| Luftschlösser, Lügen und Langusten |
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Eine mitreißende Gesangsshow mit Leonore Endreß |
Das Darmstädter Staatstheater erarbeitet von Zeit zu Zeit auch neben dem Tanz/Theater eigene Produktionen, die nicht auf extern erarbeiteten Texten oder Partituren basieren. Dazu gehören auch Gesangsabende mit unterschiedlichen Themenprofilen. Am 27. April präsentierten Leonore Endreß (Gesang und Darstellung) und Kapellmeister Michael Erhard mit seiner Band eine breite Palette von Songs, die sich alle um das uralte Thema der Geschlechterbeziehungen drehen. Das Motto "Luftschlösser, Lügen und Langusten" verweist dabei auf die (Ent-)Täuschungen, die man bei diesen Beziehungen erlebt, und auf den Genuss, den sie bieten können.
Das Programm vereint so unterschiedliche Autoren wie den Altmeister der Musiksatire Georg Kreisler, den Altrocker Udo Lindenberg, die Mädchenband Tic Tac Toe, Erich Kästner und Maurice Ravel (!), um nur die bekannteren Namen aufzuführen. Beginnt das Programm noch verhalten, ja fast ein wenig melancholisch mit einem musikalischen Blick Udo Lindenbergs aus der Bühnenperspektive auf die Zuschauer, so mischt bereits Georg Kreislers "Wenn die Mädchen nackt sind" vor allem die Männer mit einer treffsicheren Satire auf. Es folgen emanzipatorische, ja fast aggressive Abgesänge auf die männlichen Helden, wobei vor allem die "Würschtl-Elli" mit ihrem reslouten Wesen die Männer das Fürchten lehrt. Nach einem todtraurigen Song des Mädchens, das "nie dabei ist", wo die Post abgeht, endet der erste Teil mit einer fulminanten Stehparty-Satire frei nach Maurice Ravels Bolero. Der zweite Teil beginnt mit der Koketterie eines Stars mit dem angeblich so "lästigen" Star-Rummel, um dann wieder einige deutliche, Attacken auf die Männer zu fahren (Verpiss Dich, Schlecht im Bett). Zwischendurch darf Georg Kreisler wieder satirisch über die Rache einer Schauspielerin an einem bösartigen Kritiker berichten, und der anschließende "Baby-Rap", aus knieender Kleinkind-Pose dargebracht, weckte wahre Lachstürme im Publikum. Die Ballade auf den verlorengegangenen Liebhaber "Erich" (Georg Kreisler) leitet dann zu einigen surrealistisch blödelnden Liedern wie "Zwirch und Zwabel" und "Blödie Liedie" über, ehe Leonore Endreß mit "Zehn Frauen" von Erich Kästner den wirklich passenden Abschluss lieferte.
Denn Leonore Endreß präsentiert in dieser Show wirklich 10 Frauen, und dazu Babies und zahnlose Smalltalk-Experten, Machos und andere Exemplare der menschlichen Spezies. Bewundernswert, wie sie sich in die einzelnen Rollen hineinversetzt, wie schnell sie die Attitüde und seelisch-geistige Befindlichkeit wechseln kann, und dies sogar meisterlich im Stehparty-Quartett zur Bolero-Musik mit wechselnden Personen.
Offensichtlich beflügelte Leonore Endreß auch die begeisterte Reaktion des Publikums, denn sie steigerte sich zusehends von Stück zu Stück, wurde immer dynamischer, ging aus sich heraus und changierte blitzartig zwischen bösartig-aggressiver, wehleidig-klagender und zynischer-bitterer Pose. Außerdem nutzt sie den Bühnenraum zu ausdrucksvollen Bewegungen bis nahe an den Tanz heran, legt sich in bekannter Pose auf Michael Erhards Flügel oder schlägt mit Stühlen um sich. Bei diesen wohl einstudierten, Raum greifenden Abläufen wirkt ihr nicht unbedingt graziler Körper leicht und beweglich. Sie scheut auch vor extremer - sprich "unweiblicher" - Mimik und Gestik nicht zurück und führt ein sehr lockeres Wort, was die Benennung der Details von "Thema Nr.1" zwischen den Geschlechtern betrifft. Doch das mittlerweile abgehärtete Publikum störte sich keineswegs daran, sondern forderte nach dem Schluss mit "standing ovations" sogar noch drei Zugaben ein, die weitere Einblicke in ihre Darstellungsmöglichkeiten gaben. |