| Märchenhafter Tanz |
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"Schneewittchen" - Ballett von Ben van Cauwenbergh |
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Die Story ist bekannt: Der „Spiegel an der Wand“ lügt nicht: er sagt der eitlen Königin (Carolina Vivet), dass ihre Schönheit gegen die ihrer Stief- tochter verblasst. Damit schürt er Neid und Hass in ihrem bösen Herzen. Ein Jäger soll Schneewittchen (Irena Veterova) in den Wald führen und töten, doch er hat Mitleid und lässt sie entkommen. Sie findet Unterschlupf und Schutz („hinter den sieben Bergen“) bei den sieben Zwergen. Doch wieder verrät es der Spiegel: Schneewittchen lebt und ist noch immer die Schönste im ganzen Land. Das macht die Königin rasend: als alte Frau verkleidet erscheint sie vor dem Zwergenhaus und vergiftet das Königskind mit einem verzauberten Apfel. Die tief trauernden Zwerge bahren sie in einem gläser- nen Sarg auf, und wie durch ein Wunder (und weil es im Märchen immer unglaubliche Zufälle gibt) erweckt ihr geliebter Prinz sie wieder zum Leben; bald darauf läuten die Hochzeitsglocken, und die böse Königin erhält die gerechte Strafe.
Neu sind bei dieser Aufführung die Inszenierung, das Bühnenbild und die Kostüme. Für die Inszenie- rung ist Ben van Cauwenbergh verantwortlich – er hat für das Ballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Musik von Philip Glass ausgewählt, eine sehr romantische und gefühlvolle Vorgabe für ausdrucksstarken Tanz. Im Bühnenbild und den Kostümen hat van Cauwenbergh den Märchenstoff nur soweit zeitgenössisch umgesetzt, dass der Inhalt nicht entfremdet wirkt: die uralte Geschichte wird musikalisch, bildhaft und tänzerisch mit einer solch verträumten Leichtigkeit erzählt, dass es der Zuschauer geniesst, für wenige Stunden ein bisschen Kind sein zu dürfen. Das Bühnenbild von Bill Krog erscheint zunächst sehr futuristisch – es besteht aus mehreren ringförmig angeordneten Bahnen weisser, flatternder Bänder, die sich mit- und gegeneinander bewegen lassen. Durch die Projektion einer Schlossansicht oder eines grün leuchtenden Waldes wird aber an die traditionelle Kulisse angeknüpft und es entsteht ein majestätisches Hintergrundbild. Auch in den Kostümen von Dorin Gall spiegelt sich Altes wie Neues wieder: während Schneewittchen im altbekannten gelb-violetten Kleid auftritt, trägt die Königin ein hautenges, tiefrotes Lackgewand; die Zwerge sind in Latex-Zipfelmützen und voluminöse bunte Fellhosen gekleidet. Die Zwerge haben nicht nur wunderbare Kostüme, sie sind so herrlich ungeschickt und liebenswert, dass selbst Schneewittchen wenig dagegen zu setzen hat. Und den Männern, die im Theater öfters mal „nur kurz die Augen zumachen“, denen sei schon jetzt gesagt: AUGEN AUF! Die letzte Szene bietet eine grosse Überraschung, an der Sie Gefallen haben werden – die sollten Sie nicht verschlafen! Anna Raudszus |