Mit dem Segelboot rund Fünen 

Die Entdeckung der "dänischen Südsee"
 


Wie lautet die Definition des Hochsee-Segelns? "Unter einer kalten Dusche Tausendmark-Scheine zerreißen"! So Mancher wird diesen Spruch bei Nacht, Kälte und Wind fluchend vor sich hin gemurmelt haben, aber es kann auch anders sein. Auch in unseren Breiten kann man sonnige und zugleich windreiche Segeltörns erleben. Von einer solchen Törn um die dänische Insel Fünen herum im August 1996 wollen wir berichten. 

Erster Tag 

Seekarte der westlichen Ostsee 
 
In Burgtiefe auf Fehmarn liegt unser Boot, eine Bavaria 38 "Lagoon", knapp 12 Meter lang und perfekt ausgerüstet mit Echolot, Sprechfunk und sogar dem Satelliten-Navigationssystem GPS. Letzteres braucht man jedoch in der Ostsee selten. 

Bei frischen OSO geht es mit achterlichem Wind unter der Sundbrücke hindurch, wobei wir zum ersten Mal kritisch die Masthöhe mit der Durchfahrtshöhe vergleichen. Aber die Karte straft den optischen Eindruck Lügen, denn mit 30 Metern bietet die Brücke wirklich genug Platz auch für größere Schiffe. Unser Ziel ist Marstal auf der Insel Ärö. Der Wind frischt weiter auf bis zu 6 Beaufort, aber vor dem Wind merkt man es nicht so, außer wenn das Boot vor der See zu schlingern und zu gieren beginnt. Rudergehen ist dann nicht ganz einfach. Dank dem guten Wind laufen wir nach sechs Stunden in Marstal ein, das uns bei trübem, regnerischem und windigen Wetter empfängt. An der Gästepier ist allerdings nur noch ein Außenplatz frei, auf den voll der Wind steht. Mit dem auflandigen Wind schräg von achtern müssen wir die Box nehmen, ohne noch eine Leine auf den äußeren Luv-Dalben ausbringen zu können, so daß wir auf Pier und inneren Nachbarn gedrückt werden. Also heißt es, die Achterleine mit dem Schlauchboot zum Dalben zu bringen. Dies versucht der Skipper wegen des Zeitdrucks ohne Außenborder allein zu bewerkstelligen, es stellt sich jedoch als wesentlich schwerer heraus als gedacht. Allein im Schlauchboot muß er mit einem Paddel gegen sechs Windstärken ankämpfen und gleichzeitig die Achterleine festhalten. Um freie Hände zu haben, bindet er sich die Leine um den linken Knöchel. Nur zentimeterweise nähert er sich dem nur zehn Meter entfernten Dalben, und die kleinste Verschnaufpause kostet ihn gleich einen halben Meter. Die Pier und die Boote ringsum haben sich mittlerweile mit Zuschauern gefüllt, die dem Treiben mit Aufmunterungsrufen, guten Ratschlägen und schadenfrohem Lachen folgen. Vor diesem Publikum will er sich nicht blamieren und erreicht unter Aufbietung aller Kräfte schließlich den Dalben, krallt sich an ihm fest und schafft es sogar, die Achterleine herumzulegen. Der Lohn besteht aus lautem Beifall von der Pier. Der Rest ist einfach, und pitschenaß kehrt er zum Schiff zurück. 


 

Unser Boot.... 

 
Zu allem Unglück klemmt sich anschließend noch eine größere Yacht außen neben uns, und deren Skipper meint, eine nun direkt achteraus laufende Achterleine zum selben Dalben reiche aus, um den seitlichen Winddruck aufzufangen. Wir können ihm jedoch klarmachen, daß es sinnvoll und notwendig ist, seitlich nach Luv den Heckanker auszubringen, um nicht auf uns gedrückt zu werden. Nun endlich können wir uns dem wohlverdienten Abendessen an Bord widmen, das einen erlebnisreichen ersten Segeltag krönt. 

