| Humorige Hommage an eine "Grande Dame" |
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Richard Moves "Martha" im Bockenheimer Depot |
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Die amerikanische Tänzerin Martha Graham hat in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Kunst des Tanzes revolutioniert und aus den Fesseln des klassi- schen Balletts gelöst. Ihr Einfluss lässt sich im Einzel- nen kaum noch nachvollziehen, da er sich in sämtli- chen Choreographien nach ihrer Zeit manifestiert. Sie war jedoch offensichtlich auch eine eigenwillige Frau, die nicht gerade an Minderwertigkeitskomplexen litt, kurz - eine "Grande Dame". Diesen Eindruck gewann jedenfalls der Besucher der kabarettistischen Tanz- show von Richard Move, die am 13., 14. und 15. März im "Bockenheimer Depot"(Frankfurt a.M.) gastierte.
Richard Move als Martha Das "Depot", wie es der Kürze wegen von Insidern genannt wird, trägt diesen Namen nicht aus künstle- rischen Gründen, sondern weil es tatsächlich ein ehe- maliges Straßenbahndepot ist, dessen Struktur weit gehend erhalten geblieben ist. Bewusst hat man es vermieden, diese karge Abstellhalle für Trambahnen, die sich durch vernietete Eisenträger und hohe Fabrik- fenster auszeichnet, in einen bürgerlichen Kulturtempel zu verwandeln. Nur die nötigen Utensilien wie Bühne, Scheinwerfer-Batterien und Zuschauertribüne haben hier Einzug gehalten. Ein großer Vorraum dient gleich- zeitig als Treffpunkt für eine gewisse Szene und Eltern mit Kindern. Die Choreographie von "Martha" beginnt schon im Vorraum. Sozusagen als "Ouvertüre" laufen auf den Bildschirmen Slapstickszenen aus der Welt des Tanzes, vermischt mit einst frivolen Darbietungen von Tanzrevuen halbwegs bekleideter Damen. Heute wirken diese Szenen auch ohne Slapstick lustig. So stimmt Richard Move das Publikum auf den Grundtenor seiner Choreograpie ein: Humor. Und dann erscheint Martha Graham selber auf der Bühne, begrüßt das Publikum im Kimono mit einer im besten und verständlichen Englisch gehaltenen Begrüßungsrede. Wer nicht weiß, dass sich hinter dieser damenhaften Fassade Richard Move verbirgt, wird es schwerlich erken- nen, so gut imitiert er Stimme und Bewegungen einer Frau. Seine für eine Frau etwas tiefe Stimme fügt nur eine gewisse erotische Aus- strahlung hinzu. Als die "Reinkarnation" der schon lange im Tänzerhimmel weilenden Martha Graham führt er durch das Programm, das ver- schiedene Stationen und Choreographien der grossen Dame des Tanzes nachspielt. Dabei unterstützen ihn Jennifer Binford und als Gäste Fabrice Mazliah, Francesca Harper und Suse Wächter. Besonders begeisterte die farbige Francesca Harper, Tochter einer ehemaligen Graham-Schülerin, die nicht nur mitreißend tanzt, sondern auch noch eine volle, vor Erotik vibirie- rende Stimme besitzt. Fabrice Mazliah liefert eine Bewegungsstudie mit raffinierten Beleuch- tungseffekten, und Suse Wächter tanzte die Kurz-Choreographien nach Anleitung von Martha Graham alias Richard Move. Das humoristische Element spielt sich dabei in der unterwürfigen Art der Tänzerin ab, die in absoluter Verehrung die große Martha umtanzt und sich ihr sogar zu Füßen wirft. Richard Move unterstreicht diese Egozentrik der Protagonistin, wenn er in genüss- licher Ironie die von Martha Graham selbst gesetzte Konkurrenzlosigkeit und Einmaligkeit ihrer Person hervorhebt. Mit stiller Freude an der eigenen Größe und wohl gesetzten Worten ver- kleinert er die Welt um Martha Graham herum zu Liliputanern. Höhepunkt dieser ironischen Show ist der Auftritt von Pina Bausch, groß angekün- digt als gnädige Erlaubnis der Diva, auch unbe- kannte aber talentierte Künstlerinnen in ihrer Show auftreten zu lassen. Nur erscheint Pina Bausch dann im handlichen Puppenformat als Marionette, von zwei grau gekleideten Puppen- künstlern meisterhaft auf dem Flügel des beglei- tenden Pianisten in tänzerische Pose versetzt. Das Publikum amüsierte sich köstlich über diesen Insider-Gag. Richard Move selber tanzte "Maria Stuart auf dem Schaffott" und vor allem zum Schluss eine großartige Schmerz- und Trauerchoreographie unter der Bezeichnung "Lamentation". Nach zwei Stunden endete ein sehr kurzweiliger und unter- haltsamer Abend, der viel über die große Martha Graham mitteilte, aber auch genügend Raum für das intellektuelle Amüsement ließ. |