| Maultiere und Musik |
| Ausgefallene Urlaubsaktivitäten in Ernen |
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Gegenüber von Fiesch liegt am Hang der kleine, unscheinbare Ort Ernen. Kein Skilift lockt hier, und normalerweise würden nur passionierte Wanderer diesen Ort kennen. Dennoch hat er in den letzten 25 Jahren eine erstaunliche Karriere gemacht, doch davon später... ![]() Der Ortskern von Ernen wurde mit viel Liebe zum Detail restauriert und in den ursprünglichen Zustand versetzt. Das Kapuzinerhaus aus dem Jahr 1511 führt die Liste der alten Häuser an. Das Schulhaus aus dem Jahr 1538 beherbergt heute die Schule, und das alte Rathaus - das einzige Haus ganz aus Stein - dient heute als Museum, in dem man sich neben alten Dokumenten auch die ungemütlichen Kerkerzellen - in diesem Sommer allerdings angenehm kühl! -und die eher zweifelhafte Folterkammer ansehen kann. Im "Tellenhaus", benannt nach den Tell-Szenen an der Hausfront und alte Herberge der "Säumer", soll sogar Goethe auf seiner Reise nach Italien abgestiegen sein. Der Kardinal Matthäus Schiener soll im Jahe 1522 sogar fast Papst geworden sein! Ernen wurde im Jahr 1979 für seinen historischen Ortskern mit dem "Wacker"-Preis ausgezeichnet. Im beschaulichen Ernen haben sich in den letzten Jahren alternative Tourismus-Aktivitäten entwickelt. Neben einem Lama-Zoo, der auch Trekking anbietet, ist vor allem das Maultier-Trekking der Familie Schweizer zu nennen. Aus einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit angehängtem Hobby-Esel hat sich durch entsprechende Nachfragen wanderlustiger Gäste erst ein Esel-Verleih und dann ein ständiges Trekking-Programm mit Maultieren entwickelt. Der Start erfolgt am Dorfplatz von Ernen mit zwei gesattelten und vollbepackten Maultieren, der braunen Morena und der hellen Cleopatra. Auf den engen und steilen Waldwegen zieht man es jedoch nicht nur zur Schonung der Maultier vor, diese am Halfter zu führen. An einfacheren Wegstrecken wagen sich dann auch weniger sattelfeste Gäste auf das Maultier. So geht es auf und ab durch eine sattgrüne Landschaft, die jede Minute neue Ausblicke auf das Bergpanorama eröffnet, an der tiefen und steilen Binner-Schlucht entlang, über den auch im Sommer noch wild herabstürzenden Fluss und wieder hinauf Richtung Binn, dem Ort im Nachbartal. Bei der wohlverdienten Pause an einer kleinen Kapelle mitten im Wald zeigen die Satteltaschen, was sie in sich haben: frisches Brot, Walliser Trockenfleisch, Schinken, Käse, Bier und Säfte. Das Picknick wird zur Inkarnation eines Monet-Bildes, mit schweifwedelnden Mulis unter schattigen Bäumen und entspannt imGras gelagerten Wanderern bei Speis und Trank, den Blick ins weite Tal gerichtet..... Das Wander-Trekking im Binntal kostet für zwei Tage mit Übernachtung im Hotel 319 SF, für Gruppen und Familien gibt es Sonderpreise. Nähere Informationen können über die Firma "Bergland Produkte", Tel. bzw. Fax (+41 (0)27 971 2360) oder Internet, eingeholt werden. Wer eines Augustabends müde und durstig in den Ort zurückkehrt, mag sich über den ungewohnten Verkehr wundern - sofern er nicht bereits vom "Festival der Zukunft" in Ernen wusste. Vor 26 Jahren kam der ungarische Musikprofessor György Sebök zum Urlaub nach Ernen und entwickelte angesichts der entspannenden Umgebung die Idee, hier Meisterkurse für junge Musiker und deren musikalische Zukunft - daher der Name - durchzuführen. Um den jungen Leuten Konzertpraxis zu vermitteln, verband Sebök die Kurse mit öffentlichen Konzerten in der Kirche von Ernen. So wurde die Kirche von Ernen Wallfahrtsort vor allem für junge Künstler und bald auch für musikinteressierte Gäste, deren Einzugsbereich sich von Jahr zu Jahr erweiterte. Von den jährlich bis zu 200 Anmeldungen zum Kurs kann Sebök nur um die 30 annehmen, und die Kirche ist für die Konzertveranstaltungen zum großen Teil durch feste Abonnements ausgebucht. Ein Freundeskreis aus über 200 Mitgliedern und einige Sponsoren ermöglichen die Durchführung der jährlichen Veranstaltung, die trotz der eher symbolischen Gagen auch der zusätzlich verpflichteten Künstler erhebliche Kosten verursacht. 