St. Gallen - Kleinod der Ostschweiz

Die Qumran-Ausstellung in der "Stadt der Erker"
  St. Gallen in der Ostschweiz liegt abseits der bekannten Tourismusgebiete der Schweiz. Skilaufen kann man hier nur in den dank dem nahen Bodensee seltenen harten Wintern und daher steht dieser Ort nicht an erster Stelle auf der Wunschliste der Touristen. Dies hat sich jedoch nicht zum Nachteil des Ortes ausgewirkt, ganz im Gegenteil. Der Ort hat seinen eigenen Charakter bewahrt und strahlt eine angenehme Ruhe aus, ohne deswegen langweilig zu wirken. An erster Stelle der permanenten Attraktionen ist die Kathedrale zu nennen, die - mehrmals abgebrannt und wieder aufgebaut - eine Reihe von Stilelementen in sich vereinigt, wobei der Barock überwiegt. Ein Besuch lohnt sich immer, man sollte jedoch möglichst an einer Führung teilnehmen.

Neben der Kathedrale ist vor allem die alte Stiftsbibliothek zu nennen, die viele einzigartige Originale, z.B. alte Bibeln aus dem ersten Jahrtausend, eine Originalschrift des Nibelungenliedes und viele andere wertvolle Bücher und Folianten enthält. Zwar werden die Bücher in der mit viel Holz ausgestatteten alten Bibliothek heute per Computer verwaltet, man kann aber immer noch das alte Verwaltungssystem mit kleinen Steckkärtchen in den Schranktüren bewundern. Auch diese Attraktion sollten sich Besucher des Ortes nicht entgehen lassen.

Wenn man genügend alte Kultur genossen hat, sollte man durch den Ort bummeln und sich die engen Gassen mit den einzigartigen Erkern anschauen. Im Mittelalter war es ein Sport der begüterten Kaufleute, den Nachbarn mit reichverzierten Erkern zu imponieren und dabei vor allem die eigene Bildung durch aufwendige Schnitzereien aus der griechischen und römischen Mythologie zu zeigen. Die Erker-"Sucht" ging so weit, daß man zu einem gewissen Zeitpunkt den Bau weiterer Erker verbieten mußte. Damals galt das als protzig und neureich, heute als Zeichen alter Baukultur.....

Als aktuelle und flüchtige Attraktion ist derzeit die Qumran-Ausstellung zu nennen, die binnen kurzem bereits 30.000 Besucher angezogen hat. Qumran ist ein kleine Siedlung am Toten Meer in Israel, in der etwa um die Zeitenwende die Sekte der asketischen Essener gelebt hat, von denen man lange wenig wußte. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden dann Beduinen in einer Höhle zufällig alte Schriftrollen, die schließlich ihren Weg ins Museum in Jerusalem fanden. Da die Zusammensetzung aus tausenden kleiner und kleinster Fetzen und die anschließende Interpretation Jahre in Anspruch nahmen, sprossen die Gerüchte, hier werde die Bibel und die Geschichte Jesu auf den Kopf gestellt und der Vatikan wolle die Rollen daher unterdrücken. Die Wirklichkeit war dann wesentlich "langweiliger": Die Rollen bestätigten aufs Wort die Texte der alten Bibelüberlieferung, und auch zu Jesu Leben fand man keine aufregenden Berichte. Dennoch sind diese Rollen ein einzigartiges Zeugnis der Zeit um Christi Leben und Tod und geben Aufschluß über die damaligen Lebensumstände.

Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte sich beeilen, denn die Ausstellung gastiert nur noch bis zum 8. August 1999 in St. Gallen, um dann weiterzuziehen.

Adressen:
Stiftsbibliothek - Qumran
Postfach
CH-9004 St. Gallen
Tel.: +41 71 227 3450
Fax: +41 71 227 3418
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