"Lügen haben junge Beine"

Komödie von Ray Cooney

DIE KOMÖDIE - TAP -
Theater am Platanenhain
Bessunger Straße 125 - Darmstadt
Tel.: 06151/3 35 55 und 3 35 56

"Lügen haben junge Beine"

Komödie von Ray Cooney

mit

Ilona Goldmann, Natalie Raggi, Oliver Lemki, Joachim Rudolph, Dieter Rummel und Marc Ermisch John Smith ist Taxifahrer in London - das ist schon mal sicher. Allerdings gibt es viele Fahrer dieses Namens in der Weltstadt, und wenn der eine in Wimbledon und der andere in Stratham wohnt, brauchen sie sich nie zu treffen. Seltener haben zwei Männer dieses Namens jedoch den selben zweiten Vornamen und das gleiche Alter. Das Problem beginnt, als die Kinder dieser beiden Taxifahrer - der siebzehnjährige Gavin und die fünfzehnjährige Vicky - sich beim Chatten im Internet kennenlernen. Der eine Vater fährt in der Tagschicht, der andere in der Nachtschicht, und beide Väter sind vehement dagegen, dass sich die Kinder kennenlernen. Spätestens jetzt hat auch der letzte Besucher gemerkt, dass hier ein Bigamist zwei Ehen parallel führt und plötzlich mit der akuten Gefahr der Entlarvung konfrontiert wird.

Beide Ehefrauen verstehen das vehement vorgetragene Verbot eines doch so harmlosen Treffens nicht und treten für ihr jeweiliges Kind ein. Doch der doppelte John hetzt zwischen beiden Wohnungen hin und her, um zu retten, was zu retten ist. Da er nicht an beiden Orten gleichzeitig sein kann, spannt er seinen Untermieter in Wimbledon, den finanziell immer klammen und etwas chaotischen Stanley Gardner, ein und erteilt ihm die Anweisung, Gavin nicht zu dem Tee-Plauderstündchen mit Vicky herein zu lassen. Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Beide Männer erfinden die groteskesten Lügen und Ausreden, um die Kinder am Ausgehen oder Eintreten zu hindern. Während Stanley, der eigentlich mit seinem Vater nach Cornwall in den Urlaub fahren wollte, abwechselnd Johns Ehefrau und seine Tochter einschließt und die um Freiheit Schreienden dem ungebeten erscheinenden Gavin als verrückte und daher gefährliche Verwandte darstellt, düst John mit Stanleys Auto nach Stratham. Johns Frau Mary gegenüber, die von ihrer Metamorphose zur gefährlichen Psychopathin nichts weiß, deklariert Stanley den klingelnden Besuch als seinen Therapeuten, nicht wissend, dass John seiner Frau in der Not, ein Telefonat mit seiner anderen Frau zu erklären, diese in eben den Therapeuten des angeblich unter schweren sexuellen Störungen leidenden Stanley verwandelt hat. So weiß schließlich keiner mehr, was hier wirklich gespielt wird, und als Stanley den anrückenden Gavin in dem eigenen Zimmer versteckt, damit er weder Vicky noch den zurückkehrenden John - seinen hier nicht vermuteten Vater - zu sehen bekommt, zieht Mary schließlich angesichts des jungen Mannes im Zimmer ihres Untermieters ihre eigenen Schlüsse......

Währenddessen versucht John, bei seiner zweiten Frau Barbara das enstehende Feuer zu löschen, sieht sich dort aber plötzlich seiner ihrerseits Gavin suchenden Tochter konfrontiert und kann sich nur durch phantasievolles Verbergen des Gesichts retten. Zurück in Stratham, muss er den plötzlich gestorbenen entfernten Onkel spielen, den man zugedeckt hat (damit ihn sein Sohn nicht erkennt).

Man sieht also, dass John die Entwicklung nicht mehr in den Griff bekommen kann und dass die Geister, die er rief, nicht mehr weichen, sondern auf ihn niederkommen. Und als dann endlich alles zur finalen Entlarvung des bösen Bigamisten vorbereitet ist, nimmt die Geschichte einen völlig unerwarteten Ausgang. Diesen wollen wir hier jedoch nicht verraten, um Interessenten nicht die Spannung zu rauben.

Dieter Rummel führt in diesem Stück nicht nur die Regie, sondern spielt auch die ihm auf den Leib geschriebene Rolle des doppelten John. Mit anfänglicher Chuzpe, die immer mehr in überzeugende Panik übergeht, geht Rummels John dieses plötziche Problem an, bleibt bis zum Schluss unverbesserlicher Optimist, nutzt seine angeblichen Freunde gnadenlos aus und versucht, mit einer Lüge die andere zu decken. Rummel gelingt dies mit viel Witz und Tempo, und dafür erntet er so manchen kräftigen Lacher. Neben ihm überzeugt vor allem Joachim Rudolf als Stanley, der diesem armen Kerl das richtige Maß an wachsender Verzweiflung verleiht. Man kann sich so richtig in seine vertrackte Situation hineinversetzen und seinen Wunsch, diesem Chaos endlich zu entgehen, in jeder Hinsicht nachvollziehen. Rudolf hat Gelegenheit zu glänzen, und er nutzt sie.

Gabriela Reinitzer als Mary und Ilona Goldmann als Barbara spielen routiniert die beiden Ehefrauen, die plötzlich und unerwartet einer chaotischen Entwicklung der Ereignisse ausgesetzt sind, während Natalie Raggi und Marc Ermisch die nachdrängende Jugend mit viel Witz und Frische auf die Bühne bringen. Bleibt noch Oliver Lemki zu erwähnen, der in herrlich schrulliger Manier Stanles bereits leicht gehbehinderten Vater verkörpert, der bis zum Schluss nicht kapiert, dass er hier nicht in einem Hotel an der See ist und sich permanent über die lausige Bedienung beschwert und unabsichtlich das fragile Lügengebilde von John und Stanley unterminiert.

Ein Besuch dieser grotesken Komödie lohnt sich für jeden, der Spaß an flottem und schlagfertigem Boulevard-Theater hat.

Vorstellungen bis zum 1.März und vom 7.März bis zum 26. April 2003
dienstags bis samstags um 20.15 Uhr und sonntags um 18.00 Uhr
Kartenvorbestellungen Telefon 06151/33555
dienstags bis freitags 11.00-14.00 Uhr und 18.30-20.30 Uhr
samstags 12.00-14.00 Uhr und 18.30-20.30 Uhr
sonntags 17.00-20.00 Uhr
Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet