Meiringer Wassermusik

Wandern durch Gletscherschlucht und rund um Wasserfälle
  Wer vom Goms in die Zentralschweiz möchte, sollte im Sommer die Möglichkeit nutzen, den Grimselpass zu überqueren. Von Gletsch am Ende des Rhone-Gletschers führt eine breite und gut ausgebaute Strasse hinauf und in das Berner Oberland hinunter. Hinter dem Pass ändert sich die Landschaft dramatisch: statt der zerklüfteten Felsen des Goms präsentiert sich hier eine urweltliche Landschaft aus rundgeschliffenen Bergkuppen. Frühzeitliche Gletscher haben hier keine Kante im Berg belassen und faszinierende Strukturen in die Felsen geschliffen. Der Stein schillert in verschiedensten Farben von Grau-blau über Grün bis zum einem schwachen Rot. Kein Baum oder Strauch stört diesen Eindruck auf den Höhen, erst weiter untern setzt die Vegetation ein. 

Über die Orte Guttannen und Innertkirchen erreicht man schließlich Meiringen, den Mittelpunkt der Alpenregion Brienz-Meiringen-Hasliberg. Dabei passiert man bei Innertkirchen den östlichen Eingang der Aare-Schlucht, die sich etwa eineinhalb Kilometer durch das Tal bis zum Ortsrand von Meiringen fortsetzt. Hier hat die Aare im Laufe der Jahrtausende eine tiefe Schlucht in den Fels geschnitten, der links und rechts bis zu 200 Meter aufragt. Die anfangs gut 20 bis 30 Meter breite Schlucht verengt sich am westlichen Ende bis auf ein bis zwei Meter, durch die das Wasser entsprechend schneller durchschießt und sich zu Stromschnellen aufbäumt. Bereits im 12. Jahrhundert wurde die Schlucht zum ersten Mal begehbar gemacht, und heute führt ein komfortabler Steig an der südlichen Wand entlang durch die gesamte Schlucht. Einzelne Schautafeln liefern kurze Informationen über die Eigenarten und die Geschichte der Schlucht. Wer nach Meiringen kommt, sollte sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen lassen. 

Eindrucksvoll und unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch des Reichenbachfalls in Meiringen mit anschließender Wanderung hinauf zum Rosenlaui-Gletscher. 
Mit der 1899 erbauten und 1999 renovierten Drahtseilbahn überwinden wir die 250 Meter Höhendifferenz entlang des Reichenbachfalls, der hier sein Wasser in die Tiefe jagt. Am Kopfende der Bahn beginnt dann ein etwa 20minütiger Aufstieg, der von verschiedenen Plattformen eine unmittelbare Sicht auf den Wasserfall ermöglicht, mal von unten, mal von oben. Vor seinem finalen Sturz in die Tiefe kämpft sich das Wasser mit hoher Geschwindigkeit durch verschiedene Höhlen und Windungen des Felses, die es selbst in tausenden von Jahren ausgewaschen hat. Oberhalb der eigentlichen Bahn des Wassers sieht man ausgewaschene Stellen des früheren Verlaufs, die heute lediglich Sprühwasser enthalten. 

In Zwirgi, dem Ausflugsrestaurant oberhalb des Wasserfalls, beginnt der Wanderweg das Tal hinauf entlang des dahineilenden Flusses. Der Weg folgt der Strasse, anfangs steil ansteigend und später flacher, durch Wald und ein grünes Hochtal bis zum Hotel "Rosenlaui", das ebenfalls aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts stammt. Die hohe Jugendstill-Fassade und die ganz in Holz gehaltene Innenausstattung verleihen dem Haus eine gemütliche und gleichzeitig ehrwürdige Note. Hier empfiehlt sich eine kurze Pause, bevor man den letzten Aufstieg zur Gletscherschlucht in Angriff nimmt. 
Diese Schlucht ist eine Sehenswürdigkeit eigener Art. Über einen Höhenunterschied von 150 Metern schießt das Gletscherwasser durch einen Felseinschnitt, der bis zu 20 Meter tief in den Fels reicht. Ein "Einbahn"-Weg führt die Besucher durch die Schlucht, die vom Donner des herabstürzenden Wassers und von Sprühwasser erfüllt ist. Beide Flanken der Schlucht sind bis oben von alten Strudel-Höhlungen durchzogen, in denen in  früheren Jahrtausenden das Wasser getobt hat. Seltsame Felsformationen wie "De Gaulle" (eine Felsnase) oder der "Elephantenkopf" verleihen der Schlucht geradezu individuelle Züge. Der Einschnitt ist teilweise nur ein bis zwei Meter breit, um sich unten wieder zu verbreitern. Wie ein Messer hat sich der Fluss tief in den Fels hineingeschnitten. 

"Walle, walle manche Strecke, daß zum Zwecke Wasser fließe....". Goethes Zauberlehrling wird der Kraft des Wassers nicht mehr Herr. Wenn man die sprudelnden, tosenden, tobenden, stürzenden, alles verschlingenden Wassermassen sieht, wie sie die verschiedenen Wasserfälle dieser Region hinunterstürzen, bekommt man eine Ahnung von der Urkraft des Wassers. Es frisst sich durch Schluchten, spaltet Felsen, wäscht Höhlungen aus, kurz, es bahnt sich über Jahrtausende seinen Weg. Nimmer müde fräst es, schabt es, sägt es in einer beeindruckenden Kontinuität. 
Der Gang durch die Schlucht endet nach etwa 45 Minuten. Dann bietet sich noch eine Wanderung hinauf zum Ende des Gletschers an, der sich heute jedoch in weit größere Höhen zurückgezogen hat, von wo man ihn türkis hinunterleuchten sieht. Wer über ausreichend Zeit verfügt, kann von hier aus zur Engelhorn-Hütte oder - eher bergsteigerisch - zur Dossenhütte aufsteigen. Aber auch der Rückweg durch das Tal bis nach Meiringen ist durchaus zu empfehlen. 

Auf dem Weg nach Brienz erwartet uns noch ein letztes urtümliches Wassererlebnis. Oberhalb des Brienzer Sees schicken die Giessbach-Wasserfälle ihr Wasser in mehreren Stufen spektakulär in die Tiefe. Links und rechts führt ein schmaler Wanderweg hoch. Über eine Brücke entlang der senkrechten Wand gelangt der Besucher sogar hinter den herabstützenden Wasserfall. 
Am Fuße des Wasserfalls lockt das alt-ehrwürdige und vor einigen Jahren vollständig renovierte "Grand Hotel Giessbach" mit weiter Aussichtsterrasse auf See und Fälle, eigener Bootsanlegestelle am Brienzer See sowie einer Drahtseilbahn zum tiefer gelegenen Seeufer. 

Informationen sind erhältlich über: 
Alpen Region Brienz-Meiringen-Hasliberg
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