Wohlfühlen in Budapest

K.u.k.-Kultur und Thermalbäder in Ungarns Hauptstadt
 
Gibt es wirklich eine Städtereise nur zum Wohlfühlen? Normalerweise läuft man sich die Füße rund und ist rasch von den vielen städtebaulichen Eindrücken überfordert. 

Nicht so in Budapest. Wählt man das richtige Hotel mit Thermalbad, so kann der Morgen schon mit einem erfrischenden oder wohlig wärmenden Bad beginnen, das positiv auf einen erlebnisreichen Tag einstimmt. 

Eine Stadtbesichtigung in Budapest beginnt an der Donau, denn hier liegen die schönsten Gebäude zentral versammelt an beiden Ufern. Ein Spaziergang über die Kettenbrücke führt in das höher gelegene Buda, wo man das in seinen Ausmaßen gewaltige ehemalige Schloß oder die verspielte Fischerbastei mit der Matthiaskirche besichtigen kann. Ein Espresso auf der Terrasse des Hilton-Hotels gönnt den Füßen Ruhe und verwöhnt die Seele verschwenderisch mit der einzigartigen Aussicht auf den Stadtteil Pest mit Parlamentsgebäude und der Redoute. 



Auf der Donau herrscht reger Schiffsverkehr. Die meisten Boote sind Ausflugsdampfer, die den Touristen auf ganz bequeme Art die Stadtteile Buda und Pest näher bringen. Nicht versäumen sollte man eine Nachtfahrt auf der Donau. Wenn die Kettenbrücke unter Tausenden von kleinen Lichtern erstrahlt, Schloß, Fischerbastei, Matthiaskirche und Parlament hell erleuchtet aus dem Dunkel der Nacht hervortreten, zeigt sich Budapest in einem Charme, der ans Herz geht. Diesen Anblick wird man nicht vergessen und immer einen Funken Sehnsucht in sich tragen, hier wieder einmal herzukommen. 



Warum auch nicht? Die Flugverbindungen von Deutschland sind optimal. Von Frankfurt/Main fliegt man gerade einmal eineinhalb Stunden nach Budapest, so daß sich ein Weekend-Trip geradezu anbietet - ein Wochenende für die Seele. 
Ein Besuch im Café "New York" - ehemals "Hungaria" - versetzt uns zurück in die Zeit um die Jahrhundertwende, als hier Schauspieler, Journalisten, Schriftsteller und Musiker verkehrten. Damals war das Café einer der kulturellen Treffpunkte Europas. Heute treffen sich im "New York" hauptsächlich Touristen, um das Flair einer vergangenen Epoche nachzuempfinden. 

Aus dem Jahr 1877 stammt das Restaurant "Karpatia". Die altehrwürdigen Gasträume mit handbemalten Verzierungen, Schlachtengemälden und Genredarstellungen verbreiten eine Gemütlichkeit, wie man sie so nur in Budapest findet. Die Küche pflegt die Tradition ungarischer Gerichte wie "Balatoner Fogasch" (Zander) oder Kalbsfilet auf "Kedvessy Art" mit Sahnesauce und Gänseleber. Dazu gibt´s hausgemachte Nockerln. Die ungarische Küche ist schmackhaft und deftig aber auch ein wenig schwer. Doch was soll´s? Ein kräftiger einheimischer "Barak" als Digestif fördert die Verdauung. 

Wer ungarische Traditionen sucht, darf selbstverständlich einen Besuch im Gellert-Bad nicht versäumen. Im Jugendstil erbaut, bietet dieses Haus eine Thermenlandschaft, wie sie romantischer nicht sein könnte. Übrigens, die Tradition der Badehäuser, von denen es in Budapest eine ganze Reihe gibt, stammt noch aus der Zeit der Türkenbelagerung, die von 1541 bis 1686 dauerte. Die Türken nutzten damals schon die heißen Quellen für Reinigungs- und Gesundheitsbäder. 

Wer so richtig edel schlemmen möchte, sollte einen Abend im Restaurant "Gundel" einplanen. Dies ist die erste Adresse in Budapest für besondere Gaumenfreuden. Ein stilvolles Ambiente, ungarische Volksmusik (keine Zigeunermusik!) und ein von charmanten Kellnerinnen kredenztes Schlemmermenü versetzen den Gast in die "k.u.k."-Zeit zurück, als das Leben noch etwas gemächlicher ablief. Wenn allerdings zum Apéritif schon eine doppelstöckige Williamsbirne gereicht wird, dann ist es vorbei mit der Ruhe, denn das Blut gerät in heftige Wallungen. Vielleicht mag der ein oder andere dann spontan das Tanzbein zu den Melodien von Geige und Kontrabaß schwingen. Das "Gundel" will jedoch vor allem mit seinen Küchenkünsten verwöhnen. Deshalb ist es angebracht, in aller Ruhe die Speisenkarte zu studieren, bevor man  sich in kulinarische oder tänzerische Abenteuer stürzt. 