1999 wurde das Festival am 7. August von zwei jungen Künstlern eröffnet, dem Pianisten Dénes Várjon und der Geigerin Ulrike-Anima Mathé. In der nahezu bis zum letzten Platz gefüllten Kirche begann Várjon mit Schumanns "Kinderszenen", die aufgrund der raumfüllenden Akustik und des vollen Klangs des Flügels wesentlich voluminöser wirkten als gewohnt, eher orchestral denn solistisch. Die anschließende Fantasie C-dur von Schumann meisterte Várjon souverän in allen Höhen und Tiefen dieses teilweise zerrissenen und expressiven Stückes. Nach der Pause boten beide Solisten noch Janáceks Sonate für Violine und Klavier und Schuberts Sonate in A-dur. Janaceks Stück gilt als schwierig wegen der starken Agogik und Tempowechsel, doch die beiden Solisten zeigten, dass sie gut aufeinander eingespielt sind, und interpretierten diese Komposition mit viel Tempo und Engagement. Den Schluss bildete Franz Schuberts kantable und sehr eingängige Sonate für Violine und Klavier. Hier konnte sich die Musikalität der beiden Solisten voll entfalten, wobei die Violine vor allem im Andante beeindruckte, von Várjon am Flügel durch zurückgenommenes Spiel unterstützt. Am Ende belohnte das Publikum die beiden Musiker durch langanhaltenden, begeisterten Beifall, so dass sie noch eine Schubert-Sonatine zugaben. Das Festival dauert etwa 12 Tage, in diesem Jahr noch bis zum 20. August. Wer sich für einen Besuch des Festivals im Jahr 2000 interessiert, sollte sich an folgende Adressen wenden: Tourismusbüro Ernen Tel.: 0041 (0)27 971 1562 Fax: 0041 (0)27 971 3543 oder aber über die Webseite im Internet. Da Musikliebhaber auch irgendwo wohnen möchten, wenn sie mehr als ein Konzert und obendrein auch noch die Landschaft des Goms genießen wollen, empfehlen wir das Hotel "Alpenblick" in Ernen. Es bietet einen einzigartigen Blick ins Rhonetal und auf das Eggishorn. Rustikale Zimmer mit Dusche und WC, eine hohe Qualität der Küche und moderate Preise prägen das Haus. Ein Doppelzimmer mit Frühstück kostet 112 SF pro Person, mit Halbpension 168 SF. Tel.: 0041 (0)27 971 1537 Fax: 0041 (0)27 971 4374 Fahrt auf das Eggishorn Nach dem Genuss eines kulturellen Ereignisses sollte man die Natur wieder zu ihrem Recht kommen lassen. Dafür bietet sich eine Fahrt zum Eggishorn an, dem "Hausberg" des talwärts von Ernen gelegenen Fiesch. Die erste Teilfahrt führt zur Mittelstation Kühboden, die zweite direkt hinauf zum steinigen Eggishorn. Oben empfängt uns ausser der Bergstation nur eine kleine Hütte, sonst beherrschen Steine aller Größe das Terrain. Nach einigen Schritten erreicht man den Rand des Plateaus und sieht sich dem gesamten Aletsch-Gletscher gegenüber. Der Blick reicht vom Jungfrau-Joch über das 24 km lange, geschwungene Eisfeld bis zu seinem Ende oberhalb des Massa-Staudamms. In der Ferne zeichnen sich Jungfrau, Mönch und Eiger sowie der vorgelagerte Trugberg ab. Aus der Vogelperspektive zeichnet sich die Oberflächenstruktur des Gletschers besonders gut ab, die den fließenden Charakter des Eises widerspiegelt. An der Innenseite der Krümmung türmt sich dasEis zu steilen und scharfen Konturen auf, während es sich auf der Außenseite in langen, runden Wellen ausbreitet. Im unteren Bereich durchziehen Querrisse, den Gletscher, die sich "vor Ort" als gefährliche Gletscherspalten erweisen. Nach ausgiebigem Genuss dieses Ausblicks empfiehlt sich der Abstieg zum Kühboden, durch urweltliches, steile Geröllfelder. Immer wieder "verpfiffen" von aufgeregten Murmeltieren, suchen wir uns Tritt für Tritt unseren Weg durch die das unwegsame Gelände, denn hier oben gibt es keine bequemen Wanderwege mehr sondern nur noch markierte Trampelpfade. Schaf- und Kuhherden begleiten unseren Weg aufmerksam äugend, da sich sonst hier oben ja nichts ereignet. Am Kühboden hat man sich eine Vesperpause verdient und kann dann auf einem breiten, bequemen Weg die Wanderung nach Bettmeralp fortsetzen, das man nach etwa einer bis eineinhalb Stunden erreicht. |