Programm abseits ausgetretener Pfade

6. Kammerkonzert mit selten gespielten Klavier-Trios
Am 7. Februar gastierte das Wiener Klaviertrio mit Stefan Mendl (Klavier), Wolfgang Rednik (Violine) und Matthias Gredler (Violoncello) mit einem Programm, das statt bekannter "Renner" eher vergessene Werke präsentierte und damit wieder einmal bewies, das viele Kompositionen zu Unrecht aus dem Repertoire der meisten Ensembles verschwunden sind. Schon der un- prätentiöse Name des Trios drückt die musika- lische EInstellung der drei jungen Männer aus: die Musik steht im Mittelpunkt, nicht die Inter- preten.


v.l.n.r.: Matthias Gredler (vc), Stefan Mendl(pn) und Wolfgang Redik (vn)

Den Beginn machte Beethoven, ein nicht unbe- dingt unbekannter Komponisten. Seine 14 Variationen, entstanden etwa 1792 im Alter von zweiundzwanzig Jahren, zeichnen sich durch einen frischen, fast schlichten Stil aus, der noch nicht geprägt ist von der kompromisslosen "Entschlackung" der späteren Jahre. Dennoch tauchen schon hier Ansätze des autonomen, sich einfachen Assoziationen verweigernden Wesens Beethovenscher Musik auf. Die drei Musiker interpretierten dieses Stück zupackend, ohne Schnörkel, und ohne mehr hinein zu geheimnissen als darin verborgen ist. Gerade diese transparente und fast etwas spröde Dar- bietung wurde dem Jugendwerk am ehesten gerecht und spiegelte etwas von der Geradlinig- keit Beethovens wider.

Als zweites Werk hatte man eine fast verges- sene Komponistin ausgewählt, die Anfang des letzten Jahrhunderts einen schweren Kammpf gegen die chauvinistischen Vorurteile einer kleinkarierten Männerwelt zu kämpfen hatte. Rebecca Clarke, geboren 1886 und erst 1979 gestorben, studierte gegen den Willen ihres Vaters Musik und die Geige - später Bratsche - und konnte ihre ersten Erfolge als Komponistin nur unter einem Männer-Pseudonym erzielen. Das Klaviertrio aus dem Jahre 1921 ist das einzige Werk dieser Gattung und errang bei einem öffentlichen Wettbewerb den 2. Preis. Es lässt deutlich den Einfluss der Klangmalereien der französichen Impressionisten erkennen. Vor allem Ravel war für Rebecca Clarke in dieser Beziehung ein Vorbild. Im ersten Satz wandern die Motive wie ine einem Frage-Antwort-Spiel durch die Instrumente, und schon hier zeigen sich eigenwillige harmonische und motivische Konstellationen.

Rebecca Clarke (1927)

Im Andante molto semplice des zweiten Satz weitet Rebecca Clarke die Klangma- lereien aus und schafft eine ganz dichte, fast hoch romantische Atmosphäre. Der 3. Satz dagegen lässt wieder die Gegensätze aufeinander prallen, sowohl harmonisch mit eigenwilligen Klängen als auch bei der Spannweite der Ausdrucksstärke. In die- sem Satz schlägt sich ihr Kampf gegen Vorurteile und um Anerkennung nieder. Die drei Wiener Musiker setzten dieses so spannungsreiche Werk mit viel Gespür für Tempi und Klangfülle um, ohne dabei die Transparenz aus dem Auge zu verlieren. Das Publikum entließ sie mit beeindruck- tem Beifall in die Pause.

Den Schluss bildete dann die Endfassung Johannes Brahms´ Klaviertrios H-Dur, das dieser als Zwanzigjähriger komponierte und später überarbeitete. Das viersätzige Werk beginnt mit dem bekannten gesang- lichen Thema des ersten Satzes, um im Scherzo des zweiten Satzes ausgelasse- ner und spritziger zu werden. Das Adagio besticht durch seine Innigkeit fernab jeder Sentimentalität, und der vierte Satz bietet ein zupackendes, temporeiches Finale.

Die drei Musiker liefen in dieser Interpreta- tion noch einmal zu Hochform auf und boten eine in jeder Phase ausgewogene, von Pianist Stefan Mendl aufmerksam und doch unauffällig geleitete Ensemble Leis- tung. Kein Instrument dominierte, vor allem Mendl am Flügel ließ seinen beiden Kolle- gen genug akustischen Raum zur Entfal- tung ihres Spiels, das besonders beim Cellisten Gredler durch seinen vollen und doch warmen Ton überzeugte.

Der begeisterte Beifall des Publikums bewog die Musiker, mit dem 2. Satz aus Schuberts B-Dur-Trio noch eine Zugabe zu spielen, die fast schon wieder ein eigener vollwertiger Programmpunkt war und deshalb noch einmal anhaltenden Beifall auslöste