 
 
 
 


Zweiter Tag 

Nachts hat es geregnet, jedoch entgegen einigen Gerüchten glücklicherweise nicht gewittert. Nach einem "bootsgemachten" Frühstück laufen wir gegen 10.30 Uhr aus. Das Ablegen gestaltet sich etwas trickreich, da unser äußerer Nachbar noch liegen bleibt und wir rückwärts durch die enge "Boxengasse" gegen den Wind rausdrehen müssen. Vorher legen wir noch per Schlauchboot die Achterleine "rundlaufend" um den Luv-Dalben, um uns beim Achterausholen schnell vom Dalben lösen zu können. Es klappt alles wie geplant, und erleichtert gleiten wir aus dem Hafen. 

Der südliche Teil.... 
 

Kurz darauf befinden wir uns in der "Pappelallee" nach Svendborg, die wir aber dank günstigem Ostwind durchsegeln können. Hier heißt es höllisch aufpassen, da es dicht neben dem schmalen, ausgebaggerten Fahrwasser gleich sehr flach wird. Vor Jahren sahen wir hier knapp fünfzig Meter neben dem Fahrwasser ein Boot "hoch und trocken" sitzen. 

Gegen Mittag hat der Wind auf 6-7 aufgebrist; wir müssen auf dem NO-Teil am Ende des Fahrwassers die Genua wegnehmen und den Motor einsetzen, da man hier wirklich nicht kreuzen kann. Zum Mittagessen wollen wir in den kleinen Hafen von Ballen westlich von Svendborg einlaufen, weil die See doch recht lebhaft geworden ist. Leider schlägt der Versuch fehl, da das Echolot unmittelbar vor der Hafeneinfahrt nur noch 1,4 Meter Wassertiefe meldet, und das ist doch etwas zu wenig. So verziehen uns so dicht wie möglich unter das Ufer und werfen dort den Anker. Eine Erkundung des Hafens mit dem Schlauchboot bestätigt, daß er zum Anlegen für unser Boot viel zu eng gewesen wäre. Also war die Entscheidung richtig. 

 

Anschließend geht es mit "Brassfahrt" platt vor dem Laken nach Westen Richtung Faborg. Wind von achtern und Sonne von vorn - Seglerherz was willst Du mehr? Die letzten Haken durch das enge Fahrwasser vor Faborg verlangen noch einmal einige Konzentration am Ruder, da der Wind unvermindert mit 6-7 Windstärken bläst und wir hoch am Wind im Fahrwasser segeln müssen. Gegen fünf Uhr laufen wir in dem überfüllten Yachthafen von Faborg ein und gehen nach einigen "Ehrenrunden" im Hafen im zweiten Anlauf an einer deutschen Hallberg-Rassy-Yacht längsseits. Nach Aufklaren des Bootes geht es an Land. Bei einem längeren Spaziergang erkunden wir den Ort mit seinen liebevoll gepflegten Häuschen aus dem letzten Jahrhundert, in den die moderne Sparkasse am Markt im Stil der 70er Jahre überhaupt nicht paßt. Wir beschließen den Tag mit einem ausgiebigen Abendessen in einem gemütlichen aber teuren Hotelrestaurant. 

 

Dritter Tag 

Die Nacht war ruhig, der Wind hat jedoch kaum nachgelassen. Ein längerer Spaziergang in die Stadt endet mit der "Beute" von zehn frischen Brötchen, die nach den aufgebackenen Aldi-Brötchen der letzten Tage trefflich munden. Wir legen bald danach ab und stellen uns wieder dem Wind, der immer noch kräftig aus Ost bläst. 

"Puppenstuben" in Faborg...

