| Vier Stimmen und vier Hände |
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1. Kammerkonzert mit ausgefallenem Vokalprogramm |
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Gesangsabende sind im Rahmen der Kammerkonzerte des Staatstheaters Darmstadt eher selten, bedienen sie doch eher ein begrenztes Publikum. Wenn es dann noch um ein eher ausgefallenes Programm geht, das keine "Ohrwürmer" präsentiert, verringert sich die erreichbare Zielgruppe noch weiter. Das Staatstheater war mit dem Programm vom 25. September dieses Risiko bewusst eingegangen, doch trotz nicht ausver- kauftem Kleinen Haus kann dieser Versuch als gelun- gen bezeichnet werden.
Clara und Robert Schumann Vier Gesangssolisten - Sonja Mühleck (Sopran), Barbara Schmidt-Gaden (Mezzosopran), Wolfram Wittekind (Tenor) und Thomas Berau (Bass) - und das "Horus Piano Duo" mit Nóra Ernödy und Ahmed Abou-Zahra gatten ein Programm aus Schumann- und Brahmslieder zusammengestellt und diese durch vier- händige Klavierstücke der beiden Komponisten ver- bunden. Als "avantgardistisches Sahnehäubchen" war diesen beiden bühnenbewährten Repertoire- Program- men die Uraufführung eines Liederzyklus des zeitge- nössischen Komponisten Hans-Peter Dott zur Seite gestellt worden. Den Programmbeginn bildeten die Spanischen Liebes- lieder op. 138 von Robert Schumann, frei intoniert aus dem Fundus verschiedener spanischer Dichter. Die Lieder weisen den für Schumann typischen, dichten Charakter auf, garniert mit latentem Schwermut und verhaltener Expressivität. manche sind recht kurz und emphatisch, andere länger und nahezu balladenartig. gesungen wurden sie entweder einzeln von der jeweili- gen Stimme oder im Duo zweier Männer oder zweier Frauen. Ein pianistisches Vorspiel und Intermezzo lockerten den gesanglichen Teil auf. Insgesamt wirkte der Schumann-Reigen noch ein wenig verhalten, als wenn sich die Truppe erst noch warm singen müsse. Das gilt auch für die Schumann- schen Ballszenen op 109, vorgetragen von dem Horus Piano Duo. Dem rhythmisch durchaus bewegten Stück mangelte es etwas an Spannung und Konturen, teil- weise wirkte der Vortrag etwas angestrengt und schul- mäßig. Die Walzer und Liebeslieder von Hans-Peter Dott erstaunten durch ihre für einen Zeitgenossen ungewohnte Tonalität, und sie reihten sich dadurch nahtlos in das Romantik-Programm ein. Dennoch wirkte die Musik nie wie ein später Abklatsch von Schumann, sondern entwickelte eigene, moderne Strukturen. Das Ostinato "Die schönste Leserin" erinnerte in seinen Wellen- und Kreisbewegungen deutlich an die "minimal music" eines Philip Glass, und die abschlie- ßende Fuge "Superlative" verband gewohnte Fugenmuster mit avantgardistischen Harmonien und Bewegungs- mustern. Der Valse lente "Schönheit durch das Licht" auf einen Rilke-Text beeindruckte durch seine sich langsam steigernde, insistierende Intensität. Der zweite Teil begann mit den Brahms- Varia- tionen über ein Thema von Schumann op 23. Statt der im Programmheft angekündigten neun spielte das Horus Duo nur fünf Variationen, wie Ahmed Abou-Zahra anschließend in einer lau- nigen Ansprache bemerkte. Wohl, um das Publi- kum mit der so dichten wie durchgestalteten Klangfülle nicht zu überfordern. Im Vergleich zu den Ballszenen des ersten Teils ging das Horus Duo hier mit akzentuierter Verve zu Werke und arbeitete deutlich schärfere Konturen heraus. Den Abschluss bildeten die Liebeslieder-Walzer op. 52 von Johannes Brahms. Dabei zeigte vor allem die gesangssolisten noch einmal ihr gan- zes Repertoire, begleitet von einem sich zurück- nehmenden Duo am Flügel, das den Gesangs- stimmen ausreichend Raum zur Entfaltung ließ. Dabei lockerte das Quartett die 18 Lieder durch unterschiedliche Stimmkombinationen auf, sang mal zu viert, mal zu zweit, mal einzeln, und mal "deux á deux" im alternierenden Frage-Antwort- Stil. Dabei nutzten sie geschickt die Texte, um sich die Bälle zuzuwerfen, und bisweilen begleit- ete auch einmal ein text-ironisches Lächeln den Gesang. Je nach Text reichte die Ausdrucks- breite von lyrisch-romantisch ("wenn so lind dein Aufe mir") und Sehnsuchtsschmelz ("wohl schön bewand") bis zu aufbegehrend ("Nein, es ist nicht auszukommen"). Insgesamt erzeugte das Quar- tett eine dichte, homogene Atmosphäre der Hochromantik, die in manchen Momenten an Schuberts Liederzyklen erinnerte, ohne die Eigenständigkeit des Brahmsschen Liedguts zu verleugnen. Das Publikum dankte den Solisten mit lang anhaltendem Beifall und ließ sich als Zugabe noch einmal das Lied "Nein, es ist nicht auszukommen..." vortragen. |