| Hommage an Österreichs Symphoniker |
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1. Orchesterkonzert der Bregenzer Festspiele mit Haydn und Bruckner |
Nach dem Beginn der Bregenzer Festspielsaison mit den Premieren von "La Bohème" und "Of Mice and Men" fiel am Montag, dem 23.7., der Start- schuss für das sinfonische Programm. Unter der Leitung von Kent Nagano, dem in Kalifornien gebo- renen Dirigenten japanischen Ursprungs, spielten die Wiener Symphoniker vor ausverkauftem Haus Werke von Haydn und Bruckner, sozusagen als Verbeugung vor den großen Musikern des Gast- landes.
Haydns Sinfonie Nr. 45, die sogenannte "Abschiedssinfonie", bildete den Auftakt des Pro- gramms. Um diese Sinfonie ranken sich verschie- dene Legenden, die alle den seltsamen Schluss zum Gegenstand haben. Nach dem "üblichen" Presto des Finales erhebt sich unvermutet ein weiteres Adagio, das jedoch unter laufender Aus- zehrung leidet, das heißt, ein Musiker nach dem anderen verlässt das Orchester, bis die letzten Takte - ohne Dirigent - nur noch von zwei Violinen gespielt werden. Laut Legende ein Hinweis auf den Urlaubsbedarf der Musiker am Hofe des Fürsten von Esterhaza. Die Sinfonie steht in der seltenen Tonart fis-moll und verbeitet dadurch eine dunkle Stimmung. Schon der erste Satz wirkt eher getragen als frisch, und das Adagio mit seinen betont leise vorgetrage- nen, gesanglichen Themen verstärkt diesen Ein- druck noch. Lediglich der dritte Satz bricht diese fast düster zu nennende Stimmung etwas auf, jedoch spätestens im langsam verklingenden Adagio am Schluss kehrt diese Grundstimmung verstärkt zurück. Die Sinfonie ist eher kammer- musikalisch angelegt, mit relativ kleiner Besetzung und unter sparsamem Instrumenteneinsatz. Dies gewährleistet hohe Transparenz und prädestiniert das Stück für kleinere Auditorien - eben wie am Sommersitz eines Fürsten - oder als Auftakt eines Programms wie in Bregenz. Auffallend an dieser Aufführung war die geradezu "intime" Stabführung von Kent Nagano. Bei den Einsätzen deutet er nicht nur mit Kopf und Armen zu der jerweiligen Instrumentengruppe, sondern dreht sich mit dem ganzen Körper herum, bisweilen gar bis zum Publikum, wie um Augenkontakt mit seinen Zuhörern aufzunehmen. Seine Hände arbei- ten nicht nur mit dem erhobenen Stab, sondern oft kommen die Zeichen wie versteckt durch ein wei- ches Absenken oder andere, die Musik formende Bewegungen. Dadurch schien sich vor allem im zweiten Satz die Musik in einem kleinen Kreis um Nagano und die Streicher wie in einem magischen Zirkel zu konzentrieren. Nachdem Orchester und Dirigent bereits zur Pause für diese sehr sensible and exakte Wiedergabe der Haydn-Sinfonie außergewöhnlich langen Beifall er- halten hatten, ging es anschließend in voller Beset- zung an Anton Bruckners 7. Sinfonie in E-Dur. Schon die acht (!) Kontrabässe hoch im Rücken des Orchesters verbreiteten eine beeindruckende Wirkung, und der umfang- reiche Bläsersatz davor ergänzte das Bild eines mächtigen Klangkörpers. Der akustische Eindruck bestätigte die opti- sche Wirkung. Von Beginn an nutzte Nagano den Klangkörper des Orchesters in vollem Umfang, ohne dadurch jedoch die Durchsich- tigkeit zu opfern. Auch in den expressivsten Passagen, so im ersten und im letzten Satz, blieben die einzelnen Stimmen jederzeit erkennbar und die einzelnen Instrumente wur- den so sparsam geführt, dass nie die Gefahr eines allgemeinen Klangbreis aufkam, was bei Bruckner leicht passieren kann. Auch die Tempi wurden im Sinne eines kompakten Gesamteindruckes gestrafft, ohne deshalb zu forciert zu wirken. Nagano gelang es, den Eindruck eines stetigen und entschlossenen Fortschreitens zu kreiieren, genau auf dem schmalen Grat zwischen beginnender Trägheit und flüchtiger Eile. Bruckner ist nur auf die- sem schmalen Band zu ertragen und kann leicht zu behäbig wirken. Spielt man ihn jedoch zu leichtfüssig und schnell, geht der vom Komponisten beabsichtigte hymnische Gestus verloren. Nachdem der letzte Akkord fast überraschend verklungen war, benötigte das Publikum lange Sekunden, um sich zu fangen, dann jedoch brach ein begeisterter Beifall mit vielen Bravo- Rufen vor allem für Nagano aus. Nagano musste sich etliche Male vor seinem Orches- ter präsentieren und reichte den Dank des Publikums artig an seine Mitmusiker weiter. Weitere Aufführungen mit den Wiener Symphonikern wird es am 30. Juli (Verdi) und am 5. August (Beethoven, Schubert, Mozart) geben. |