| Geheimt(r)ip Goms |
| Eine Region tritt aus dem Schatten ihrer Umgebung |
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Das obere Rhone-Tal vom Furkapass bis Brig stand lange im Schatten der hochalpinen Ski-Orte im und am unteren Rhone-Tal. Der "weiche" Tourismus mit Wandern und Radfahren stand jahrelang nicht hoch im Kurs. Dies hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich gewandelt, und damit kommen auch andere Gebiete zu ihrem touristischen Recht und können ihre Vorzüge zur Geltung bringen. ![]() Der Rhone-Gletscher nahe dem Furka-Pass entlässt die Rhone in das breite Tal des Goms, das geprägt ist von breit ausladenden Berghängen, versprengten Dörfern mit nachgedunkelten Holzhäusern und weißen Dorfkirchen oder einzelnen Bergkapellen. Wandern, Radeln - vor allem mit dem Mountain-Bike - und der Genuss einer einzigartigen Landschaft bilden im Frühjahr, Sommer und Herbst den touristischen Schwerpunkt. Im Winter kommt ein Ski-Angebot hinzu, das sich vor allem an Familien und Langläufer ausrichtet, was nicht bedeuten soll, dass es hier nur "blaue" Pisten gibt. Auch die Kultur blüht hier, wenn auch oft im Verborgenen. So veranstaltet der bereits pensionierte deutsche Urlauber Hans-Georg Büchel alljährlich im Juli und August die "Gommer Abendmusiken", in denen er und einige andere engagierte Musiker ein breites Spektrum mittelalterlicher und klassischer Musik auf Original-Instrumenten in verschiedenen Kirchen des Goms kostenlos zur Aufführung bringen. Dieses Kontrastprogramm zur offiziellen sommerlichen Festival-Inflation in Europa besticht gerade wegen des persönlichen Engagements und des eher bescheidenen Anspruchs. Noch ist das Goms zwischen Gletsch und Grengiols nicht touristisch überlaufen und daher ein Geheimtip für alle, die den Rummel der großen Urlaubsorte scheuen. Die Verkehrsdirektoren sehen dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Heute preisen sie mit Recht die Ruhe und die individuelle Betreuung des Gastes in ihren Gebieten und sehen doch gleichzeitig die Gefahren eines anschwellenden Touristenstromes. Wer das Goms in seinem ursprünglichen Zustand erleben möchte, sollte sich daher schnellstens dorthin aufmachen... ...zum Beispiel Bellwald Der kleine Ort Bellwald liegt auf 1600 Meter Höhe am rechten Hang - flussabwärts gesehen - des oberen Rhonetals und ist damit der höchste Ort im Goms . Der Ortskern des etwa 500 "feste" Einwohner zählenden Fleckens besteht vollständig aus alten Holzbauten des 17. Jahrhunderts und müsste eigentlich schon lange unter dem besonderen Kulturgut-Schutz der UNESCO stehen. Kein moderner Bau stört das urtümliche Bild, und eine ehemalige Sennhütte aus dem oberhalb gelegenen Richinen dient heute als Museum und bringt den Besuchern das müselige Leben der früheren Bewohner nahe. Erwähnenswert ist weiterhin das ehemalige Theater, ein langgestrecktes, flaches Holzgebäude. Tatsächlich kann das kleine Bellwald auf eine lange - eher ländliche - Theatergeschichte zurückblicken, und Verkehrsdirektor Marcel Gstettner plant, diese Tradition in Form von sommerlichen Theater-Workshops wieder ins Leben zu rufen. Es ist zu hoffen, dass die Touristen ein solches Angebot annehmen, denn neben der Vielzahl der rein musikalischen Festivals landauf - landab wäre ein Theater-Festival mit Beteiligung der Gäste eine willkommene Bereicherung. Das umfangreiche Sportangebot ist in Bellwald in einer kompakten Sportzone am Ortsrand zusammengefasst und beinhaltet Fußball- und Tennisplatz, Inline-Skating und Mini-Golf. Gleich daneben führt der Sessellift hinauf zum Skigebiet. Im Goms wurden der legendäre Hotelier Cäsar Ritz und der kochende Pfarrer Alexander Seiler geboren. Diese berühmten Vorfahren setzen Maßstäbe und spornen die heutige Kochgilde zu Kreativität und Leistung an. Der Gast wird immer wieder positiv überrascht, so in Bellwald auf der Mittelstation, wo ihn ausgezeichnete Tellergerichte erwarten, oder im Hotel "Zur Alten Gasse", in dem man unbedingt einmal zur Nacht speisen sollte, denn nach einem langen Wandertag wird man hier kulinarisch verwöhnt. Die Halbpension beinhaltet ein abendliches 4-Gang-Menü vom Feinsten, das eines Haubenkochs würdig ist. Philipp Lagger versteht es, schweizer Produkten eine französische Note zu verleihen, zum Beispiel beim "Parfait de viande sechée", das den Gaumen geradezu entzückt. Für eine erste Kostprobe bietet sich der "Goldene Herbst" an, der drei Übernachtungen mit Halbpension für 350 SF bietet, wobei jeweils ein Wildmenü, ein Fischmenü und ein "Menu de marché" .enthalten sind. Darüber hinaus