Das macht jedoch nichts, da es uns nach Nordwesten den Kleinen Belt hinauf zieht. Außerdem lautet die Vorhersage auf Abflauen. Das läßt allerdings bis zum späten Nachmittag auf sich warten. Unser Ziel ist Arö(gesprochen "Orö" und nicht zu verwechseln mit "Ärö"), eine kleine Insel an der Westseite des Belts mit einem ebenso kleinen Hafen. Raumschots "geigen" wir über den Kleinen Belt, hinter einer Huk an der Westküste von Fünen gehen wir zur Mittagspause vor Anker, laufen aber bald weiter, da es bei diesem Wind doch zu ungemütlich zum (Sonnen-)Baden ist. Kurz vor Arö flaut es dann endlich auf etwa 4 Windstärken ab, so daß wir in dem engen Hafenbecken mit zwei schmalen Fahrrinnen nicht zu sehr mit dem Wind zu kämpfen haben. Der erste Versuch, eine Box in der hinteren Rinne zu finden, scheitert aufgrund der engen Fahrrinne und des engen Wendekreises. Mühsam fummeln wir uns rückwärts wieder heraus und versuchen es in der vorderen Rinne. Hier finden wir tatsächlich eine freie Box, die jedoch so schmal ist, daß wir nur nach Entfernen der Fender durch die eng stehenden Dalben passen. Aber sonst klappt der Anleger problemlos, die Crew ist mittlerweile gut eingespielt. 

Der Hafen enthält zwar nur Toiletten und einen Kiosk, das Dorf ist jedoch nur einen halben Kilometer entfernt. An einem Stand nahe der Pier kann man Fahrräder mieten, und wir nutzen diese Chance, um die Insel zu erkunden. Eine geteerte und kaum befahrene Straße - woher sollen hier auch Autos kommen? - verbindet das Dorf mit den einzelnen Gehöften. Allerdings haben wir die Insel nach einer halben Stunde abgeradelt und können uns der Vorbereitung der frischen Schollen widmen, die wir vorher noch im Ort bei einem Fischer erstanden hat. Den Fisch vertilgen wir dann mit bestem Appetit, den die Seeluft erst so richtig geweckt hat. 

Vierter Tag 

Heute früh breitet sich ein grauer Wolkenhimmel über einer bleiernen See aus. So schlafen wir erst einmal aus und frühstücken dann beim Morgenregen ausgiebig. Das Wetter verlockt nicht gerade zu einer zweiten Radtour, und so beschließen wir gegen halb elf, auszulaufen. Ziel ist Fredericia am Nordausgang des Kleinen Belts. 

Anfangs bläst noch ein mäßiger Wind aus West, der uns zur kleinen Insel Brandsö treibt. Dort legen wir eine Mittagspause vor Anker ein, und pünktlich zur Siesta bricht die Sonne durch die Wolken. Auf einmal herrscht richtiges Sommerwetter. Der Wind legt sich immer mehr, und schließlich liegt die See ganz glatt vor uns. 

Die Weiterfahrt muß wegen der Flaute leider unter Motor erfolgen. Als wir vor der Einfahrt in den engen Sund stehen, entscheiden wir kurzfristig, den Yachthafen im Süden von Middelfahrt anzulaufen, der von See aus ganz reizvoll aussieht und außerdem in greifbarer Nähe liegt. Fredericia ist noch gut eineinhalb Stunden entfernt, und niemand hat mehr "Bock"auf eine längere Fahrt unter Motor. 

Mit etwas Glück finden wir sogar noch einen freien Platz an der Gästepier und genießen einen schönen Abend bei Rotwein und Sonnenuntergang. 

Fünfter Tag 

Der Morgen beginnt ausnahmsweise mal mit Sonnenschein und wenig Wind. Nach einem Riesenfrühstück legen wir ab. Durch das enge Fahrwasser, schmale Buchten und unter Brücken hindurch geht es an Middelfahrt und Fredericia vorbei Richtung offene See. Wir steigern uns innerhalb von zwei Stunden so sehr in einen Fischhunger hinein, daß wir schließlich ein paar Fischer auf offener See "anhauen", ob sie uns ein paar Fische verkaufen können. Schließlich schenken sie uns fünf Schollen, woraus wir schließen, daß die Dänen nette Leute sind...! 

Um die Mittagszeit herum ankern wir vor einer unberührten Steilküste mit steinigem Strand, die Erde ist reiner Ton, und am Ufer ist verschiedenes Strandgut zu begutachten. Wenn es zu warm wird, kühlen wir uns in der Ostsee ab. 

