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Kulinarik und Koloraturen |
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"Mozart-Dinner" im Stiftskeller von St. Peter
im Salzburger Dom |
Natürlich kann man in Salzburg von Konzert zu Konzert eilen und immer wieder musikalische Neuigkeiten entdecken. Doch dabei besteht die Gefahr, dass die Musik eine Veranstaltung für Eingeweihte bleibt und vor ewig gleichem Publikum spielt. Um neue Publikumsschichten zu erschließen, haben die Kulturverantwortlichen die "Mozart-Dinners" ersonnen. Musikalische Puristen mögen hier die Nase rümpfen, da hier unerlaubterweise so Weltliches wie das Essen mit so Geistigem wie der Musik vermengt wird. Doch Mozart selbst in seiner unverfälschten Lebensfreude, die oft alle gesellschaftlichen Konventionen sprengte, kann hierfür guten Gewissens als "Schirmherr" herhalten, wäre er doch sicherlich sehr gerne zu solchen Veranstaltungen gegangen, die dann vielleicht "Haydn-Diners" geheißen hätten. Überhaupt war zu Mozarts Zeiten die Verbindung von Essen und Musikgenuss durchaus die übliche Art der höfischen Unterhaltung. Die Salzburger "Mozart-Dinners" finden im Stiftskeller von
St. Peter auf dem Gelände des Salzburger Doms unterhalb der
Festung statt. Die Ortsangabe "Stiftskeller" führt insofern in die
Irre, als das Konzert im ehemaligen Refektorium im ersten Stock(!)
stattfindet, einem liebevoll im Stil des 18.
Jahrhunderts restaurierten Saal. Von kulinarischer Seite steht ein
Dreigang-Menü auf
dem Programm, dessen Qualität dem Anlass und der gebotenen Musik
entspricht. Doch im Mittelpunkt steht natürlich die Musik.
Zwischen den einzelnen Gängen tragen die Sopranistin Regine
Isabella Sturm aus Deutschland und der Bariton Fernando Araujo aus
Brasilien Arien und Duette aus Mozart-Opern vor. Die
Orchesterbegleitung dazu kommt von einem kleinen Kammerorchester in
historischen Kostümen, das jedoch durchaus zu sinfonischen
Klängen fähig ist. Die Solisten legen dabei großen Wert
auf die
darstellerische Gestaltung ihrer Auftritte und beschränken sich
nicht auf einen "Rampenvortrag". Da kann es schon einmal passieren,
dass sich "Gon Giovanni" die Weinflasche von einem Tisch in der ersten
Reihe nimmt und sie begutachtet oder dass Susanna mit den Herren an den
vorderen Tischen flirtet. Die Szenen werden ausgepielt, so dass auch
Zuhörer ohne Handlungs- oder italienische Sprachkenntnisse in etwa
den Sinn der jeweiligen Szene verstehen.Den Auftakt des Abends bildet der "Don Giovanni" mit den Arien "Notte, giorno" und "Madamina, il cataloga..." (Registerarie!) des Leporello, Don Giovannis "Ständchen" vor dem Fenster der Zofe und - natürlich! - das berühmte Duett "Là ci darem la mano.." ("Reich mir die Hand, mein Leben"). Nach der Vorspeise folgt dann "Die Hochzeit des Figaro" mit der Ouvertüre sowie verschiedenen Arien und Duetten des Figaro, des Cherubino und der Susanna, darunter natürlich "will der Graf ein Tänzchen wagen...". Die beiden Solisten präsentierten diese Gesangsstücke mit soviel Witz und Verve, dass die Zuschauer buchstäblich an ihren Lippen hingen. Eine etwa fünfzigköpfige Gruppe junger Amerikaner, die man nicht unbedingt von vornherein als Mozart-Liebhaber einstufen konnte, zeigte sich von dieser Musik derart gebannt, dass man von dem einen oder der anderen eine weitere Hinwendung zur klassischen Musik erwarten kann. Nach dem Hauptgang schloss dann das musikalische Programm mit der kleinen Nachtmusik und einigen Szenen aus der "Zauberflöte". Dem leichten Charakter des Desserts entsprechend präsentierte das Solistenpaar ausschließlich Arien und Duette von Papageno und Papagena, die sich weitgehend selbst erklärten und viel Heiterkeit im Publikum weckten. Das "Mozart-Dinner" ersetzt mit Sicherheit keine Operninszenierung, aber es führt auf leichte Art ein erweitertes Publikum an Mozarts Musik heran, Zuschauer, die sonst vielleicht aus Schwellenangst oder einem Vorurteil keinen Schritt in ein Opernhaus setzen würden. Doch auch Musik- und Mozartkenner kommen hier auf ihre Kosten, wenn sie sich den rechten, das heißt humorvollen Zugang zur Musik bewahrt haben. Weitere Informationen findet man unter: www.mozartdinnerconcert.com Frank Raudszus |
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