften finden wir schließlich in Koutsourás direkt am Ufer eine kleine Taverne, die auch heute geöffnet hat. Die Besitzerin hat lange in Irland und Kanada gelebt und sich schließlich mit ihrem griechischen Ehemann den Traum eines Restaurants am kretischen Strand erfüllt. Wegen der geringen Zahl der Gäste findet die Chefin sogar noch Zeit, uns ihre Lebensgeschichte in Kurzform zu erzählen und ihre Erfahrungen auf Kreta weiterzugeben. So lernt man hier fast täglich Menschen aus verschiedenen Ländern mit teilweise abenteuerlichen Lebensläufen kennen.

Mit dem Sonnenuntergang wird es kühl und uns zieht es in unsere Wohnung. Morgen werden wir uns vor der Weiterfahrt die Dasaki-Schlucht bei Kousourás genauer ansehen.


Frank Raudszus
 

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