| Bergerlebnisse im Wallis |
| Bettmeralp - Der Gletscher ruft |
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"Tag all!", so begrüßt uns Verkehrsdirektor und Bergführer Berhard Stucky, der mit uns den Aletschgletscher überqueren will. Wir haben zuvor Fotos vom Gletscher und von überquerenden Gruppen angesehen. Da sah alles ganz harmlos aus - eigentlich nur ein schönes Naturerlebnis. Ein kleiner Pfad schlängelt sich entlang saftig grüner Matten oberhalb von Bettmeralp. Versprengte Chalets, Hotels, grasende Kühe mit beruhigend bimmelnden Glocken prägen das Bild - plötzlich ein Pfiff! "Keine Angst", meint Bernhard, "es ist nur ein Murmeltier, das seine Artgenossen vor herannahenden Menschen warnt". Weiter geht es bis zur "Villa Cassel", die mitten auf einem Sattel prangt und so gar nicht zu den bodenständigen schweizer Holzbauten passt. Die stilvolle Fachwerkvilla mit Erkern und Türmchen ließ sich ein reicher Bankier um die Jahrhundertwende bauen. Der Rieder Pfarrer Ignaz Seiler kommentierte dieses Bauwerk mit den Worten, es passe zu der Landschaft "wie ein Fünfliber in einen Kuhfladen". Unsere Wanderung führt uns durch den Arvenwald, ein Naturschutzgebiet oberhalb des Aletschgletschers. Damit stellt der Arvenwald eine Rarität dar, denn üblicherweise liegen die Gletscher über der Baumgrenze. Hier ist es schattig und still, der würzige Duft der Arven - zu Deutsch Zirbelkiefer - erfüllt die Luft. Wollgras, Alpenrosen und tiefblaue Glockenblumen setzen Farbtupfer in diese grüne Oase. Kaum haben wir den Wald durchquert, stoßen wir auf eine Endzeit-Landschaft aus Geröll, Sand und Findlingen. Der Gletscher schickt seine Moränen voraus, als wollte er uns abschrecken, ihn zu betreten. Wir schlittern und kraxeln bergab auf den unwirtlich grauen Rücken des Aletschgletschers zu. Wir hatten uns einen Gletscher weiß und türkis in der Sonne glitzernd vorgestellt und sind fast ein wenig enttäuscht, wie spröde und abweisend uns seine Ausläufer empfangen. Dennoch erklimmen wir die Geröllmoräne. Bisweilen schimmert es wie schwarzer Lack zwischen dem Schotter. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als das blanke Eis des Aletschgletschers. Wir sind also schon mitten drauf! Stetig führt uns Bernhard den breiten Walrücken des Gletschers hinauf, und bald zeigt uns der Gletscher sein wahres Gesicht. Jetzt türmen sich Eisgebirge zwischen Gletscherspalten, in denen tief untern Wasser gurgelt oder trügerisch-friedlich steht. Glücklicherweise besteht die oberste Schicht des Eises aus eingefrorenen, kiesähnlichen Steinen, so dass wir ohne auszurutschen ausschreiten können. Sind die Spalten anfangs noch harmlos, werden sie bald tiefer und breiter, und die Erhebungen zwischen ihnen wirken wie plötzlich erstarrte Wellen und Brecher auf hoher See bei schwerem Sturm. Über einige Spalten müssen wir springen um weiterzukommen. Abenteuerlich wird es, wenn links und rechts neben einem schmalen Eisgrat tiefe Gletscherspalten gähnen. Dann hilft nur tiefes Durchatmen, Mut sammeln und drüber! Wir sind zwar alle durch Seile gesichert und Bernhard beruhigt uns, dass er uns aus den Spalten herausziehen würde, aber die Probe aufs Exempel möchten wir uns doch lieber ersparen.... So geht es weiter in dieser Bergwelt aus Eis, die ständig mit neuen bizarren Formen aufwartet und tausend Sterne funkeln lässt, wenn die Sonnenstrahlen im richtigen Winkel auftreffen. Endlich ist es geschafft: