| Bregenz im
Sommer |
| Berge, Wasser und viel Kultur in der österreichischen Provinz |
|
|
Das Städtchen Bregenz am Südostofer des Bodensees verfügt über eine nicht gerade sehr günstige Ausgangsposition für eine dominante Position in der Region. Als westlichste Stadt Österreichs vertritt es sein Land nur mit einem kleinen Uferstreifen zwischen den beiden übermächtigen Nachbarn Schweiz und Deutschland, die rings um den See mit einer Reihe von bekannten Orten aufwarten können. So würde sich niemand über eine Aschenputtel-Rolle dieses Ortes wundern.
Doch weit gefehlt: gerade die Österreicher haben diesen Ort durch vielfältige kulturelle und touristische Aktivitäten zur heimlichen Königin des Bodensees herausgeputzt. Die Tatsache, daß der Rhein nahe Bregenz in den Bodensee mündet, wirkt dabei wie das I-Tüpfelchen. Damit bietet Bregenz die unterschiedlichsten landschaftlichen Reize: eine langgezogene Uferpromenade, die einen herrlichen Blick nach Westen über den Bodensee und auf bisweilen blutrote Sonnenuntergänge freigibt, ein flaches Flußdelta mit ausgedehnten Rad- und Wanderwegen und auf der anderen Seite den wanderbaren Pfänder(1200 m), der sich per Bergbahn oder zu Fuß erschließen läßt. Landschaftliche Reize jedoch lassen sich rund um den Bodensee finden, sei es der Säntis in der Ostschweiz oberhalb von St. Gallen oder die deutsche Seite mit ihren weinseligen Fachwerk- Puppenstuben mit Seeblick und Schwarzwald im Rücken. Da mußten sich die Stadtväter schon mehr einfallen lassen, um im Konzert der Bodensee-Anrainer mitsingen zu können. Bregenz hat sich dieser Aufgabe gestellt und die "Bregenzer Festspiele" auf die Beine gestellt. Sechs Wochen lang, von Mitte Juli bis Ende August, bietet der Ort ein dichtes und anspruchsvolles Kulturprogramm, das weit über die üblichen sommerlichen Veranstaltungen typischer Badeorte hinausgeht. ![]() Im Mittelpunkt der Festspiele steht die Aufführung auf der Seebühne. Dafür wurde eine spezielle Kulisse für die jeweilige Inszenierung hergerichtet, 1997 und 1998 für George Gershwins Musikdrama - Oper oder Musical? - "Porgy and Bess". Nicht zuletzt wegen der aufwendigen Bühnenkonstruktion steht diese Inszenierung zwei Jahre lang auf dem Festspielprogramm, ehe sie im Jahre 1999 durch Verdis "Maskenball" abgelöst wird. Für "Porgy and Bess" wurde ein endzeitlicher Straßen- und Hafentorso aufgebaut. Der Rest eines Beton-"Freeways" - aus Holz täuschend echt nachgebildet -, an den Enden zerborsten und schief auf abgesackten Fundamenten stehend, dominiert die Kulisse. Auf und neben der Brücke türmen sich Autowracks, ein alter Hafenkran auf einer toten Mole ergänzt das trostlose Bild. In diese Requisiten ist überall versteckt die Bühnenbeleuchtung eingebaut. Inmitten dieses desillusionierenden Ambientes, zwischen schrottreifen Bauwagen und Hütten, spielt sich die Geschichte vom verkrüppelten Bettler Porgy und der schönen Bess ab, die mit dem Halbwelt-Typen Crown liiert ist, dann mit Porgy zusammenzieht und ihn doch am Ende wieder dem Rauschgift zuliebe verläßt. Trotz oder wegen ihrer trostlosen Lage feiern die Einwohner rauschende Feste, in der Bregenzer Aufführung mit afrikanischen Trommlern und temperamentvollem Tanz auf der Mole inszeniert. Die Hurricane-Szene wird durch viele pyrotechnische Effektenund die stürmische Musik Gershwins plastisch in Szene gesetzt. Wer "Porgy and Bess" bereits im vergangenen Jahr gesehen hat, wird Plot und Inszenierung kennen. Dennoch lohnt sich ein zweiter Besuch immer, da man jetzt viel mehr auf die szenische Gestaltung und die musikalischen Elemente außerhalb der berühmten Ohrwürmer wie "Summertime" und andere achten kann. Dabei erschließt sich ein Musikdrama durchaus modernen Zuschnitts mit vielen sängerischen Elementen auch der europäischen Opernmusik dieses Jahrhunderts. Beeindruckende Soli wie das der klagenden Witwe von Jack oder die temperamentvollen Auseinandersetzungen vor dem Kiosk seien nur als Beispiele genannt. Diese Inszenierung hat mittlerweile zu Recht internationale Beachtung gefunden und sich zum kulturellen Mittelpunkt des sommerlichen Bodensee-Programms entwickelt. ![]() Daneben bietet das Festspielprogramm noch eine breite Palette sinfonischer, kammermusikalischer und schauspielerischer Aufführungen, teils im Festspielhaus, teils unter freiem Himmel, z.B. Tornton Wilders "Unsere kleine Stadt" oder die selten gespielte Oper "L´Amore dei tre re" von Italo Montemezzi. Wer der geistigen und kulturellen Genüsse müde ist, kann sich in der Umgebung wandernd umsehen. Dafür eignet sich der Hausberg von Bregenz, der "Pfänder", hervorragend. Mit den Gondeln "Richard Burton" und "Clint Eastwood", benannt nach einem hier gedrehten "Actionthriller" mit den beiden Fimstars, gelangen die Besucher in wenigen Minuten auf die 1200 Meter hohe Bergstation. Von dort bietet sich die sogenannte "Käse-Wanderung" entlang dem Höhenrücken an, wobei man unbedingt die verschiedenen Käsereien besuchen sollte. Die Käseherstellung ist ein landwirtschaftlicher Schwerpunkt dieser Region mit durchaus touristischem Charakter. Die Betreiber der Käsereien verkaufen nicht nur frischen Käse direkt von der Produktion, sondern sie erklären auch gerne die Herstellung und Lagerung der unterschiedlichen Sorten. Verschiedene Gasthöfe laden zu deftigen Jausen ein, und immer wieder öffnet sich ein herrlicher Blick auf und über den Bodensee. Als krönender Abschluß der Käsewanderung bietet sich eine Käse- und Weinprobe in dem urigen Weinkeller des Hotels "Schönblick" in Eichenberg an. Inhaber Lothar Hehle stellt selbst die verschiedenen österreichischen Weiß- und Rotweine vor und empfiehlt dazu die passenden heimischen Käsesorten.Vom "Schönblick" geht es auf Schusters Rappen hinab zum Bodensee-Ufer, wo man sich im See erfrischen und den Staub abspülen kann. An regnerischen Tagen ohne Wanderprogramm sollten sich kulturell Interessierte den Besuch des Bregenzer Kunsthauses nicht entgehen lassen. Dort findet zur Zeit die Ausstellung "Lifestyle" statt, die eine Verbindung von der Werbung zur modernen Kunst zu ziehen versucht und dabei neben eher schillernden Exponaten auch einige anregende Momente aufzuweisen hat. Informationen über das touristische und kulturelle Angebot von Vorarlberg erhält man über die Bregenzer Festspiele oder über die Tourismus-Information Bregenz. |
|