| Saxophon pur im Quartett |
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10. Kammerkonzert mit dem "Saxofourte"-Ensemble |
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Zum Ende der Saison bot das Kammerkonzert-Prog- ramm des Staatstheaters Darmstadt noch einmal etwas leichtere Kost, was jedoch nicht mit geringerem Anspruch einherging. Die vier Saxophon-Spieler des "Saxofourte"-Ensembles Thomas Sälzle (Sopran), Dieter Kraus (Alt) Guntram Bumiller (Tenor) und Ralf Ritscher (Bariton) präsentierten einen Querschnitt durch die Musikliteratur verschiedener Epochen sowie Stile und zeigten, dass man bekannte Stücke auch einmal ganz anders, nämlich mit einer reinen Saxo- phon-Gruppe, präsentieren und dabei den jeweiligen Kompositionen völlig neue Aspekte abgewinnen kann.
Das "Saxofourte"-Quartett Schon der Auftritt unterschied sich deutlich vom her- kömmlichen Kammerkonzert, marschierten die vier Musiker doch spielend durch den Zuschauerraum auf die Bühne. Dazu hatten sie ein Streichquartett eines belgischen Komponisten des 19. Jahrhunderts auf vier Saxophone umgeschrieben. Das Programm selbst begann dann mit einer Verbeu- gung vor Johann Sebastian Bach, und zwar mit Präludium und Fuge Nr. 23 in H-Dur. Das im Vergleich zu anderen Vorspielen des "Wohltemperierten Klaviers" eher verhaltene Präludium interpretierten die Musiker mit viel Gespür für die leisen Töne, während sich in der Fuge die einzelnen Stimmen dank der unterschiedlichen Instrumentenlagen sehr deutlich herausschälten. Einem eigenwilligen Stück von Glasunow, eigens für vier Saxophone geschrieben, folgte eine Komposition von Philip Glass, deren stetig wiederkehrenden Mini- Motive gerade durch die satten Saxophonklänge einen dichten Klangteppich erzeugten. Nach dem expressi- ven "Song for Tony" von Michael Nyman, komponiert anlässlich des Todes eines guten Freundes, war wieder Bach "Vater" an der Reihe, und zwar mit der "Badinerie" aus der zweiten Orchestersuite in h-moll. Diesen Konzert-"Renner" präsentierte das En- semble in außergewöhnlich hohem Tempo, wohl auch, um gar nicht erst nostalgische Bach- Stimmung aufkommen zu lassen. Unvermutet erklang das bekannte Stück nach einem eher herkömmlichen Beginn plötzlich im Jazz-Kleid, mit starker Synkopierung und expressiver Into- nation, ehe es - erst ganz zum Schluss, wieder in den Bachschen Originalton verfiel. Eine mitrei- ßende Interpretation dieses so beliebten Stückes. Den Abschluss des ersten Teils bilde- ten die Musik aus dem Fil "Das Piano" von Michael Nyman sowie John Grahams "The Devils Pulpit". Der zweite Teil begann mit einer ausgedehnten Tour durch Leonard Bernsteins "West Side Story", bei der vor allem die rhythmischen Ele- mente beeindruckten. Zwei Stücke der Tango- Könige Astor Piazolla und Luis Borda entführten die Zuschauer in die melancholische Welt süd- amerikanischer Musik, bevor Ralf Ritscher auf seinem Bariton-Saxophon mit Mike Mowers "The Morning" ein eigenwilliges Solo zur exakten Begleitung seiner Kollegen präsentierte. Dem schloss sich eine Auswahl aus Gershwins "Porgy and Bess" an, und hier hatten die Musiker Einer nach dem Anderen die Gelegenheit, ihre lyrischen Fähigkeiten und die Ausdrucksbreite ihrer Instrumente unter Beweis zu stellen. Die bekannten Themen aus diesem modernen Ever- green der Opernliteratur gaben die leidvollen Emotionen der Protagonisten glaubwürdig wider, ohne jemals in bloße Sentimentalität zu verfallen. Das verhinderten allein schon die eigenwillige Harmonik und Rhythmik, die den schmerzlichen Duktus der Melodiebögen geschickt kompensier- ten. Den Abschluss des Programms bildeten drei Kompositionen Astor Piazollas, bei denen vor allem der höchst emotionelle "Libertango" beein- druckte, der nicht umsonst den Schlusspunkt bildete. Klar, das damit noch nicht Schluss war, denn das Publikum forderte stürmisch durch an- haltenden Beifall weitere Zugaben. Dabei erntete das Ensemble vor allem mit einem Stück der "Biermösl Blasn" viele Lacher, als sie mit weiß- blauen Klemmbrettern auftraten und die Eigenart der typischen Bayerischen Blaskapellen auf hohem musikalischen Niveau parodierten. Bemerkenswert bei diesem Konzert waren auch die launigen Ansagen von Ralf Ritscher vor und vor allem von Guntram Bumiller nach der Pause, die für zusätzliche Heiterkeit sorgten. |