| Vom Übermut zur Melancholie |
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7. Kammerkonzert mit Christian Zacharias |
Das 7. Kammerkonzert des Staatstheaters Darmstadt am 22. März gestaltete der Pianist Christian Zacharias mit einem Programm, das von der Vorklassik bis zur Spätklassik bzw. beginnender Romantik reichte. Christian Zacharias erschien mit einer seltsamen Mischung aus Selbstbewusstsein und Zurückhaltung auf der Bühne. Gekleidet in einem raffiniert geschnittenen Hemd ohne Frack und Fliege, stellt er sich dem Publikum mit einer verfeinerten Ironie vor, die dem Auftritt so etwas wie Distanz verleiht. Dazu gehören auch die verhaltenen und doch deutlichen Konzentrationsrituale vor den ersten Akkorden.
Das Programm begann mit vier Mozart-Kompositionen, zu Beginn die Fantasie D-Moll. Bereits die einleitenden Läufe der linken Hand überraschten durch ihre bewussten Verzögerungen und Tempowechsel. Fast schien er über diese Bewegungen nachzudenken, und nichts war von dem üblichen Gleichmaß anderer Interpretationen zu spüren. Diese nahezu romantische Deutung behielt er über die gesamte Komposition durch, immer wieder verzögerte er Einsätze und holte dadurch aus diesem Werk eine melancholische Stimmung heraus. Übergangslos wechselte er nach einem weich verklingenden Abschluss-Akkord zum D-Dur des Rondos, als sei dies die natürliche Fortsetzung der Fantasie. Nach dem frischen und lebhaften Rondo folgte eine kurze Pause, da die nächste Fantasie in C-moll stand. Bedeutungsschwer erhoben sich die aufsteigenden Sequenzen zu Beginn und verbreiteten durch ihre Wiederkehr im Laufe des Stückes eine Atmosphäre des "großen C-Moll". Den Abschluss bildete wiederum ein nachdenklich gehaltenes Rondo in F-Dur. Im Anschluss an den Mozart-"Block" präsentierte Zacharias fünf Scarlatti-Sonaten. Diese spätbarocken Kompositionen mit vielen Elementen der Frühklassik zeichnen sich weniger durch ausgefeilte Strukturen als durch hohe Virtuosität aus. Zacharias brachte diese Virtuosität in vollem Umfang zu Gehör, so die virtuose C-Moll-Sonate oder das Marschmotiv in G-Moll (K 108) mit dem direkten Übergang zur nächsten G-Moll-Sonate (K 450), die geheimnisvolle Sonate in C-Dur und als virtuoser Abschluss die G-Dur-Sonate K 455. Beeindruckend war die Präzision, die auch bei den virtuosesten Passagen noch jeden einzelnen Ton der linken Hand wie gestochen ertönen ließ. Es wirkte alles so leicht und unangestrengt, dass man darüber fast die technischen Schwierigkeiten dieser Stücke vergass. Das Publikum war denn auch bereits zur Pause so begeistert, dass Zacharias spontan noch eine Scarlatti-Sonate als Zugabe brachte. Der zweite Teil des Programms wurde vollständig durch Schuberts Sonate G-Dur op. 78 D 894 abgedeckt. Die auch in dieser Komposition zu verspürenden "himmlischen Längen" füllten den Rest des Abends vollständig. Der erste, langsame Satz lebte vom weichen Anschlag des Solisten, der die Melancholie dieses von Akkordgruppen geprägten Teils herausarbeitete. Doch mitten aus diesen fast träumerischen Passagen entwickelten sich die ersten Fortissimi, plötzlich aus den leisen Tönen hervor brechend. Immer wieder beeindruckte das Wechselspiel zwischen verhangenen Akkorden und plötzlichen Eruptionen. Die beiden folgenden Sätze hielten die schwermütige, getragene Stimmung, und Zacharias gelang es durch seine intensive und spannungsvolle Interpretation, das Publikum so gefangen zu nehmen, dass kaum ein Huster zu vernehmen war. Erst der abschließende Satz im Allegretto brachte eine gewisse Belebung, obwohl auch hier durch die Motivwahl eine eigenartig distanzierte und weltferne Stimmung entstand. Zacharias gelang es durch seine äußerst sensible und auf alle spektakulären Effekte verzichtende Interpretation, die melancholische Verinnerlichung dieser späten Schubert-Sonate überzeugend herauszuarbeiten. Das Publikum dankte es ihm durch lang anhaltenden Beifall, den er mit einer weiteren fulminanten Scarlatti-Sonate als zweite Zugabe beantwortete. |