"Internet-Romanze"

Komödiantisches Doppelprogramm

DIE KOMÖDIE - TAP -
Theater am Platanenhain
Bessunger Straße 125 - Darmstadt
Tel.: 06151/3 35 55 und 3 35 56

"Internet-Romanze"

Komödiantisches Doppelprogramm

mit

Ilona Goldmann, Natalie Raggi, Oliver Lembki, Joachim Rudolph und Dieter Rummel Die junge Steuerberaterin Terry wohnt mit ihrer verwitweten Großmutter Julia zusammen, die sie nicht aus den Augen lässt und jeden Mann als Gefahr für ihre Zweisamkeit betrachtet. Folgerichtig kämpft sie mit allen Mitteln gegen Terrys drohende Hochzeit mit dem so vegetarischen wie eindimensionalen Bodybuilder Ira. Wenige Häuser weiter verbringt der schon etwas angejahrte und arbeitslose Benny seine Tage damit, in einem Internet-Café mit irgendwelchen Leuten zu chatten, sich dabei als jugendlichen Potenzbolzen auszugeben und  nebenbei dem kellnernden Schauspieler Don mit seinen Online-Eskapaden gehörig auf die Nerven zu gehen. Als Terry ihrer Großmutter einen Laptop mitbringt, damit sie  in ihrer Einsamkeit über E-Mail mit ihrer Enkelin und anderen Leuten kommunizieren kann, zeichnet sich das Plot des Stücks so langsam ab.

Während der graumelierte Benny schon recht professionell im Internet umhersurft und virtuelle Anmache betreibt, nähert sich die der Technik nicht unbedingt zugetane Julia dem PC nur widerwillig und in langsam enger werdenden Kreisen, um letztlich aus purer Langeweile mit dem komischen Ding zu spielen und plötzlich - oh Wunder! - in einer Chat-Runde zu landen. Dass dieser schnelle "Durchblick" der Oma mehr ins Reich der dichterischen Freiheit als in die Realität gehört, wollen wir einmal als notwendigen Katalysator für den Handlungsfortschritt gelten lassen. Natürlich trifft sie im Netz den streunenden Benny, und schon bald fühlt sich Julia von der feurigen und gleichzeitig liebenswerten Art des vermeintlich jugendlich-sportlichen Gegenübers so geschmeichelt und angezogen, dass sie ein "Blind Date" vereinbart, allerdings mit dem Hintergedanken, ihn mit Terry zu verkuppeln, da so ein netter junger Mann sie sicherlich nicht ins Altersheim schicken wird.....

Der eine junge Chat-Partnerin vermutetende Benny wittert Morgenluft und sagt in einem Anfall von Realitätsverlust zu, bis er plötzlich die Peinlichkeit der Gegenüberstellung vor sich sieht. Also bittet er Don um seine Dienste als Stellvertreter. Im selben Moment aber hat Terry die heimlichen Aktivitäten ihrer Großmutter entdeckt und macht ihr heftige Vorwürfe. In einer grotesken Synchronszene überredet im linken Bühneneck Benny den wütenden Don, während auf der anderen Seite Julia mit List und Tücke das Selbe mit Terry schafft, der sie Don alias Benny für den kommenden Mittag ins Büro bestellt hat. Diese  Überredungs- szene ist inszeniert wie ein Opernquartett, nur ohne Gesang. In einer kunstvollen Choreographie laufen an beiden Enden der Bühne nahezu identische Dialoge ab, teilweise satzweise miteinander verschränkt und von Zeit und Zeit in gemeinsamen Sätzen kulminierend, wobei natürlich beide Paare in der fiktiven Realität des Bühnengeschehens nichts voneinander wissen.

Und so trifft denn am nächsten Mittag der richtige Don als verkappter Benny die richtige Terry, die ihre Tante vertritt. Beide kreisen ohne Wissen der wahren Hintergründe umeinander herum, finden aber sofort Gefallen aneinander. Ein aufkeimendes zartes Gefühl wird jedoch unsanft durch den eifersüchtigen Ira verjagt. Als dann die kesse Julia die Sache - wieder per E-Mail - zu einem abendlichen Dinner vorantreibt, nähert sich die fortgeschrittene Verwirrung der Auflösung unter Zurücklassung zweier Paare und eines düpierten Liebhabers.

Dieter Rummel hat diese einmal anders gestrickte Boulevard-Komödie mit Witz und  - vor allem im zweiten Teil - viel Tempo inszeniert. Er selbst spielt den vor Langeweile liebestollen Benny mit pfiffiger Routine und dem richtigen Spruch am richtigen Ort. Natalie Raggi spielt die junge Terry als selbstbewusste und leicht genervte "Business-Frau" im Hosenanzug und resolutem Auftreten, aber auch mit einer Ahnung davon, dass es außer Steuererklärungen und einem Körner fressenden Fitness-Trainer noch andere Lebensfreuden gibt. Ilona Goldmann als Ihre direkte Gegenspielerin wirkt allerdings als Großmutter nicht ganz glaubwürdig, sieht sie dazu doch viel zu jung aus. Man hätte die Rolle für diese Besetzung vieleicht besser zur Mutter umdeu- ten sollen. Stellt man sie sich als solche vor, wirkt sie auch gleich überzeugender. Die zielsichere Art dieser Frau, andere Menschen und deren Schwächen für sich zu nutzen, kommt bei Ihr gut zum Ausdruck. Joachim Rudolph fühlt sich in der Rolle des aus Not kellnernden charmanten Schauspielers Don offensicht- lich pudelwohl und kann sein Temperament und seinen trockenen Witz zur Geltung bringen. Oliver Lemki hat dagegen diesmal eine etwas undankbare Rolle, muss er doch einen eher tumben und humorlosen "Loser" spielen, der am Ende ohne eigenes Verschulden mit leeren Händen dasteht und sich noch zum Schaden den Spott anhören muss. Diese Rolle spielt er jedoch konsequent bis zum Ende durch.

Es war mal etwas Anderes, im Boulevard nicht die üblichen Verwechslungen von Schlafzimmern und Betten mitzuerleben sondern eine zeitweise fast besinnliche und doch humoristische Studie auf die Einsamkeit der Internet-Chatter und der schüchternen Online-Anmache. Und dabei wirkt die Szenerie durchaus realistisch und liegt nicht weit abseits der Internet-Realität. Auch das ein Pluspunkt des Stückes in einer Zeit, da die  Internet-Landschaft von schriftstellernden Laien oftmals grotesk verzerrt wir.

Wer also einmal eher schmunzeln denn herzhaft lachen will, sollte sich diese Inszenierung des TAP ansehen. Es lohnt sich.

Vorstellungen jeden Dienstag (außer 1.10.) um 20.15. Kartenvorbestellungen täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr, samstags 12-14 Uhr.  
Telefon 06151/3 35 55 bzw. 3 35 56