Auf verschwiegenen Kanälen durch mecklenburg

Mit dem Hausboot durch die Wasserstraßen der Mecklenburger Seenplatte.
   

Eine ausgedehnte Seenlandschaft durchzieht das Mecklenburger Land von Schwerin bis Fürstenberg. Üppige Wälder in einzigartiger Vielfalt wechseln ab mit Seen, Kanälen, Kornfeldern, Weiden, versprengten Dörfern und kleinen Ortschaften. Kommt man aus den westdeutschen Ballungsgebieten hierher, glaubt man sich in eine andere Welt versetzt, in der nur Natur das Dasein bestimmt. Hier möchte man Fischer sein, den Tag verträumen, mit den Schwänen um die Wette schwimmen, im Schilf liegen und den ziehenden Wolken nachschauen.
Eine Fahrt mit dem Hausboot ermöglicht all dies. Sanft gleitet es durch die von Schwarzerlen, Weiden und Pappeln umsäumten Kanäle. Schilfgürtel durchsetzt mit Farnen werden von weiß und gelb blühenden See- und Teichrosenfelder abgelöst. Blesshuhnjunge eilen piepsend der Mutter hinterher, Haubentaucher werfen noch einen kecken Blick, bevor sie im Wasser verschwinden. Dann gibt der Kanal wieder den Blick frei auf die stille Weite eines Sees. Silbrig glitzernde Wellen treiben stetig am Boot vorbei. Nur der vereinzelte Schrei einer Lachmöwe zerreißt die Stille. Ein riesiger zartblauer Himmel mit zerrupften Wattebäuschen schwebt leicht über uns.

 

Stille Kanäle.....

Etwa 100 km nördlich von Berlin liegt Fürstenberg, das "Tor zur Mecklenburger Seenplatte". Drei Seen rahmen den Ort ein. Das Hotel "Haus an der Havel" liegt direkt an der Havel. Es bietet sechs Doppelzimmer, eine Suite, jeweils mit Dusche, WC und TV. Die Küche probiert noch etwas abenteuerliche Salatvariationen aus wie "Salat Zar Alexander" mit Kaviar, Krautsalat, Paprika, Ei und Tomaten. Doch entschädigt die einmalige Lage des Hauses den Gast für diese kleinen kulinarischen Ungereimtheiten.
Der sportliche Wasserwanderer findet ab Fürstenberg ideale Startbedingungen. Kanu und Ausrüstung können direkt ab Hotel gemietet werden, und mit dem hoteleigenen Motorboot bieten die Inhaber auch ganztägige Touren, ideal für größere Familienfeiern oder Tagungen in kleinem Kreis.

 

 

An der Schleuse...

Rheinsberg am Grienericksee ist durch sein Schloss bekannt, in dem Friedrich der Große vier Jahre als junger Mann lebte. Hier liegt es nahe, dass sich auch die ortsansässige Gastronomie auf den großen Namen bezieht. So heißen die Betriebe "Gast- und Logierhaus zum Jungen Fritz" oder "Zum Alten Fritz" oder gemäß der geschichtsträchtigen Lage "Deutsches Haus". Besonderer Erwähnung bedarf der "Ratskeller", denn es ist der ehemals "Prinzliche Keller", den Friedrich 1744 seinem Kammerdiener Fredersdorf schenkte. Der Ratskeller hat sich auf die preußisch-brandenburgische Küche spezialisiert. So findet man auf der Karte beispielsweise "Barschfilet, wie es Königin Louise gerne aß", in Butter gebraten mit dunkler Kapernsoße, oder Altpreußischen Speckhecht mit zerlassener Butter. Theodor Fontane weilte ebenfalls gerne in Rheinsberg, und so gibt es natürlich auch sein Leibgericht zu verkosten: Alt-Brandenburgischer Schmorbraten in Ingwersoße mit Kartoffelklößen. Auch Kurt Tucholsky hat viel Zeit in Rheinsberg verbracht und das Schloss in den Mittelpunkt zweier Bücher gerückt. Dafür haben ihm die Einwohner verschiedene kleinere Denkmäler gesetzt. Zum Ratskeller gehörte damals auch ein Brauhaus. Das hier gebraute Fredersdorfer Bier war noch Mitte des vorigen Jahrhunderts im Kreise berühmt.

 

Schloß Rheinsberg....

Mit seinen vielen malerischen Buchten ist der Plauer See ein lohnendes Ziel für Hausbootfahrer. Fahrradtouristen bietet Plau einen 56 km langen Weg rund um den See. Selbst bei großer Hitze ist der Weg angenehm zu fahren, da er immer durch den Schatten spendenden Wald führt. Gelegenheiten zum Baden finden sich reichlich. Gastronomisch gesehen braucht am Plauer See niemand zu hungern oder zu dursten. Hotels, Restaurants, Imbissbuden sorgen für das leibliche Wohl. Als Geheimtipp gilt die Fischerei und Räucherei "Alt Schwerin" im nordöstlichen Zipfel des Sees. Forellen, Lachsforellen, Aal, Hecht, Zander und Barsch gibt es täglich frisch geräuchert auf feinwürzigem Buchenspan. In der kleinen Fischerstube erwarten den Gast leckere Fischgerichte nach Mecklenburger Art wie bei Muttern - dazu das herbe Lübzer Pils und sogar eine recht ordentliche Auswahl an deutschen Weißweinen. Übrigens, bei den Speisen sollte man sich nicht an Kartoffeln und Soße satt essen, sondern an den üppigen Fischportionen.


 

Röbel an der Müritz....

Während das Hausboot langsam durch den Kanal gleitet, zischeln Birken und wispern Pappeln leise, während das Schilf behäbig im Wind schwankt. Das Wasser kräuselt sich, die Sonne versilbert die Wellen, und mächtige Bäume werfen dunkle Schatten. Von den Ufern segeln türkisfarbene Libellen heran, Grillen zirpen, Schmetterlinge torkeln trunken durch unberührte Natur, morsches Holz treibt träge vorbei.

Ausgangspunkt für eine solche Tour durch die Mecklenburger Seenplatte bildet zum Beispiel der malerische Ort Waren am Nordostende der Müritz, des größten deutschen Binnensees. Hier hat die Charteragentur "Kühnle-Tours" in bemerkenswert kurzer Zeit nach der Öffnung der Grenzen eine stattliche Charterflotte geräumiger und stabiler Hausboote sowie ein Netz aus mehreren Servicestationen aufgebaut, die dem Hausbootfahrer das Leben auf dem Wasser einfach und angenehm gestalten.