Um halb vier fahren wir weiter, Richtung Juelsminde an der jütländischen Küste. Eine Brise kommt auf, und wir können sogar noch ein Stück segeln. Im Yachtfafen von Juelsminde sind noch zahlreiche Plätze frei, und somit erwischen wir dieses Mal auch eine günstiger gelegene Box als sonst, ruhig gelegen und nahe an den Hafengebäuden. 

Das Abendessen besteht aus vier Gängen: Zuerst ein Salat, dann die Schollen mit Pellkartoffeln, im Anschluß daran Brot mit Käse und als Dessert Melone. Wir leben wie die Könige! Der Abend klingt ruhig aus. 


Sechster Tag 

Unser nächstes Ziel heißt Samsö. Nach einem grauen und kühlen Morgen bricht um zehn Uhr die Sonne durch. Wir erledigen jedoch noch einige Besorgungen im Ort, und kurz vor elf Uhr laufen wir schließlich aus. Leider läßt uns der Wind im Stich und bläst mit seiner letzten Kraft auch genau von vorn, so daß wir große Teile der Strecke unter Motor laufen müssen. Daher ist die Überfahrt nach Samsö seglerisch eher langweilig, wenn auch sonnenreich. 


...und der nördliche Teil.

Kurz nach drei laufen wir bereits in Kolby Kas an der Westseite von Samsö ein, einem unansehnlichen Fährhafen, der jedoch günstig liegt, und steuern das Boot sicher in eine freie Box am Seglersteg. Gut, daß wir so früh angekommen sind, denn nach uns müssen größere Boote längsseits an die Außenmole gehen. 

Als wir am Hafenkiosk einen Fahrradverleih entdecken, entscheiden wir uns kurzfristig für eine Radtour über Samsö. Die geteerten Straßen sind kaum befahren und sind am Anfang sozusagen breitere Fahrradwege. Erst zur Inselmitte hin nimmt der Autoverkehr zu. 

In der "Hauptstadt" Tranebjerg halten wir kurz, dann geht es über separate Fahrradwege nach Norwesten zum Weststrand der Insel, der stark an Hiddensee erinnert: schmaler Sandstrand und flaches Wasser, niedrige Dünen und dahinter Kiefernwald. Ein ausgiebiges Bad in der erstaunlich warmen Ostsee erfrischt uns, und anschließend kehren wir in einem großen Bogen über die Ostküste zu unserem häßlichen Fischerei- und Fährhafen zurück. Nach dreieinhalb Stunden geben wir die Räder wieder ab und genehmigen wir uns ein ausgiebiges Abendessen. 

Siebenter Tag 

Heute steht uns ein längerer Schlag bevor. Nyborg ist unser Ziel, ein größerer Fähr- und Handelshafen, aber es gibt auf der Strecke nach Süden keine Alternative. Zwar ist das Wetter wiederum herrlich, aber leider auf Kosten des Windes, der schwach ausgerechnet aus Südost bläst. Weite Strecken müssen wir unter Motor laufen, um überhaupt voranzukommen. Trotzdem legen wir zwei Vesper- und Badepausen ein. Ein spannender Moment steht uns bevor, als wir unter der neuen Belt-Brücke durchsegeln wollen. Obwohl unser Vordermann - etwa gleich groß wir wir - gut und sicher passiert, glauben wir im letzten Moment, nicht durchzukommen, und gehen voll mit der Maschine zurück. Dann kommen wir aber doch mit gut 1,5 Metern "Luft" durch. Man verschätzt sich total, wenn man von unten hochschaut. Anschließend drehen wir nach Steuerbord in den Hafen von Nyborg an. Ausnahmsweise ist es einmal kein Problem, einen Platz zu finden. 

Achter Tag 

Heute geht es weiter nach Süden, Svendborg lautet unser Ziel. Das Wetter ist unverändert schön, und ein Wind aus SO mit Stärke 4 schiebt uns den Sund zwischen Langeland und Fünen hinunter. Leider flaut der Wind im Laufe des Nachmittags ab, so daß wir wieder den Motor anwerfen müssen, um unser Ziel noch rechtzeitig zu erreichen. Im engen Svendborg Sund läuft ein riesiger Katamaran vor uns, der bestimmt 15-17 Meter lang sein dürfte. Trotz der Abendflaute ist er unter Segeln genauso schnell wie wir mit Motor. 

