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Eines langen Tages
Reise durch Berg und Tal |
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Die Fahrt von Chania nach Makrigialos ist voller Eindrücke und Mühen
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Die Stationen der Reise: Rethymno Maroulás und Arkadi Argiropoulis und Moni Préveli Miliá Elafonisi Chania Akrotiri Makrigialos Kato Zákros Dasaki-Schlucht Elounda Rosá-Schlucht Ihre Meinung über E-Mail hier |
Die schönen Tage von Chania sind nun gezählt. Jetzt liegt eine lange Fahrt vor uns. Unser nächstes Ziel heißt Makrigialos, ein kleiner Ort im Südosten Kretas, etwa dreißig Kilometer von Ierápetra, der größten Stadt an der Südküste. ![]() Der Bischofssitz in Spili Die Fahrt führt uns anfangs auf einer wohlbekannten Strecke nach Rethymno, nun aber mit der Perspektive aus der Gegenrichtung. Bei Rethymno wechseln wir auf die "77", die uns nach Südosten über die Berge führt. Noch einmal genießen wir die langgezogenen Kurven durch das hier weniger schroffe Bergland, dessen Hänge voller Olivenbäume stehen. Auf halber Strecke zur Südküste passieren wir den Bischofssitz von Spili. Das Anwesen gleich am südlichen Eingang des hoch gelegenen Ortes verbreitet einen geradezu herrschaftlichen Eindruck und fordert einen Halt und eine nähere Erkundung geradezu heraus. Die großzügige Anlage erhebt sich über einem in ein weites Tal abfallenden Hang und besteht aus einer weit ausladenden, gepflasterten Plattform, auf denen die Kirche sowie verschiedene Seminar- und Wirtschaftsgebäude stehen. Alles ist aufs feinste renoviert und erstrahlt in frischem Glanz. Von Zeit zu Zeit huscht ein schwarz gekleideter Seminarist oder Priester über den Platz, doch niemand stört uns bei unserer Besichtigung. Nach eingehendem Genuss des weiten Ausblicks über die Täler und Berge ringsumher müssen wir unsere Reise jedoch fortsetzen, da wir heute noch eine lange Strecke vor uns haben. Nach Spili geht es noch einige Zeit aufwärts, und die Berghänge werden immer karger und karstiger. Aber gerade diese Kargheit übt einen ganz besonderen Eindruck von Unberührbarkeit und - ja! - Ewigkeit aus. Ein wenig fühlt man sich wie in archaischen Zeiten. Dann beginnt sich die Straße zur südlichen Küste hinabzuneigen, anfangs, auf der Hochebene, noch in langen, leicht abschüssigen Kurven, dann immer enger und steiler werdend, wobei stets vor uns das Lybische Meer, so heißt hier das Mittelmeer, zwischen den Berghängen hindurchscheint. ![]() Pause in Agia Galini Bei Agia Galini erreichen wir die Küste, und damit ist nach der ewigen Kurbelei auch die Zeit für eine Pause gekommen. Der Ort erweist sich als ein touristisch aufstrebender Badeort mit einem modernen Hafen, klebt jedoch in dem engen Küstenstreifen zwischen Ufer und steilen Berghängen. Wir parken das Auto im Hafen im Schatten eines aufgebockten Touristenbootes und suchen uns eine Taverne für unsere Mittagsvesper. Der Platzmangel hat dazu geführt, dass man in die Höhe gebaut hat, und so finden wir ein Plätzchen zwei Stockwerke über dem Hafen mit einem unbehinderten Blick auf Hafen, Ort und Meer. Den vielfältigen Werbetafeln der Restaurants und anderer touristischer Unternehmen nach zu schließen verkehren hier hauptsächlich Engländer, und das wohl nicht zu knapp, denn die "gastronomische Dichte" ist an diesem kleinen Ort recht hoch. Wir genießen einen griechischen Salat und