| Gruppenbild mit Harfenistin |
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4. Kammerkonzert mit Linos-Ensemble |
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Im letzten Kammerkonzert dieses Jahres hatte sich das Staatstheater Darmstadt etwas Besonderes einfallen lassen. Das bis zu neun Spieler zählende Linos-Ensemble, das verschiedene Musikprofessoren zu seinen Mitgliedern zählt, hatte ein Programm mit Kompositionen aus dem frühen 20. Jahrhundert zusammengestellt, aus dem nur der erste Programmpunkt zeitlich herausfiel. Einen wesentlichen Schwerpunkt spielte dabei die Harfe mit der Solistin Maria Graf.
Mozarts Adagio und Rondo KV 617, entstanden im letzten Lebensjahr Mozarts und der blinden Harfenistin Marianne Kirchgäßner gewidmet, läßt sich eher als Gelegenheitswerk bezeichnen, das natürlich typische Mozartsche Züge trägt. Das Quintett besteht aus Flöte, Oboe, Viola, Violoncello und - anstelle der ursprünglich vorgesehenen Glasharmonika - der Harfe. Die Interpretation wirkte anfangs etwas trocken und eher konventionell, da sich das Ensemble anscheinend noch nicht "warm" gespielt hatte. Außerdem bilden solche Mozart-Kompositionen offensichtlich nicht den Schwerpunkt der Gruppe.
Das Linos-Ensemble Claude Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe wirkte dagegen schon wesentlich dichter, vor allem wegen des schwebenden, geradezu elegischen Tons der Querflöte, die Kersten McCall mit weichem und doch vollem Ton und mit sehr viel Einfühlungsvermögen in Debussys Musik spielte. Hervorstechend an diesem Stück sind die ungewöhnlichen Klangkombinationen der drei Instrumente und der tief-melancholische Tenor, den die Solisten überzeugend zum Ausdruck brachten. Dagegen bot Sergej Prokofjews Quintett für Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabaß ein echtes Kontrastprogramm. Das ursprünglich als Ballettmusik für eine Wandertruppe komponierte Werk besteht aus sechs Sätzen - ungewöhnlich - und sprüht geradezu vor Temperament, Witz und rythmischen wie klanglichen Einfällen. Da gibt es auch einmal einen 10/8-Takt, die Violinen werden mit extremen Pizzicati gequält, der Kontrabaß wird bisweilen mehr als Schlaginstrument genutzt oder kommt mit Flageolett-Klängen daher. Für Musiker wie Zuhörer war dieses ein echter "musikalischer Spaß" wie man ihn vorher nur von Mozart kannte. Nach der Pause kam zu Beginn der beliebte und oft gespielte "L´après-midi d´un faune" von Claude Debussy zur Aufführung. Wieder bestach das nun nahezu auf Orchestergröße angewachsene Ensemble - Flöte, Oboe, Klarinette, 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Harfe - durch die dichte Interpretation dieses an Klängen und Assoziationen so reichen Stückes, das ursprünglich als Vorspiel für ein größeres Orchesterwerk geplant war und auf einem Gedicht von Mallarmé beruht. Dem Linos-Ensemble gelang es in hervorragender Weise, die traumhafte, sehnsuchtsvolle und bisweilen schwül-sinnliche Atmosphäre dieses Gedichtes einzufangen, eben die Träume eines Fauns von Nymphen und Nixen an einem heißen Sommernachmittag. Den Abschluss dieses kurzweiligen Programms bildete Maurice Ravels "Introduktion und Allegro" für ein siebenköpfiges Ensemble (Harfe, Flöte, Klarinette, 2 Violinen, Viola und Violoncello). Bei diesem Stück, das man eigentlich als Konzert für Harfe und (kleines) Orchester bezeichnen kann, hatte Maria Graf noch einmal die Gelegenheit, ihr ganzes Können auf ihrem leider zu selten auf der Konzertbhne präsentierten Instrument zu zeigen. Und das tat sie ausgiebig, mit Souveränität und viel Gespür für die Klangwirkung des Instruments selbst und die Umsetzung in die musikalischen Strukturen von Ravels Komposition. Gerade die wechselnde Besetzung sowie die unterschiedlichen Klangfarben und Ausdruckselemente der ausgewählten Kompositionen ließen diesen Abend sehr kurzweilig und abwechslungsreich erscheinen. Das Publikum honorierte die besondere Leistung der Musiker in wechselnden Zusammensetzungen durch lang anhaltenden Beifall und erreichte dadurch, dass der letzte Satz der Ravelschen Komposition als Zugabe noch einmal erklang. |