wir haben den Gletscher überquert und sind erfüllt von den Natureindrücken und ein bisschen stolz, dass wir den Mut nicht verloren haben. Die Vesper aus schweizer Nussbrot, Salami und heißem Tee mitten zwischen urzeitlichen Findlingen mundet besser als jedes Gourmet-Menü, und wir sind uns ganz sicher, dass dies nicht die letzte Wanderung auf dem Gletscher war. "Bettmeralp" liegt 2000 Meter hoch auf einem sonnigen Hochplateau am Großen Aletschgletscher. Mit 24 km Länge ist der Aletsch der größte Gletscher Europas. Hier sprechen die Schweizer deutsch, und im Ort verkehren keine Autos. Die Gäste müssen ihre Wagen im Tal parken und mit der Gondelbahn zum Ort hinauffahren. Umladen und Transport des Gepäcks sind nahtlos organisiert, dennoch sollten Besucher unnötiges Gepäck vermeiden. Die Verbannung der Autos garantiert gute Luft, Ruhe und eine fast unberührte Natur. Bettmeralp präsentiert sich als Wanderparadies mit 150 km Wanderwegen. Im Bettmersee kann man sogar fischen oder ein - recht kühles - Bad nehmen. Der Verkehrsverein bietet neben Wandervorschlägen auch geführte Wanderungen an. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Animationsprogramme. Wer preiswert wohnen möchte, kann eines der schlichten Chalets mieten, die - im alten Waliser Stil gebaut - dennoch den notwendigen Komfort bieten. ![]() Kletterübungen am Stausee.... Wen es eher in die Höhe zieht, der kann es in Bettmeralp auch mit dem Klettern versuchen. In Eigeninitiative haben einheimische Bergführer am Massa-Stausee oberhalb Naters einen Klettersteig eingerichtet, der im Frühjahr 2000 für geführte Klettertouren freigegeben werden wird. Der Massa-Stausee speist sich unmittelbar aus dem Aletsch-Gletscher und entlässt das Wasser in die tiefe und enge Massa-Schlucht. Auf dem Parkplatz oberhalb der Staumauer steigen wir in die Klettergurte und folgen dann unserem Bergführer Peter Stucky mit gemischten Gefühlen in den Einstieg des Klettersteigs. Die ersten zehn Meter folgen dem steilen Hang mit schmalen Trittstufen ohne Halteseil. Erst dann winkt ein Drahtseil, in das wir unsere Kletterhaken einklinken können. Das klickende Geräusch übertönt den Stein, der uns vom Herzen fällt. Später erzählt uns Peter, dass man den Einstieg bewusst schwierig gehalten habe, um voreilige Amateure von der Begehung des Steigs abzuhalten. Der Kletterweg folgt jetzt dem steilen, teilweise senkrechten Felsenufer des grau-grünen Sees, der seine Färbung durch Lehm und Sand aus dem Gletscher erhält und teilweise sogar noch einzelne Eisschollen mit sich führt. Zwischen fünf und zwölf Metern Höhe schlängelt sich der Klettersteig mal über schmale Tritte durch Moos und Gestein, mal über Armierungseisen, die etwa 30 Zentimeter waagrecht aus dem Fels ragen und eine luftige Leiter über den "Abgrund" bilden. Dank der ruhigen Führung von Peter Stucky lernen wir Flachländer nach anfänglicher Unsicherheit schnell, nicht nur den Blick nach unten ins Wasser auszuhalten, sondern auch uns aufrecht über die schmalen Armierungseisen oder Felsvorsprünge zu bewegen. Der Karabinerhaken im Drahtseil an der Felswand gibt uns sicheren Halt und die notwendige psychologische Hilfe. Das unmittelbare Naturerlebnis entschädigt für alle zwischenzeitlichen Beklemmungen an engen oder steilen Stellen. Hier führt kein Wanderweg lang, keine Lifte und keine Bergrestaurants trüben Blick oder Gehör. Nur auf der in unserem Rücken verschwindenden Staumauer