| Die Perle Anna |
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Komödie von Marc Camoletti |
Die Perle Anna Komödie von Marc Camoletti
Regie: Dieter Rummel Natürlich bringt Bernard seine Frau liebevoll zum Bahnhof, wo sie sich bereits heimlich mit ihrem "Chéri" verabredet hat, und sorgt auch dafür, dass Anna mit ihnen zusammen die Wohnung verlässt. Das Licht verlöscht..... Als erste tappst Anna in die dunkle Wohnung zurück, da ihr die 500 Francs Reisegeld zu schade zum Verfahren schienen. Sie schnappt sich, vermeintlich der Herrschaft los und ledig, die Calvados-Flasche und begibt sich in ihr Zimmer, nicht ohne vorher wieder das Licht zu löschen... In die wiederum dunkle Wohnung stolpern jetzt Claudine und ihr Freund Robert, Boxer seines Zeichens und offensichtlich etwas tumb. Während Claudine erwartungsvoll einer sündigen Liebesnacht entgegenfiebert und sich in frivolen Bemerkungen ergeht, druckst Robert nur herum, man sei besser zu ihm gegangen, ihm sei es hier unangenehm, vielleicht komme ja der Ehegatte...... Natürlich platzt in dieses etwas holprige Tète-à-tète die nichtsahnende Anna hinein, und schnell durchschaut sie, dass der von der peinlichst berührten Claudine flugs zum alten Jugendfreund umdefinierte Robert andere Dinge als wichtige Gespräche mit Claudine zu erledigen hat. Und ihre reaktionsschnell vorgetäuschte Begriffsstutzigkeit bezüglich der Geheimhaltung dieses Zusammentreffens lässt sich nur mit einigen Scheinen der Ehebrecher "in spe" beseitigen. Als nun das ungleiche Paar endlich im Schlafzimmer verschwindet und Anna wieder unter Löschen des Lichtes in ihr Zimmer gegangen ist, tauchen natürlich die letzten beiden Turteltauben auf - Bernard und Catherine (Simone Denzel), eine junge, noch etwas naive und heiratswütige Frau. Während sie ihr künftiges Heim inspiziert und zu Bernards Entsetzen von Heiraten und Neueinrichten spricht, überlegt dieser verzweifelt, wie er ihr die zeitliche Begrenzung ihres Aufenthalts in diesen Räumen klarmachen soll. Und dabei sind dem Autor die haarsträubendsten Ausreden eingefallen, die sich so ein in Bedrängnis geratener Liebhaber nur ausdenken kann. Da soll neu tapeziert werden, obwohl die Wohnung offensichtlich gerade erst renoviert wurde, da werden seltsame, wandernde Löcher in der Wand erfunden, die niemand sieht und die den Schall schlucken..... Dieter Rummel kann hier richtig vom Slapstick-Leder ziehen. Klar, dass auch hier wieder Anna nichtsahnend hereinplatzt und sofort das ganze Ausmaß der Katastrophe erfasst. Aus unerfindlichen Gründen (wahrscheinlich, um dem Autor die Geschichte nicht zu versauen) beschließt sie jedoch, die verirrten Ehepartner nicht auffliegen zu lassen, sondern die Ehe zu retten, indem sie ein Zusammentreffen der beiden Paare verhindert. Fortan klappen viele Türen, und wenn die eine Partei gerade den Raum verlassen hat, erscheint auch schon die andere, oft nur um Sekundenbruchteile an der peinlichen Offenbarung vorbei. Da verschwindet eine eben noch halb volle Whiskyflasche, um dann auf einmal wieder leer dazustehen, da werden Nachtgewänder des jeweiligen Ehepartners großzügig an die neue Bekanntschaft verteilt, und da gibt es eine Menge hingehaspelte Versprecher vor allem von Bernard und Anna, die das junge Mädchen in dem Glauben lassen wollen, es handele sich bei Bernard um einen heiratspotenten Junggesellen....Wir wollen an dieser Stelle nicht mehr verraten, nur, dass vor allem der zweite Teil - nachdem der Plot einmal gestellt ist - mit viel Tempo und Situationskomik aufwartet und entsprechende Lachsalven im Publikum hervorruft. Die Komik wird noch dadurch verstärkt, dass Dieter Rummel die Perle Anna im schönsten Hessisch reden lässt. Das ist für ein französisches Dienstmädchen in Paris zwar etwas unwahrscheinlich, aber was soll´s, das Lokalkolorit macht sich hier in Darmstadt sehr gut. Ilona Goldmann füllt diese Rolle mit viel Witz und Temperament und holt sich so manchen Szenenapplaus. Hervorragend wieder Marie-Luise Thüne, die der auf Abwegen wandelnden Claudine einen nuancenreichen Charakter verleiht. Wie bereits in "Unbekannt verzogen" schafft sie mit Leichtigkeit den Sprung aus der reinen Bühnenrolle in die Erschaffung einer gewissen Realität. Ihre Claudine wirkt nie gespielt oder gar getextet, sie ist genau die Frau, die man sich in dieser Rolle vorstellt. Sie beherrscht all die Gestik und Mimik, die aus einer Rolle eine mit Leben erfüllte Person enstehen lassen. Kurz, es ist ein Genuss, ihr beim Spielen zuzuschauen. Simone Denzel spielt eine etwas überdrehte Catherine, impulsiv und lieb, später zunehmend zickig, und Dieter Rummel liefert als Bernard einen souveränen Part als betrogener Betrüger ab. Robert wurde in der Premiere wegen Krankheit von Michael Schober von einem Vertreter gespielt, der sich den Umständen entsprechend gut einfügte, in den Folgeveranstaltungen wahrscheinlich jedoch nicht mehr zu sehen sein wird. Alles in Allem eine pfiffige Komödie, die gute Unterhaltung bietet.. Vorstellungen täglich um 20.15 - außer montags - , samstags um 20 Uhr.
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