| Temperamentvolle Lady mit frechen Liedern |
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Premiere von "Cabaret Paris" im TAP |
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Das freche, frivole Lied, mit Vorliebe gesungen von frivolen bis libertinösen Frauen, nimmt einen Stammplatz im Repertoire der Kleinkunst ein. Namen wie Claire Waldorf und Edith Piaf als Interpreten, Friedrich Hollaender und Georg Kreisler als Komponisten sind mit ihm verbunden. Im Französischen heißt es "Chanson" und gewinnt dann noch an Leichtigkeit und Verführung.
Das Trio Yvonne Vogel (Gesang), Jens Horn (Gitarre) und Helmut Goll (Akkordeon) hat sich auf diese Kunstgattung spezialisiert und präsentierte am 19. Februar im Darmstädter TAP sein neues Programm. Gleich zu Beginn sorgt die Truppe für eine Überra- schung, wenn die Musik von den Bühnenlautspre- chern schallt und niemand die Künstler entdeckt. Dann nahen sie singend und spielend aus dem Rückraum des Parketts, Yvonne Vogel begrüßt einige Besucher im Vorbeigehn persönlich, fast wie alte Freunde, und dann setzt man das Programm auf der Bühne fort. Yvonne Vogel ist ein Multitalent. Souverän wechselt sie von der leichtlebigen Soubrette zur kessen Ber- linerin der 20er, dann wieder zur verruchten Halb- welt- "Dame", um dann plötzlich als schusslig-ver- liebtes Mädchen aufzutreten. Mit einem Minimum an zusätzlicher Garderobe - mal ein Jahrhundert- wende-Hut, mal eine Küchenschürze, eine blonde Gretchen-Perücke, ein französisches Käppi - wech- selt sie den Charakter und das Sujet. Da kann ihr dann auch einmal ein französchischer Offizier unterlaufen, den sie mit Offizierskäppi und stram- mer Haltung karikiert. Dazu liefert sie immer die passende Mimik, so dass man jedes Mal einen anderen Menschen vor sich sieht. Ihr schauspielerisches Temperament lässt sie alle diese Rollen mit Bravour und über- zeugender Wirkung interpretieren. Die Texte sind bei diesen Liedern das A und O - neben der mimischen Darstellung. Vom frivolen Chanson über die spottvolle Beschrei- bung des ewigen Verlierers bis zur satirischen Kritik gesellschaftlicher und vor allem männli- cher Fehler ist alles vertreten. Und vor allem ältere Besucher erkennen viele alte Lieder wieder, die schon verschollen schienen, so die Beschwerde über "dem Erwin seine unanstän- dige Lust". Zwischendurch lockert sie die Abfolge der Songs auf durch kleine Gedichte à la Ringel- natz oder durch Schüttelreime wie "Männer die Wert auf Weiber legen, tun dies meist der Leiber wegen". Das alles macht sie mit viel Spaß an den Texten und temperamentvollem Einsatz. Ihre beiden Begleiter assistieren ihr dabei mit solidem Spiel und wagen sogar einige subversive Aktionen, so wenn Helmut Goll immer wieder partout "Ach Egon, Egon, Egon......." spielen will. Am Ende darf er es dann auch als Zugabe, nachdem er mit Jens Horn zusammen zwecks Schonung der weib- lichen Stimme einige virtuose Instrumental- einlagen dargeboten hat. Noch schöner wäre es, wenn auch die Männer sich hin und wieder mal gesanglich betätigen würden, allein des Kontrastes und der Abwechslung wegen. Aber auch so ist es ein wirklich unterhalt- samer und wie im Fluge vergehender Abend, und die Lieder hängen einem noch eine Stunde danach in den Ohren. Das allein ist schon Lob genug für die Darsteller. Die nächste Vorstellung findet am 26.2. im TAP statt. Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr. Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56 |