verlieren sich einige Touristen. Am Rande des Steigs wachsen überall Walderdbeeren, die dank der Südhang-Lage würzig-süß schmecken. Nach der Öffnung des Klettersteigs dürften diese Früchte schnell geerntet sein... Der Klettersteig reicht bis ans Ende des Sees, wo die Massa aus dem Gletscher kommend in den See stürzt. An dieser Stelle soll eine schmale Hängebrücke die achtzig Meter zum anderen Ufer überbrücken und der Klettersteig an der anderen Seite des Sees seine Fortsetzung finden. Im Sommer 2000 wird den Kletterfreunden ein vollständiger Rundsteig zur Verfügung stehen, der sich auch für Familien und Anfänger eignet, wenn ein erfahrener Bergführer die Gruppe begleitet. Beweglichkeit, sportliche Einstellung und die Bereistschaft, Herausforderungen anzunehmen und zu meistern, sollte man allerdings mitbringen. ... oder Wandern entlang der Massa-SchluchtNach dem Klettern bietet es sich an, die Glieder noch bei einer leichten Wanderung zu lockern. Unterhalb der Staumauer beginnt der Massa-Wanderweg, der hoch am Hang im Jahr 1996 entlang der alten Wasserleitung angelegt und teilweise in den Fels gesprengt wurde. Die Wasserleitung wurde bereits im Jahre 1382(!) angelegt und leitet das Wasser aus der oberen Massa entlang der Schlucht hinab auf die Wiesen und Felder oberhalb des Rhone-Tales. Dazu mussten die damals noch hölzernen Wasserleitungen in schwindelnder Höhe von mehreren 100 Metern außen um die Felsen geführt werden, und das mit den technischen Mitteln und Sicherheitsvorkehrungen des 14. Jahrhunderts! Mittlerweile wird das Wasser durch unterirdische Stollen geführt, so dass die spektakulären Außenleitungen entlang der Felswände nur noch dem touristischen Staunen dienen. Der Wanderweg ermöglicht von hoch oben den Einblick auf die Schlucht mit ihren verschiedenen Felsformationen - unter anderem dem blauen Serpentin-Stein -, den Wasserfällen und Stromschnellen sowie die Wasserbecken, die die Massa auf ihrem schnellen Weg ins Tal gebildet hat. Der Wanderweg ist für jedermann leicht gangbar, für nicht ganz Schwindelfreie sind an engeren Stellen Führungsketten am hangseitigen Fels befestigt. Wer den besonderen "Kick" liebt, kann die Massaschlucht in ihrer vollen Länge von 5 Kilometern auch beim "Canyoning" erleben. Bergführer, Neopren-Anzug und Helm sind dabei obligatorisch, da die Route mit Abseilen oder Sprüngen bis zu zehn Metern verbunden ist. Allerdings ist die Freigabe des Wegs abhängig vom Wasserstand des Stausees und der Wettervorhersage. Wenn es sich abzeichnet, dass kurzfristig größere Wassermengen in die Massa abgegeben werden müssen, bleibt die Schlucht gesperrt. Daher sollte man die Schlucht niemals auf eigene Faust ohne Rücksprache mit dem zuständigen Verkehrsbüro -Bettmeralp oder Naters - durchgehen. ...und wo man in Bettmeralp wohntWer sich gerne kulinarisch verwöhnen lassen möchte und trotzdem rustikalen Charme vorzieht, kann zum Beispiel im Hotel "Waldhaus" gleich neben der Gondelstation absteigen. Dieses im Juli-August ganz von Lupinen umgebene Haus verströmt den Charme der Bergeinsamkeit im besten Sinne. Die Sonnenterrasse bietet einen Panoramablick auf die umliegenden 4000er und verwöhnt Frühstücksgäste und müde Wanderer. Die Preise liegen im Sommer zwischen 80 und 150 Schweizer Franken. Tel.: +41 (0)27 927 2717, Fax: +41 (0)27 927 3338. Das Verkehrsamt von Bettmeralp erreicht man unter Tel.: +41 (0)27 928 6060, Fax: +41 (0)27 928 6061. |