Unbekannt verzogen

Komödie von Michael Pertwee

DIE KOMÖDIE - TAP -
Theater am Platanenhain
Bessunger Straße 125 - Darmstadt
Tel.: 06151/3 35 55 und 3 35 56

Unbekannt verzogen

Komödie von Michael Pertwee

mit

    • Simone Denzel, Sandra Russo, Marie-Luise Thüne, Anette Straub, Dieter Rummel

    Regie: Dieter Rummel

Jay (Dieter Rummel), ein erfolgreicher Geschäftsmann im besten Mannesalter, will aus seinem bisherigen Leben "aussteigen". Sowohl Beruf als auch die Ehefrau gehen ihm auf die Nerven, und so hat er sich heimlich ein kleines Appartement gemietet, in das er sich zurückzuziehen gedenkt, ohne von Frau und Weib belästigt zu werden....

Anette Straub und Dieter RummelGenüsslich tätigt er von seinem Telefon einige letzte Anrufe, um dann das Alleinsein zu genießen, als plötzlich eine junge Frau (Sandra Russo) in recht unbekümmerter Aufmachung in sein trautes Heim einbricht und ungeniert nach irgendwelchen Dingen sucht, als sei sie hier zu Hause. Kaum hat er mühsam herausgebracht, dass sie die etwas "durchgeknallte" Nachbarin ist, die hier offensichtlich nur nach einem geeignet Mittel zur Selbstentleibung sucht, und sie ebenso nonchalant zwecks weiterer Disposition ihres Freitods in ihre Wohnung geschickt, klingelt es schon wieder. Diesmal ist es seine Noch-Ehefrau Sonja (Simone Denzel), aufstrebende Schauspielerin, die mit detektivischer Hilfe seine neue Bleibe herausgefunden hat und ihm nun mit allen Varianten weiblicher List und Empörung außereheliche Gelüste unterstellt, die sie ihrerseit allerdings bereits seit einiger Zeit mit einem italienischen Regisseur befriedigt.

Doch mit dieser doppelten weiblichen Zumutung hat Jay den Kelch noch nicht bis zur Neige ausgekostet. Hat er bisher noch die Situation mit lakonischem Humor gemeistert, die junge Nachbarin mit maßvollen Worten vom vorschnellen Griff zum Fleischmesser abgehalten und die zeternde Ehefrau auf psychologischer Armeslänge gehalten, da muss er in kurzer Folge noch den Besuch seiner ersten Ehefrau Rose (Marie-Luise Thüne) und seiner Sekretärin Mary (Anette Straub) über sich ergehen lassen. Versteht sich natürlich, dass beim Eintreffen der neuen Weiblichkeiten die vorherigen sich noch in verschiedenen Räumlichkeiten der kleinen Wohnung aufhalten. Der Zusammenstoß der emotionalen Urgewalten ist also nicht mehr aufzuhalten, und Jay erwartet die Katastrophe mit typisch britischer Gelassenheit, ja, man könnte sagen Schicksalsergebenheit.

Rose, die ehemals den geistigen Getränken sehr geneigt war und Jay gegen George eingetauscht hatte, hat sich mittlerweile dem HERRN ergeben und möchte auch Jay für IHN gewinnen. Jay in seiner vorgespielten Begriffsstutzigkeit verwechselt permanent IHN mit George, und dies bringt sichere Lacher aus dem Publikum. Im Verlauf der fortschreitenden Komplikationen erweist sich die scheinbar so verhärmte Mary als sex-süchtiger Vamp mit Jay-Fixierung und Rose als in jeder Beziehung rückfällig. Nebenher hat Jay noch mit der Messer schwingenden Sonja und der mit dem Freitod mehr liebäugelnden als ringenden Darlene - seiner Nachbarin - zu kämpfen.

Wir wollen dem potentiellen Zuschauer hier nicht alle Einzelheiten dieser Boulevard-Komödie verraten sondern ihm/ihr lieber den Besuch empfehlen. Diese Komödie ist wirklich von leichter Hand verfasst und kann leicht auf all die anzüglich-direkten Plattitüden manches anderen Stücks dieser Gattung verzichten. Der Witz liegt hier mehr im Wort als in der Hose, und die Charaktere sind locker und doch treffend gezeichnet.

Simone Denzel und Sandra RussoSimone Denzel brennt als Sonja das typische Feuerwerk einer verwöhnten, egozentrischen Frau ab, die  (von den Männern) immer bekommen hat, was sie wollte, und die nicht verträgt, dass ein Mann sie verlässt, den sie sowieso verlassen hätte. Sandra Russo spielt die etwas schräge und doch liebenswerte Nachbarin mit viel jugendlicher Aufrichtigkeit und Naivität, und die neu im TAP-Ensemble spielende Anette Straub zelebriert die Wandlung eines scheinbar verkümmerten Mauerblümchen zum Alles wagenden Vorstadt-Vamp. Die wahre Entdeckung ist jedoch die ebenfalls neu hinzu gekommende Marie-Luise Thüne. Mit ihr gewinnt das TAP plötzlich scheinbar mühelos eine neue Ebene der schauspielerischen Darstellung. Mit welcher Leichtigkeit sie die so verschrobene wie zielsichere Rose spielt ist schon bewundernswert. Jede Geste sitzt, nichts wirkt aufgesagt. Man könnte meinen, man sei im richtigen Leben und nicht im Boulevard-Theater. Ihr Glanzstück liefert sie dann als die zunehmend vom Gin zu zungenschweren Tiraden Inspirierte. Auch wenn man einschränkend einwenden möchte, dass diese Szenen immer schon dankbare Abnehmer fanden, übertreibt sie hier nie über die Lächerlichkeitsgrenze hinaus und kann dem weiblichen Suff sogar noch ein Stück Grazie abgewinnen. Diese Frau ist wirklich ein Gewinn für das Ensemble.

Wer sich einen vergnüglichen Abend gönnen möchte, dem sei diese Komödie empfohlen.

Vorstellungen täglich um 20.15 - außer montags - , samstags um 20 Uhr.  
Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr.  
Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56