Vor dem Einlaufen stärken wir uns noch mit Kaffee und dänischem Butterkuchen. Da der Yachthafen weit abseits liegt, entscheiden wir uns für den Handelshafen und legen an der Pier an. Direkt vor uns liegt ein Boot des "British Yachtclub Kiel". Der Skipper und seine Mannschaft sind Engländer und helfen uns beim Anlegemanöver. 

Gegen sieben Uhr machen wir uns auf in die Innenstadt, um nach einem Lokal Ausschau zu halten. Die Innenstadt ist typisch dänisch. Kleine, schmale Häuschen in allen Farben säumen dichtgedrängt die Straße. Schließlich landen wir ausgerechnet in einem marokkanischen Restaurant, das "CASABLANCA" heißt. Dort speisen wir vorzüglich - Couscous mit Gemüse, Lammfleisch und Feigen in Honig-Safransosse oder Pfannkuchen mit Eis. 

Neunter Tag 

Weiter gehte es nach Süden, das Ende des Törns naht. Von Svendborg geht es die enge Baggerrinne nach Ärö hinunter. Einmal geraten wir seitlich aus dem Fahrwasser, weil unser Rudergänger die nächste Fahrwassertonne nicht sieht, und laufen fast auf Grund. Kurz vor Marstal wollen wir dann abkürzen und den anderen Booten nach Marstal folgen, sind aber sofort im flachen Wasser. Vor Schreck legen wir sofort eine Ankerpause ein. 

Gegen drei verlassen wir das Fahrwasser vor Marstal Richtung Südosten. Unser Ziel heißt Bagenkop an der Südspitze von Langeland. Der Wind zwingt uns zwar zu kreuzen, das Wetter ist jedoch so herrlich, daß uns das nicht wehtut. Mit 4-5 Knoten rauschen wir hoch am Wind durch die Ostsee und genießen die Nachmittagssonne. Am Schluß werden wir des Kreuzens doch überdrüssig, zumal der Wind auch noch zugelegt hat und alle kräftig durchpustet. So gehen wir die letzten 1,5 Meilen unter Motor direkt auf den Hafen zu und laufen gegen halb sechs in Bagenkop ein, wo wir auch noch eine freie Box im Yachthafen finden. Da der Hafen keine aufregende Alternativen bietet, gehen wir früh schlafen. 

Zehnter Tag 

Eigentlich wollten wir ja Kiel anlaufen, aber dann müßten wir am letzten Tag gegen den Nordostwind über 30 Meilen nach Osten laufen. Da wir uns das nicht antun möchten, beschließen wir, nach Heiligenhafen zu laufen. Das Wetter ist unverändert schön, ein frischer Ostwind zwingt uns, hoch am Wind zu laufen, um unser Ziel anliegen zu können. Trotz dem herrlichen Sonnenschein kühlt der frische Wind den Rudergänger auf die Dauer so aus, daß man einen Pullover benötigt. Das ist halt die Ostsee! Gegen Mittag überqueren wir den Dampfertreck, die Luft ist jedoch so diesig, daß man nur nahe passierende Schiffe sieht. Eine Mittagspause entfällt wegen fehlender Ankermöglichkeit, so nehmen wir während der Fahrt eine kleine Vesper zu uns. Am frühen Nachmittag klart die Luft etwas auf, und der Wind legt noch zu. Fehmarn und die Küste von Wagrien schälen sich aus dem Dunst. 