einen Schluck Weißwein und würden hier gerne "zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön", doch unser Tagesprogramm zieht uns wieder ins Auto zur nächsten Etappe. Jetzt folgen wir der Hauptstraße nach Heraklion, die hier den gesamten Verkehr vom Süden in den Norden aufnimmt und durch verschiedene größere Orte führt. So quälen wir uns durch Timbaki und Mires und verlieren Zeit im Stau der Städte. In Mires gönnen wir uns eine Verschnaufpause auf einem Bauernmarkt, jedoch weniger zwecks Einkauf als zu kurzer Entspannung nach anstrengender Fahrt. Bei Agii Deka, auch einer Stätte, der man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte, wenn es die Zeit erlaubte, biegen wir endlich auf eine Seitenstrecke ab, die zwar immer noch kurvenreich aber wesentlich weniger befahren ist. Nun macht es sogar wieder Spaß, die Kurven zwischen den sanft geschwungenen Berghängen hinauf- und hinunter zu gleiten. Über kleine Orte wie Asimi und Protória geht es weiter nach Osten bis nach Pirgos, einem etwas größeren Ort. Von dort aus führt uns die Straße über Mesochoriá nach Kato Kastellani, wo wir rechts abbiegen hoch ins Gebirge. Wir möchten nämlich die berühmte Panoramastrecke an der Südküste nicht versäumen, die von Tsoutsouros bis fast an die Ostküste Kretas reicht. Also erklimmen wir den südlichen Bergrücken Kurve um Kurve, hinauf aus dem fruchtbaren Tak ins karge Bergland, um dann nach wenigen Kilometern aber vielen Minuten denselben Höhenunterschied und mehr wieder hinabzukurbeln. Für die Anstrengung entschädigt uns jedoch ein wiederum einmaliger Blick auf das Mittelmeer, der wegen des steilen Abstiegs hier sogar noch spektakulärer ausfällt. Man kann sich auch nach einer Woche an diesen Blicken nicht sattsehen. In Tsoutsouros planen wir wieder eine kleine Pause ein, da die Fahrerei in den Bergen doch recht anstrengend ist, doch eine unbefriedigende "gastronomische Infrastruktur" und die drängende Zeit lassen diese Pause zu einem kurzen Beinevertreten verkümmern. ![]() Die "Panoramastrecke" an der Südküste Nun geht es über die Küstenstrecke immer am Meer entlang nach Osten. Die Straße ist zwar in der Karte "gelb" ausgezeichnet und lässt daher auf eine gewisse Qualität schließen, doch die Realität sieht anders aus. In jedem kleinen Ort mündet ein Bach ins Meer, und in der Regenzeit haben diese plötzlich viel Wasser führenden Gebirgsbäche die Straße unterspült und die Asphaltdecke weggerissen. Irgendwann hat man sie nicht mehr repariert sondern nur die Löcher zugeschüttet. Entsprechend "urtümlich" gestaltet sich die Fahrt, und teilweise geht es nur im Schritttempo durch tiefe Schlaglöcher und engste Kurven. Die Orte - Dermatos, Kastri und Arvi - sind winzig und die Ortsdurchfahrten entsprechend eng. Tourismus scheint hier ein Fremdwort zu sein, hier herrscht noch das ursprüngliche Leben kleiner Fischerorte in dichtgedrängten Häusern und engen Gassen, mit einigen Booten in winzigen Nothäfen und einer einzigen Taverne im Ort. Da auch die Straßenbeschilderung nicht immer deutlich erkennbar oder nicht vorhanden ist, kann es geschehen, dass man auf einem kaum noch befahrbaren Weg unmittelbar am Ufer - die Wellen "lecken" sozusagen an den Reifen - plötzlich auf dem Hofe eines kleinen Anwesend landet und anschließend auf der engen Zufahrt zweihundert Meter rückwärts setzen muss. Das macht richtig Spaß, vor allem nach einem halben Tag Autofahrt in schwierigem