Reisen Dörfliche Idylle und alte Klöster

                                                       
April 2010
Erkundung der Umgebung von Rethymno – Maroulás und Arkadi

 
Die Stationen der Reise:

Rethymno
Maroulás und Arkadi
Argiropoulis und Moni Préveli
Miliá
Elafonisi
Chania
Akrotiri
Makrigialos
Kato Zákros
Dasaki-Schlucht
Elounda
Rosá-Schlucht










































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Der erste Urlaubstag auf Kreta begrüßt uns mit blauem Himmel und einer ins Zimmer scheinenden Morgensonne. So hält es uns nach dem Frühstück nicht länger im Hotel, denn wir wollen uns die Umgebung von Rethymno anschauen. Der ausführliche Reiseführer schlägt eine Reise von Ausflügen vor, von denen wir gleich drei zu einem Vormittagsprogramm zusammenfassen.

Die kleine Kirche von MaroulásDie kleine Kirche von Maroulás

Zuerst geht es einige Kilometer zurück nach Osten, dann biegen wir ab nach Süden in das hügelige Hochland Richtung Arkadi, wo wir das gleichnamige Kloster besichtigen wollen. Doch auf der Strecke dorthin nehmen wir noch eine besondere Empfehlung des Reiseführers mit: das kleine Dorf Maroulás. Der Ort liegt am Hang, so dass viele Häuser hinunter zur Küste und aufs Meer schauen. Eine touristische Infrastruktur hat sich hier – im Gegensatz zu Rethymno – noch nicht entwickelt. Die Häuser drängen sich in engen, verwinkelten Gassen aneinander, eine schön restaurierte Kirche und eine kleiner Platz bilden das Ortszentrum. Weiter oben kann man die Reste von Befestigungen erkennen, die teilweise verfallen sind, teilweise aber auch zu Wohnzwecken genutzt werden. Überall sind Handwerker damit beschäftigt, Fassaden zu renovieren oder alte Ruinen mit malerischen Rundbögen oder repräsentativen Portalen wieder in einen bewohnbaren Zustand zu versetzen. Die attraktive Lage am Hang und die Endlage, die keinen Durchgangsverkehr zulässt, haben den Ort zur ersten Wahl für Ferienwohnungen vermögender Griechen und Ausländer gemacht. Beim Erkunden der engen Gassen entdecken wir sogar zwei deutliche Hinweise auf deutsche Bewohner.

Die Kirche des Klosters Arkadi
Die Kirche des Klosters Arkadi

Nach der ausgiebigen Erkundung dieses kleinen Geheimtips setzen wir unsere Fahrt durch das Hinterland von Rethymno fort und winden uns die unzähligen Kurven auf das Hochplateau von Arkadi hoch. Dort steht einsam die weitläufige Anlage des ehemaligen Klosters, das 1866 Ort einer schrecklichen Tragödie wurde. Als sich die knapp tausend aufständischen Griechen, die sich in die Pulverkammer des Klosters zurückgezogen hatten, nicht mehr der Übermacht der anrückenden Türken erwehren konnten, sprengten sie die anlage, sich selbst und einen großen Teil der Angreifer in die Luft. Noch heute kann man das Gewölbe der Pulverkammer mit dem fehlenden Dach besichtigen und sich schaudernd fragen, wie hier tausend Menschen haben Platz finden können und was von ihnen nach der Sprengung übrig blieb.

Das Kloster wird derzeit renoviert, und aus den ehemaligen Klosterzellen werden offensichtlich moderne Gästezimmer. Ob daraus einmal ein Hotel wird oder ein Gästehaus, steht wohl noch dahin. Auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass die Renovierungsarbeiten in wenigen Jahren fertiggestellt sein werden und damit neues Leben in die alten Klostermauern einziehen wird.

Unsere Fahrt führt uns weiter nach Archéa Eléftherna, einem kleinen Ort hoch auf einer Hügelkette, in deren unmittelbarer Nähe man eine alte römisch-griechische Siedlung samt Akropolis und Thermen ausgegraben hat. Die Ausgrabungsstätte ist an diesem Samstag jedoch leider geschlossen, so dass wir, „plane spottern“ gleich, nur einen Blick durch den Maschendrahtzaun auf die Ausgrabungen werfen können.

Da sich der Mittagshunger meldet, beenden wir die Rundfahrt und folgen nun den langen Serpentinen der Straße abwärts bis zur Autobahn, die uns wieder nach Rethymno führt. Dort genießen wir die warme Mittagssonne am alten Hafen in einem kleinen Fischrestaurant und lassen uns den Fang des Tages servieren. Der obligatorische Weißwein dazu hat dabei zur Folge, dass der Rest des Tages bei eher kontemplativen Tätigkeiten vergeht.

Doch abends sind die Lebensgeister wieder erwacht, und wir unternehmen noch einen längeren Stadtbummel die Arkadiou „rauf und runter“. Das ist die Hauptgeschäftsstraße parallel zur Uferpromenade, und wir hoffen auf abendliches Leben und Trubel. Entgegen unseren Erwartungen sind die meisten Geschäfte aber bereits seit dem Nachmittag geschlossen. Der Samstag ist außerhalb der Hochsaison offensichtlich Ruhetag. Sofort verliert die Straße, die  am Vorabend noch vor Menschen wimmelte, an Leben und wirkt nur langweilig. In einem der wenigen geöffneten Läden erwerben wir ein paar Postkarten und werden sofort von einem Herrn auf Deutsch angesprochen. Es stellt sich schnell heraus, dass er in Heidelberg Physik studiert und promoviert hat und nach langem Aufenthalt in Deutschland schließlich in seine kretische Heimat zurückgekehrt ist, um an der Universität von Rethymno zu lehren. Das alles erzählt er uns in gestochenem Deutsch, und man merkt ihm die Freude an, wieder einmal länger und zusammenhängend mit Deutschen reden zu können. So haben wir innerhalb von knapp 24 Stunden bereits zwei „Deutsch-Griechen“ getroffen, die ihre Verbundenheit mit ihrer langjährigen Wahlheimat nicht verhehlen. Keine Spur von Antipathie wegen der Finanzkrise und Deutschlands Skepsis!

Wir beschließen den Abend in einer Lounge an der Promenade, wo „man“ sich trifft, um Kontakte zu knüpfen. Auch hier haben wir das seltene Glück, einen soeben frei gewordenen Platz zu ergattern, und genießen den Trubel des Samstagsabend entspannt bei einem guten Getränk.

Morgen werden wir uns nach Westen und Süden wenden.

Frank Raudszus
 

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