| Mit dem Fahrrad von Passau nach Wien |
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Die Strecke von Passau nach Wien entlang der Donau gilt als eine der schönsten Fahrrad-Touren in Europa. Wir wollten diese Behauptung auch außerhalb der Hauptsaison überprüfen und haben uns im Oktober aufs Rad geschwungen, um die Strecke in vier Tagen soweit wie möglich abzufahren.
Die Strecke Passau - Linz - Ybbs In Passau beginnt die Tour mit der Übernachtung im ruhigen und modernen "Tourist Hotel" in der Kapuzinerstraße am Südufer des Inns. Das Hotel hat sich auf Fahrrad-Touristen spezialisiert und bietet für Einweg-Fahrer Langzeit-Parkplätze im Freien oder in der Tiefgarage an. Buchungen sind auch über das Internet möglich. Radler starten gerne hier und nehmen in Wien oder vorher die Bahn zurück nach Passau, wo sie das Auto wieder in Empfang nehmen können. Außerdem bietet das Hotel einen Rundum-Service für das Fahrrad an, der auch vergeßlichen Radlern die Komplettierung ihrer Ausrüstung erlaubt. Bevor man in den Weg entlang der Donau einschwenkt, sollte man sich unbedingt Passau ansehen. Gerade im Oktober ist der Ort frei von Touristen, und man kann mit dem Fahrrad gemächlich auch durch die engsten Gassen radeln. Die Altstadt liegt auf der Halbinsel zwischen Inn ud Donau und besteht aus Altbauten im k.u.k.-Stil und Gäßchen, die großenteils das Passieren mit dem Auto - glücklicherweise - unmöglich machen. An der Schiffslände am Nordufer fährt man zur Brücke am östlichen Ende der Halbinsel entlang. Sie führt uns zum Nordufer der Donau, der wir nun nach Osten folgen. Zar kann man auch den Radweg am Südufer der Donau nehmen, am Anfang der Strecke gilt jedoch der Weg am Nordufer als der bessere. Außerdem liegt er im Sommer in de Sonne. Blick über die Donau hinter Passau Der Radweg ist durchweg asphaltiert, Schotter und befestigte Waldwege gibt es nicht. Auf leicht abschüssiger Strecke führt der Weg dicht an der Donau entlang und gibt immer wieder den Blick auf die teils hohen, teils zurückweichenden Hänge des Flußufers frei. An Erlau, Obernzell und dem Kloster Engelhartszell vorbei geht es zur österreichischen Grenze, die wir unbemerkt an einem verschämten Halb-Schlagbaum passieren. Weiter führt uns der Weg an Niederanna und an Schloß Marsbach vorbei bis zur Schögener Schlinge, einer Donauschleife von 180 Grad. Hier endet der Radweg auf dem Nordufer, und der Radler sollte daher an der Fähre nach links zum naheliegenden Gehöft abbiegen, wo die verdiente Jause bei der "Fährfrau" Pumberger winkt. Für wenige Schillinge gibt es in dem gemütlichen Gastraum Apfelwein und einen doppelten Obstler, der im nebligen Oktober doppelt gut tut. Müde Radler können hier für 210 Schillinge einschließlich Frühstück übernachten. Anschließend setzt uns der Sohn des Hauses mit der etwas eigenwillig anmutenden Radfähre für 25 öS pro Person(Kinder 15) auf die Südseite über, wo die Fahrt auf asphaltiertem Radweg weitergeht. Die Fahrradfähre bei Schlögen Nach einigen weiteren Donauschleifen passieren wir den Gasthof Kaiser mit Campingplatz und nähern uns der Staustufe bei Sommerberg. Die Donau verharrt hier breit und strömungslos vor dem Wehr wie ein stehendes Gewässer. Tote Donauarme bieten Wasservögeln Unterschlupf und Nistplätze, mittendrin locken immer wieder Rastplätze aus grobem Fels zum Verweilen im Feuchtbiotop, aber nicht im Oktober. Kurz hinter der Staustufe naht Aschach, das wir uns als erste Station auserkoren haben. Auf der Gegenseite winkt ein burgartiges, gelbes Hotel vom Hang herüber. Nach kurzer Inspektion der Aschacher Hotellerie überqueren wir die Donau und quartieren uns in eben diesem Hotel ein, dem "Faust-Schlößl". Ein weiter Blick über die Donau entschädigt für 100 Meter Bergaufschieben, ruhige gepflegte Zimmer und eine gute Küche mit herbstlichem Wildangebot lassen die etwas unterkühlten Lebensgeister wieder aufleben. Was tut