Gelände. Als wir nach einer Stunde gerade einmal zwanzig Kilometer geschafft haben, beschließen wir, die "Panoramastrecke" zu verlassen um auf der mehr landeinwärts verlaufenden Straße schneller voran zu kommen. Gesagt, getan - und tatsächlich geht es jetzt auf einer durchgehend asphaltierten und gepflegten Straße weiter nach Tértsa. Hinter diesem kleinen Hafenstädtchen folgt noch einmal eine Schotterpiste direkt am Meer entlang, doch die schreckt uns nicht mehr, da sie breit und gut planiert ist und außerdem einen herrlichen Meerblick bietet. Bei Mirtos geht es dann endlich auf die Hauptverkehrsstraße nach Ierápetra, die zwar auch direkt am Meer entlang führt, aber in hervorragendem Zustand ist. Um Ierápetra führt uns die Umgehungsstraße gnädigerweise herum, und dann geht es in die Zielgerade zum knapp dreißig Kilomter entfernten Hafenstädtchen Makrigialos. ![]() Die letzten Kilometer am Meer entlang In Makrigialos hat die Reiseagentur für uns - wie in Miliá - eine "alternative" Unterkunft außerhalb des Ortes in den nahen Bergen gebucht. Der telefonsich vereinbarte Treffpunkt im Ort führt zu einiger Verwirrung, weil es zwei ähnliche Treffpunkte gibt, aber schließlich finden wir unsere Gastgeber doch, die am Straßenrand auf uns warten, um uns zu unserer Unterkunft zu fahren. Die Fahrt dorthin erinnert ebenfalls an Miliá, führt sie doch über eine zerfurchte und teilweise recht enge, glücklicherweise jedoch höchstens zwei Kilomter lange Schotterpiste. Die Siedlung besteht aus kleinen Felsstein-Häusern, wie man sie von alten Bergdörfern kennt. Die erste Enttäuschung besteht darin, dass die Fenster nach Westen auf den gegenüberliegenden Hang hinausgehen und das Meer von keiner Stelle direkt einsehbar ist. Außerdem verdeckt der hinter den Häusern ansteigende Hang die Morgensonne. Die Zimmer selbst sind wegen der kleinen Fenster geradezu düster, was im Hochsommer bei sengender Hitze sicher angenehm ist, jetzt aber eher Depressionen weckt, vor allem nach einer langen, anstrengenden Anfahrt. Last but not least gibt es kein elektrisches Licht zum abendlichen Lesen, so dass man wie die ehemalige Landbevölkerung mit der Sonne schlafen gehen und aufstehen muss. Dass noch einige letzten Reparaturen durchzuführen sind, schlägt dagegen eher marginal zu Buche. Nach einiger Überlegung beschließen wir, uns eine andere Unterkunft zu suchen. Auf gut Glück fahren wir durch den Ort und finden schließlich am östlichen Ortsausgang mit der "Villa Xenia" ein Haus am Hang mit Blick aufs Meer, mehreren Wohnungen und großzügigen Terrassen. Zwar hat auch hier die Saison noch nicht begonnen, aber die Besitzerin zeigt sich flexibel und richtet eine Wohnung im ersten Stock binnen einer Stunde her, während wir die letzte Stunde am Ostersamstag nutzen, um im einzigen geöffneten Supermarkt für das Frühstück einzukaufen. Nach dem Einzug in unser Ausweichquartier finden wir sogar noch eine Taverne am Hafen, die noch geöffnet hat und die unsere "last orders" gegen 21 Uhr entgegennimmt. Um halb zehn sind wir bereits die letzten Gäste in dem Lokal, und die Vorfreude des Personals auf den Ostersonntag korreliert deutlich mit dem Wunsch, das Lokal zu schließen. Nach einem letzten Raki brechen wir auf und beenden damit einen erlebnisreichen und anstrengenden Reisetag. Morgen werden wir uns Kretas Osten zu Gemüte führen. Frank Raudszus |
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