wohnt man noch mitten im schönsten Wanderparadies von Goms und kann sich den richtigen Appetit anlaufen. Von abwechslungsreichen Spaziergängen bis zu anspruchsvollen Gebirgstouren ist alles möglich. Weitere Informationen über Bellwald sind erhältlich über Bellwald Tourismus 3997 Bellwald Tel: (0041) (0)27/ 971 16 84 Fax: (0041) (0)27/ 971 41 54 oder über das Internet .... "Down Goms" auf dem Rad Für Radfreunde bietet das Goms ideale Bedingungen. Befestigte oder asphaltierte Wege führen abseits von Straße und Bahnlinie entlang dem Ufer der Rhone und geben immer wieder den Blick frei auf den wild schäumenden Fluss. Gut ausgeschilderte Stichwege führen jedoch zu jedem Bahnhof der Bahnstrecke, und dies aus gutem Grund: an jedem Bahnhof kann man normale Fahrräder oder Mountain-Bikes mieten und sie an jedem anderen Bahnhof wieder abgeben. So kann man irgendwo talwärts das Auto abstellen, mit der Bahn flussaufwärts fahren und am Wunschort mit dem Rad flussabwärts starten und die Tour am Ausgangspunkt beenden. Die Schweizer Bahn bietet zu diesem Zweck günstige Tageskarten für die gesamte Strecke ohne Richtungseinschränkung. Die Fahrt selbst öffnet einmalige Ausblicke auf die hier noch wild gurgelnde Rhone oder furchteinfößende Bergrutsche - keine Angst, der Radweg ist nicht gefährdet - und bietet auch die eine oder andere Überraschung. So muss man sich zwischen Niederwald und Ernen durch eine Alt-Lawine "kämpfen", die selbst im August noch unter Sand und Baumresten meterhohen Schnee enthält, oder der Weg führt durch eine ebenfalls schon ältere Geröll-Lawine, die wie eine Mondlanschaft anmutet. Alles tritt jedoch zurück vor dem landschaftlichen Panorama, dass sich nach nahezu jeder Biegung des Weges neu darstellt. Da reicht kein 36er-Film, und eigentlich möchte man malen können... .....oder auf der Rhone à propos "gurgelnde Rhone": Man kann für den Weg talabwärts durch Goms auch den im Volksmund "Rotten" genannten Fluss wählen, jedenfalls teilweise. Auf dem alten Militärflugplatz bei Ulrichen hat sich das Ehepaar Garbely mit der "Garbely Adventure" etabliert. In einem alten Hangar lagern alle für das "River Rafting" erforderlichen Utensilien: stabile Schlauchboote, Neopren-Anzüge, Helme und was der wassersüchtige Mensch sonst noch für diese nasse Angelegenheit benötigt. Mit dem Auto geht es flussaufwärts nach Oberwald, wo das große Schlauchboot bereits abfahrtbereit am Rande der rasch dahinstürzenden Rhone liegt. Schon beim Einsteigen der siebenköpfigen Besatzung schwappt Wasser ins Boot, was aber eher belustigt zur Kenntnis genommen wird. Dann geht es mit dem hurtig enteilenden Wasser flussabwärts. Die ersten Stromschnellen erfassen das Boot und schütteln es durch. Die Besatzung erhält ihre "Wasser"-Taufe und erschließt sich den Fluss sozusagen mit den Hinterbacken auf dem Ritt durch die Stromschnellen. Im Wechsel von ruhigeren Passagen und rasant beschleunigenden Strömungen, die sich zu steilen Wellen aufbäumen, geht es weiter. Die beiden Ruderer im Bug des elastischen Bootes bekommen alles aus erster Hand: den Blick auf das Wasser und die kalte Dusche(8-10 Grad!), bei der die Damen gern spitz aufschreien während die Männer heftig paddelnd das Boot auf Kurs zu halten versuchen. Spaß macht es dennoch, und die Neopren-Anzüge schützen den Körper vor dem Auskühlen. Um eventuell Ängstliche zu beruhigen: richtig gefährlich wird es nie, auch wenn die Boots-Chefin vorher Verhaltensmaßregeln für den Notfall ("Mann über Bord") ausgibt. Mit etwas Geschick - und natürlich dem Können und der Erfahrung unserer Bootssteuerin - bringt fast jede Mann- bzw. Frauschaft das Boot sicher zum Landeplatz nach 13 km bewegter Flussfahrt. Ehrensache, dass uns die Chefin als besonders gute und schnelle Truppe lobt. Am Ende des Trips denkt jeder:"Schade, dass es schon wieder vorbei ist. Gerne hätten wir noch einige Stromschnellen mehr gemeistert". Die "Garbely Adventure" bietet neben Rafting auch "Fun Yaks", Canyoning in der Grimsel-Schlucht, Mountain Bikes und Inline-Skating für Einzelreisende und für Gruppen oder Firmen. Interessenten können sich per Fax ( +41 (0)27 973 2585) über Preise und Termine informieren. Im oberen Goms-Tal wird derzeit ein Golfplatz angelegt, der zur Milleniumswende bespielbar sein dürfte, und der ehemalige Militärflugplatz ist zu einem Mekka für Segelflieger umgewidmet worden. Wem dies noch nicht reicht, der kann es ja auch einmal mit dem Para-Gliding versuchen, denn dank der hervorragenden Thermik gleichen die Jünger dieses Sportesan bestimmten Tagen über dem Tal einem Libellenschwarm. |