man, wenn bereits am zweiten Tage der Radtour ein Knie vor Schmerz steif wird und außerdem ein "Schnürlregen" aus einem grauen Himmel fällt? Man frühstückt erst einmal ausgiebig, faulenzt etwas und liest. Dann sinnt man auf Abwechslung. Glücklicherweise ist das "Faust-Schlößl" auf Golf-Gäste spezialisiert, und so bietet sich nach dem Versiegen des Regens eine Golfstunde als Alternative an. Der Golfplatz liegt im etwa 6 km entfernten Feldkirchen und bietet neben Wochenend- und Wochenkursen auch "Schnupperstunden" mit Trainer an. Ganz Ehrgeizige können hier sogar in einer Woche ihr Handicap erwerben, wenn sie nicht zwei linke Hände haben. Wer möchte, kann aber auch allein auf die Driving-Range oder das Übungs-Grün gehen, um Abschläge und "Putten" zu üben. Die Abschlagsübungen wärmen im kühlen Oktober, auch wenn bisweilen die Fehlschläge für mentale Abkühlung sorgen. Das gemütliche hölzerneClubhaus hält jedoch heiße Schokolade oder geistigere Getränke bereit, die den durchgekühlten Golfer wieder aufmuntern. Die freundlichen Gastgeber vom "Faust-Schlößl" holen den autolosen und kniekranken Radler auch wieder vom Golfplatz ab. Der Lese- und Golftag und eine geruhsame Nacht haben dem gestreßten Knie soweit Erholung gegönnt, daß es am nächsten Tag mit frischer Kraft weiter die Donau hinabgehen kann. Morgens begrüßt uns ein blauer Himmel, die Sonne läßt die Häuser von Aschach am östlichen Donau-Ufer farbig aufleuchten. Allerdings ist es empfindlich kalt, so daß wir erst kurz vor zehn Uhr aufbrechen. Wir überqueren die Donau, weil der Weg am östlichen - später südlichen - Ufer dichter am Wasser entlangführt. Die hohen, dichtbewaldeten Uferhänge sind zurückgetreten, und eine weite Aulandschaft breitet sich beiderseits des Flusses aus. Kleine Nebenarme, teilweise künstlich angelegt, folgen dem Lauf der Donau, die hier - zwischen zwei Staustufen - eine große, ruhige Wasserfläche bildet. Kurz hinter der Staustufe Ottensheim-Wilhering heißt es dann übersetzen, da der Weg auf dieser Seite nicht weiterführt. An der Fähre bei Ottensheim Bei Ottensheim setzt uns die umweltfreundlichste Autofähre Österreichs über die Donau. Sie arbeitet vollständig ohne Maschinenkraft und nutzt nur die Strömung. Ein hoch über dem Fluß gespanntes Drahtseil hält die Fähre auf der Höhe zwischen den beiden Anlegestellen, und durch Schrägstellen der Fähre wird sie - wie ein Segelboot vom Wind - von der Strömung in die gewünschte Richtung gedrückt. Im kleinen Ottensheim müssen wir uns im Café am Marktplatz bei einer heißen Schokolade erst einmal aufwärmen, bevor es am Ostufer weitergeht nach Linz. Leider führt der Radweg bis Linz fast durchgehend an der stark befahrenen Bundesstraße entlang, die erst kurz vor der Stadt nach Norden schwenkt. Linz begrüßt uns schon von ferne mit seinen stattlichen Bauten am Fluß. Die Brücke führt direkt auf den weitläufigen Hauptplatz mit der große Pestsäule und den alten Prachtbauten aus dem Barock. Auch wenn man in Linz keine Übernachtung eingeplant hat, sollte man nicht auf den Abstecher in die Stadt verzichten. Von der dominierenden Industrie-Ansiedlung im Osten der Stadt sieht man im Zentrum glücklicherweise nichts. Weiter geht es am Nordufer der Donau im großen Bogen nach Süden. Weite baumbestandene Auwiesen beherrschen das Bild bis zum Pleschinger See, dann schwingt sich der Radweg auf den Damm und bietet dem Radler ein wenig mehr von der nachmittäglichen Oktobersonne. Rechter Hand ziehen die häßlichen Industrie-Anlagen (Chemie und Stahl) am anderen Flußufer vorbei. Glücklicherweise weht der Wind heute aus Osten und treibt die Abgase nicht herüber. In Steyregg, der kleinsten Stadt Österreichs, suchen wir vergebens nach einer Jausenstation und essen unser Brot schließlich an der Kaffe-Theke eines Supermarktes. Am Kraftwerk Abwinden wechseln wir dann die Flußseite, um nach Enns zu gelangen, der ältesten Stadt