| "Noch´n
Gedicht" - "Dinner for One" |
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Komödiantisches
Doppelprogramm |
"Noch´n Gedicht" - "Dinner for One" Komödiantisches Doppelprogramm von und mit Hans-Joachim Heist "An der Riveria geht das Meer meist bis zur Küste".....Dieser Satz steht sozusagen stellvertretend für die Komik von Heinz Erhardt, der in den fünfziger und sechziger Jahren Deutschland zum Lachen brachte und zu Unrecht als platter Komiker für den bescheidenen Humor galt. Ihm fehlte das gepflegt-geistreiche Flair eines Werner Fink oder der onkelhafte Witz eines Theo Lingen. Andererseit gab er auch keinen vordergrün- dig eingängigen Humor wie Peter Frankenfeld zum Besten. Seine absurden Sätze strotzten zwar oft von Kalauern der schlimmsten Art, dazwischen blitzten jedoch immer wieder in ihrer Absurdität geradezu geniale Einfälle und groteske Kombinationen eigentlich gegensätzlicher Gedankengänge auf. Ein Satz beginnt bei ihm ganz normal, scheint auf eine schlichte Alltagsweisheit, eine Platitüde hinauszulaufen, um dann plötzlich kurz vor dem abschließenden und bekannten Schlussreim einen Schwenk um neunzig Grad zu vollziehen und in einem völlig anderen Bedeutungszusammenhang zu enden. Aufgeschrieben ähneln diese doppelsinnigen Redewendungen eher Kalauern, im Verein mit der spezifischen Erhardschen Mimik und Gestik jedoch entfliehen sie diesem tödlichen Verdikt und entfalten eine höchst komische Wirkung. Heinz Erhardt spielte konsequent den unbeholfenen, zerstreuten und um Zuneigung heischenden Naivling, der sich stets um eine gewählte Sprache bemüht und sich dabei regelmäßig im Gestrüpp der hochtrabenden Wort- und Satzkonstruktionen verheddert. Damit lieferte er auch gleich gesellschaftliche Kritik an der hochge- stochenen Ausdrucksweise der so genannten guten Gesellschaft ab, jedoch nicht mit intellektuellem Bierernst, sondern in der Maske des tumben Clowns. Unerreicht auch seine Kurzgedichte, meist Vierzeiler, die jeweils konventionell wie ein Lehr- oder Kindergedicht beginnen, um dann in einem syntaktisch verkürzten Schluss eine groteske Volte zu drehen. Zum Beispiel der Erl-König:
Hans-Joachim Heist, schon als "Josef Bieder" im TAP bekannt, hat diesen Komiker der bundesrepublikani- schen Frühzeit aus der ungerechtfertigten intellektuellen Verbannung geholt und ihn im TAP mit viel Gespür für die Erhardtsche Mimik und Gestik wieder aufleben lassen. Wer Heinz Ehrhardt kannte, vermisste bei Heist höchstens den stattlichen Bauch (den muss man sich deswegen wirklich nicht anfressen!) und das dunkle Haar. Der Rest, einschließlich der scheußlichen Brille, stimmte, so dass so mancher alte Erhardt- Fan im Publikum wieder auflebte und sich dankbar an das damalige Schenkelschlagen erinnerte. Den Ver- gleich mit den damaligen Lacherfolgen brauchte Heist nicht zu scheuen, er schaffte es, Heinz Erhardt für eine knappe Stunde wieder zum Leben zu erwecken. Nach der Pause erschien Heist dann zusammen mit Karin Heist zur "Zelebrierung" des Jahrzehnte über- dauernden Sylvester-Renners - "Dinner for One". Schon die Anfangsszene, in der Butler James mit dem Rücken zum Publikum an der Bar steht, überzeugte und brachte das Publikum zum Lachen. Man sah förmlich die berühmte Filmszene vor sich, hat doch Heist in dem schwarzen Butler-Outfit genau die Statur, die wir seit Jahrzehnten kennen. Und das hält er auch durch, wenn er dem Publikum sein Gesicht zeigt: Der von uns allen geliebte James erscheint plötzlich lebendig auf der Bühne, als sei er dem Zelluloid für eine Stunde entsprungen. Die Geschichte brauchen wir hier nicht zu erzählen. Wer sie nicht kennt, wird einer narrativen Darstellung kaum den Witz entnehmen können und ist eigentlich zu bedauern. James muss seit Jahren für Miss Sophie beim jährlichen Sylvester-Dinner die längst verstorbenen Freunde an der Tafel vertreten und für sie alle mittrinken, was seiner Contenance nicht gerade gut tut. Dem Slapstick sind damit Tür und Tor geöffnet. Und wer kennt nicht die berühmten Namen: Admiral Snyder, Sir Toby, Mister Winterbottom und Mister Pomeroy..........? Hans-Joachim Heist erlaubte sich keine eigene Interpretation dieses intellektuell tief schürfenden Werkes, sondern hielt sich eng an Text und filmische Vorlage. Und ehrlich gesagt: nur so, wie wir es von unzähligen Sylvester-Abenden kennen - welch Drama, wenn man es einmal nicht sehen konnte - und lieben, darf es ablaufen. "Dinner for One" ist kein Theaterstück, dessen sich ein Regisseur oder Schauspieler bemächtigen und das er "vergewaltigen" kann, es ist ein Kult-Objekt, das in immer derselben Art und Weise zelebriert werden muss. Nur so entfaltet es seine Wirkung und überdauert noch weitere Jahrzehnte. Das Publikum im ausverkauften TAP hatte seine Freude daran und applaudierte den Darstellern lange und ausgiebig. Dieses Programm sollte und dürfte noch viele Besucher anziehen und zum Lachen bringen. Vorstellungen
jeden Dienstag (außer 1.10.) um 20.15. Kartenvorbestellungen
täglich von 18.30-20 Uhr und montags bis freitags 11-15 Uhr,
samstags 12-14 Uhr. |