| Hommage á Visp |
| Die Entdeckung eines Walliser Provinzstädtchens |
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Das Städtchen Visp mit etwa 6000 Einwohnern liegt am östlichen Ende des weiten Rhonetales, dort wo sich die Vispe - zweigeteilt von Zermatt und Saas Fee kommend - in die Rhone stürzt. Die ersten namentlichen Nennungen sind um das Jahr 1000 aktenkundig. Zu dieser Zeit bestand Visp lediglich aus wenigen Gebäuden auf einer kleinen Anhöhe. Die jährlichen Überschwemmungen während der Scheeschmelze machten eine größere und längerdauernde Ausdehnung unmöglich. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Vispe durch Stauseen soweit geregelt, dass die Bevölkerung im Tal einer geregelten Landwirtschaft nachgehen konnten. Heute gleicht der Fluss im Gegensatz zum Beginn des 20. Jahrhunderts einem Rinnsal, da ein großer Teil des Wassers bereits talaufwärts abgezweigt und in andere Landesteile umgeleitet wird. Die Visper Altstadt lehnt sich abseits der Durchgangsstrasse an eine Anhöhe, auf der ein altes Patrizierhaus aus dem 16.Jahrhundert steht, das damals dem Landeshauptmann als Wohnsitz diente. Um dieses Anwesen drängen sich enge Gassen und alte Häuser, deren Bewohner Schutz vor natürlichen und kriegerischen Katastrophen suchten. Der Rathausplatz öffnet sich zu einem weiten, autofreien Carrée und vereint friedlich die historischen Gebäude von Rathaus, Pfarrhaus und Gericht. Mehrmals musste sich die Stadt gegen "feindliche Übernahmen" wehren. Im Jahre 1388 gelang dieses gegen die Savoyarden mit Hilfe absichtlich vereister Zugangswege, Anfang des 19. Jahrhunderts musste man sich jedoch Napoleons Truppen geschlagen geben. Der Korse hat seinen Namen jedoch in einer Altstadtstrasse und einem Café hinterlassen. ![]() Die Ansiedlung des Chemie-Unternehmens Lonza schuf nicht nur nahezu 3000 Arbeitsplätze, sondern gab der Gemeinde auch die Möglichkeit, städtebauliche Akzente zu setzen. Neben der liebevollen Restaurierung der Altstadt ist hier vor allem das Kultur- und Kongresszentrum "La Poste" zu nennen, das heute ein modernes Theater mit 600 Plätzen und einen großen Bankettsaal enthält. Das moderne Gebäude wurde von einem italienischen Architekten entworfen und aus dem grünlichen Quarzit-Stein der nahen Steinbrüche erbaut. Visp ist die einzige Stadt im Wallis, die während der Wintersaison ein durchgängiges Theater- und Konzertprogramm anbietet, beschränkt sich dabei jedoch auf Gastspiele und Tourneen. Vom 14. August bis zum 26. September findet eine Ausstellung mit teilweise noch nie veröffentlichten Bildern des Walliser Malers Raphael Ritz (1829-1894) statt, der kurz vor der Einführung der Fotografie das Leben der Walliser Bauern in Öl festgehalten hat. Im Zuge einer umweltfreundlicheren Wirtschaft hat Visp den Bauermarkt "pürumärt" ins Leben gerufen. Jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr können die Bauern der Umgebung hier ihre Produkte verkaufen, und der obligatorische Weinstand überlebt nach Aussagen informierter Kreise dieses Zeitlimit oft um einige Stunden.... Empfehlenswert ist auch das Druckerei-Museum der Firma Mengis, die seit über 50 Jahren hier ansässig ist und unter anderem den "Walliser Boten" druckt. Ohne öffentliche Zuschüsse oder Anregung haben die Inhaber diese Rückschau auf die Druckkunst mit viel Aufwand und Liebe zum Detail zusammengestellt. Vom alten Babylon über Ägypter, Griechen, Römer und die Mönche des Mittelalters wird die Entwicklung der Schriftkunst bis zu Johann Gutenberg erläutert. Dann geht es weiter mit den verschieden Druckverfahren und Materialien bis hin zu modernen Druckmaschinen und dem zukunftsorientierten Digitaldruck. Eine ausgeklügelte Lichtregie und eine Lautsprecherstimme führen die Besucher Schritt für Schritt durch eine Druckerei-Erlebnis mit verschiedenen Räumen, Exponaten und kurzen Videofilmen. Wer das Rhonetal auf der nächsten Reise nach Italien - über den Simplon-Pass - oder nach Zermatt und Saas-Fee passiert, sollte in Visp eine mehrstündige Pause einlegen. Noch besser allerdings wäre es, diesem Städtchen ein oder zwei Tage zu widmen, um seinen Charme wirklich genießen zu können. Hierfür eignet sich das Hotel "Visper Hof" in der Fußgängerzone der Stadt besonders gut, da es einerseits zentral liegt, andererseits ausreichend gegen den Verkehrslärm abgeschirmt ist. Ein Teil der Zimmer ist von Künstlern der Region gestaltet worden und bietet damit ein individuelles Ambiente. Anmeldung über Tel. +41 (0)27 946 3491, Fax +41 (0)27 946 1036 oder über E-Mail. Die Telefon-Nummer des Verkehrsbüros lautet 0041 (0)27 946 6161. Eine Internet-Seite gibt es auch. |