Österreichs. Kilometerweit windet sich der Radweg durch landwirtschaftliches Gelände mit beschaulichen Bauernhöfen, Obstgärten und und kleinen Bächen. Schließlich grüßt uns der Stadtturm von Enns, und die letzten Meter führen noch einmal hinauf auf den Berg, wo der eigentliche Ortskern liegt. Hier präsentiert sich uns ein alter Ort mit liebevoll restaurierten Häusern in allen Pastellfarben. Vor allem der Marktplatz mit dem Stadtturm und dem weiten, offenen Geviert ist ein Schmuckstück. Nur die parkenden Autos stören ein wenig, aber man kann nicht alles haben. Sternförmig führen kleine Gassen zum Rand des Ortes, von wo aus sich ringsum ein weiter Blick in die Landschaft öffnet. Auch in den Nebengassen hat man die alten Gebäude weitgehend restauriert oder ist dabei. Der Radwanderer sollte auf seiner Tour von Passau nach Wien Enns unbedingt als Übernachtungsstation einplanen, um den Ort in aller Ruhe erkunden zu können. Wer dieses Städtchen ausläßt, hat wirklich etwas verpaßt. Die Innenstadt von Enns Am nächsten Morgen geht es bei verhangenem Himmel weiter Richtung Osten. Da die Fähre nach Mauthausen nicht mehr verkehrt, überqueren wir die Enns und nähern uns der Donau durch eine mondähnliche Industrielandschaft von Südwesten. Östlich Mauthausen nehmen wir die Brücke über die Donau und biegen auf dem Nordufer in den Radweg ein. Für eine kurze Strecke begleitet uns die stark befahrene Bundesstraße, dann biegt sie nach Norden ab und läßt die Radfahrer wieder mit der Landschaft allein. Nach wenigen Kilonetern biegt der Radweg vom Ufer ab, um die hier einmündende ?? auf einer schmalen Brücke zu überqueren, kehrt dann jedoch sofort wieder zur Donau zurück. Kilometerlang geht es auf dem Deich direkt an der hochstehenden Donau entlang, dann schwingt sich der Radweg hinter den Deich in eine Au-Landschaft hinab. Am Donaukraftwek ?? kann man zwischen Süd-und Nordufer der Donau wählen. Wir folgen weiter dem Nordufer und kommen auf wenig befahrener Straße durch weite Felder und kleine Orte. Das Donautal öffnet sich hier weit und die bewaldete Hügellandschaft erhebt sich hinter einem breiten Tal. Irgendwann lockt uns das Schild "Radler-Bauernhof Moser" vom Radweg in eine warme Gaststube. Der Hof war noch bis vor zwei Jahren ein Vollerwerbshof mit viel Vieh. Heute bietet die Familie Moser 20 Betten und hausgemachte Kost für Radler an und ist von Mai bis Oktober ständig ausgebucht. Der Donau-Radweg hat in der Region in den letzten Jahren einen völlig neuen Tourismus-Zweig entstehen lassen. Ab Mittag bricht die Sonne durch die Wolken und begleitet und auf den letzten Kilometern zu unserem Ziel Grein. Von hier aus wollen wir mit dem Zug nach Passau zurückfahren. Zwar würden wir gerne noch ein oder zwei Stunden weiterfahren, aber bei Grein wechselt der Radweg auf die Südseite der Donau, und es gibt auf absehbare Zeit keine Möglichkeit, zu der Bahnstrecke am Nordufer überzusetzen. So genießen wir die letzten Kilometer vor Grein, wo die Donau sich plötzlich stark verengt - hier entstanden früher gefährliche Stromschnellen - und sich die Ufer zu steilen Felsenhängen ausbilden. Bald beginnt die vielbesungene Wachau, die wir beim nächsten Mal kennen lernen wollen. Ein Streifzug durch das hübsche Örtchen Grein und eine Besichtigung der Burg beschließen die Radtour an der Donau entlang, dann verladen wir die Räder in den Regionalzug und fahren über St. Valentin und Linz nach Passau zurück, wo wir im Tourist-Hotel die letzte Station der Reise einlegen. Um die Radtour entlang der Donau optimal vorzubereiten und während der Fahrt immer über Strecke, Umgebung und Sehenswürdigkeiten informiert zu sein, sollte man sich den "bikeline"-Radführer "Donau-Radweg, Teil 2", aus dem Verlag Esterbauer GmbH beschaffen. Anschrift: A-1200 Wien, Hartlgasse 41, Tel.: ++43/2983/28982-0, Fax: ++43/2983/28982-80, oder E-Mail |
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