Ein Ausflug zur Margarethen-Insel läßt die Hektik der Großstadt vergessen. Hier kann man spazieren gehen, über die Insel radeln oder im "Grand-Hotel" Kaffee trinken und/oder im Thermalhotel die müden Glieder entspannen. 

Ungarn besteht natürlich nicht nur aus Budapest, obwohl hier von den zehn Millionen Einwohnern zwei Millionen leben. Landschaftlich reizvoll ist die Puszta mit ihrer schier endlosen Weite, die zu wilden Ausritten im Galopp geradezu reizt. So ist es nicht erstaunlich, daß die Reitkunst hier einen besonderen Stellenwert einnimmt. In einer guten Stunde erreicht man den Bauern-Gasthof "Varga Tanya" am Rande der Akazienwälder in der Puszta. Ein "Highlight" ganz besonderer Art ist ein Achtergespann, das von einem auf zwei Pferderücken stehenden Reiter gelenkt wird. Da zittert der Zuschauer durchaus heftig mit, wenn die acht Pferde in rasendem Galopp an der Tribüne vorbeipreschen und der Gespannlenker mit gefurchter Stirn und hervorquellenden Armmuskeln die Kontrolle über die Tiere behalten muß. Das ist eben "Live-Show", aufregend und direkt. Wer hier einen Reiterurlaub einplant, erlebt die Puszta hautnah auf dem Pferderücken. Übrigens, hier gibt es wunderschöne Ferienwohnungen in strohgedeckten Häusern mit allem Komfort. Neben Reitunterricht und Übungsstunden im Gespannfahren bietet der Hof  sogar ein Freibad. 

So wie der Besuch in der Puszta eine besondere Seite Ungarns zeigt, so lohnt sich auch ein Ausflug von Budapest zum Donauknie. Mit dem Bus geht es vorbei am Freilichtmuseum Szentendre. Hier sollte man auf jeden Fall kurz Station machen, denn alles, was Ungarn an bäuerlicher Tradition zu bieten hat, ist hier versammelt. Das Museumsdorf besteht aber nicht nur aus einer Ansammlung historischer Gebäude, sondern zeigt darüber hinaus Einrichtungsgegenstände, Arbeitsgeräte, Textilien und Requisiten des Alltags, die die Bewohner damals benutzt haben, und läßt so Geschichte lebendig werden. Das Künstlerdorf Szentendre nicht weit vom Freilichtmuseum ist eine Fundgrube für alle Souvenir-Jäger. Nicht versäumen sollte man einen Besuch im Keramikmuseum. 

Weiter geht die Fahrt Richtung Donauknie, mitten durch ein gebirgiges Naturschutz-Gebiet. Schließlich noch ein kurzer Aufstieg zu Fuß zur Hochburg Visegrad, und dann erlebt man die einzigartige Aussicht auf die Donau, die sich im Laufe der Jahrtausende durch das Gebirge gefressen hat. 

Ungarn hat viel zu bieten. Auch wenn Budapest allein schon eine Wochenreise wert ist, sollten Reisende dennoch das Umland nicht vernachlässigen und einen oder mehrere Ausflüge einplanen. Es lohnt sich.

Zum Schluß noch die Adressen einiger ausgewählter Häuser in Ungarn:

 
Name
Telefon
Fax
Danubius Hotel "Gellert" 0036-1-185 2200 0036-1-166 6631
Danubius Thermal Hotel "Margitsziget" 0036-1-311 1000 0036-1-269 4589
Danubius Thermal Hotel "Helia" 0036-1-452 5800 0036-1-452 5801
Reiterhof "Varga Tanya"
H6041 Kerekegyháza
Kunpusta 150
0036-76-37 1030
0036-76-37 1163
0036-76-37 1330
Freiluftmuseum Szentendre
2001 Szentendre, Pf. 63
0036-26-312 304
0036-26-305 723
0036-26-315 724
0036-26-310 083
Restaurant "Gundel"
Állatkerti út 2
Budapest
0036-1-121 3550 0036-1-142 2917