Vor dem Einlaufen möchten wir unter der Küste noch eine Ankerpause mit Angeln und Baden einlegen. Während wir auf den Ankerplatz zulaufen, frischt der Wind jedoch derartig auf, daß nicht mehr an eine "gemütliche" Ankerpause zu denken ist. Wir luven daher an und laufen in den Fehmarnsund hinein. Da jedoch der Wind direkt aus Richtung der Hafeneinfahrt von Heiligenhafen weht, müßten wir mühsam aufkreuzen. Da dazu nach dem langen Segeltag niemand mehr so rechte Lust hat, werfen wir die Maschine an. Im Yachthafen von Heiligenhafen ist glücklicherweise noch soviel Platz, daß wir uns einen ruhigen Liegeplatz an einer hinteren Pier aussuchen können. 

Das Abendessen nehmen wir wieder an Bord ein, um die letzten Lebensmittel zu verbrauchen. Anschließend unternehmen wir noch einen gemeinsamen Spaziergang in den Ort, um den Tag mit einem Drink abzuschließen. 

Elfter Tag 

Heute ist unser letzter voller Tag an Bord. Da wir nur eine kurze Strecke bis Burgtiefe zurückzulegen haben, beschließen wir, am Vormittag eine Fahrradtour zu unternehmen. Entlang dem Ufer radeln wir anfangs auf der Straße, dann auf separaten Wegen Richtung Fehmarnsund-Brücke. Am Vorhafen geht es vorbei, durch kleine Dörfer und dann auf einem Fahrradweg entlang der Straße nach Großenbrode,.wo wir nach knapp eineinhalb Stunden eintreffen. Am bereits ziemlich leeren Strand finden wir ein hübsches Restaurant, wo wir die einzigen Gäste sind, und verzehren jeder ein Eis. Dann geht es dieselbe Strecke zurück nach Heiligenhafen. Die Radtour hat uns allen gutgetan, weil wir in den letzten 10 Tagen doch wenig Bewegung hatten. 

Beim Ablegen verklemmt sich das Auge der Vorleine zwischen zwei Planken der Pier. Da ein recht kräftiger Wind genau von vorn bläst, müssen wir mit Maschine voraus gehen, um die Leine zu lösen. Anschließend gelingt es nicht mehr, das Boot geradeaus achteraus aus der Box zu steuern, sondern der Wind treibt es schnell quer, und schließlich liegen wir "längsseits" an den rückwärtigen Dalben. Was tun? Da kommt uns der rettende Gedanke: Vorspring zum Dalben ausbringen und vorwärts in die Spring und um den Dalben herum eindampfen. Es klappt wie geplant. Erst zwei Tage vorher hatten wir uns über den Zweck der Spring unterhalten. 

Außerhalb des Vorhafens legen wir noch eine halbstündige Ankerpause zwecks Vesper ein, dann geht es ankerauf und unter Segeln auf das Fahrwasser zu. Der Wind weht wieder aus Ost mit 6-7 bei strahlend blauem Himmel. Im Fahrwasser nehmen wir die Segel weg und laufen unter Motor bis zur östlichen Ansteuerungstonne. Hinter der Brücke empfängt uns zunehmender Seegang, der sich bis zur Ansteuerung auf eine beachtliche Höhe gesteigert hat. Jetzt können wir jedoch wieder Segel setzen und "artgerecht" auf unseren Heimathafen zusegeln. Gegen halb sechs liegen wir am Molenkopf fest und beginnen unverzüglich, die Koffer zu packen und das Auto zu beladen. Anschließend gönnen wir uns zum Abschluß noch einen ausgiebigen Pizzeria-Besuch in Burg, bevor wir alle müde in die Koje fallen. 

Zwölfter Tag 

Heute heißt es Abschied nehmen von unserem Boot, an das wir uns mittlerweile gut gewöhnt haben. Aber erst einmal muß das Boot auf Vordermann gebracht werden. Um halb zehn ist das Boot "piko bello" sauber und klar zur Übergabe. Leider müssen wir noch bis fast halb zwölf warten, ehe die Überführungscrew eintrifft. Glücklicherweise erfolgt dann die Übergabe sehr schnell und unbürokratisch, so daß wir schon kurz nach halb zwölf im Auto sitzen. Ein gelungener Segelurlaub findet so schließlich sein Ende, und die Planungen für den nächsten Törn beginnen unverzüglich.