| Von der Klarheit zur Emphase |
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3. Kammerkonzert mit Haydn, Schumann und Mendelssohn |
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Zum dritten Kammerkonzert der Saison hatte das Staatstheater Darmstadt das "Gewandhaus Quartett" eingeladen, das sich aus dem Leipziger Gewandhaus- Orchester gebildet hat und aus den Musikern Frank- Michael Erben (Violine), Conrad Suske (Violine), Volker Metz (Viola) sowie Jürnjakob Timm (Violoncello) besteht. Obwohl das Quartett ein auf den ersten Blick konventionelles Programm zusammengestellt hatte, ließ sich daran doch eindringlich die geradezu drama- tische Entwicklung der Musik zwischen der Hoch- klassik und der Romantik nachvollziehen.
Robert Schumann Den Anfag machte Joseph Haydns "Lerchenquartett" op. 64/5 in D-Dur aus dem Jahr 1790, dessen Namen sich aus der rasch aufsteigenden Melodielinie der Violine zu Beginn des ersten Satzes herleitet. Diese Quartette wurden als typische Auftragswerke zur Unterhaltung des Hofes auf Schloss Esterhazy kompo- niert und zeichnen sich durch einen leichten, flüssigen Stil aus, der selten die Grenzen der Tafelmusik sprengt. Haydns hat diese Gattung sozusagen "aus der Taufe gehoben", da er öfters vor der Situation kleiner Ensembles stand und für die oft aus Amateuren bestehenden Gruppen passende Werke zur Verfügung stellen musste. Den ersten Satz nahm das Quartett fast etwas bedächtig, fast wie zum Warmspielen; etwas mehr Tempo hätte dieser Auftakt durchaus vertragen können. Das Adagio brachte dafür viel lyrische Wärme, vor allem in der ersten Violine. Im Menuett dann fand das Ensemble zu eine straffen Rhythmik, die dem Satz viel Kraft und tänzerischen Ausdruck verlieh. Im Finale dann glänzten die Musiker durch fulminantes Tempo und exaktes Zusammenspiel, so dass man die Spielfreude förmlich heraushören konnte. Das zweite Stück stellte nicht nur einen Sprung von rund fünfzig Jahren dar, sondern änderte auch die musikalische Atmosphäre radikal. Standen eben noch klassische Ausgewogenheit, klare Linien und gefällige Distanz im Vordergrund, so drängte mit Robert Schumanns Quartett A-Dur, op. 41/, die Emotion in den Vordergrund. Schon der erste Satz zeichnet sich durch Expressivität aus, wenn nach einer langsamen Einleitung von wenigen Takten das Hauptmotiv, die fallende Quinte, einsetzt. Das Klagend-Sehnsüchtige dieses Motivs ist unüberhörbar und zeigt nicht nur deutlich die Grundstimmung der Romantik, sondern vor allem die innere Zerrissenheit des Komponisten.
Das Gewand Quartett Die Dichte und Intensität steigern sich im zweiten Satz noch, der aus einer Reihe von Variationen zu einem vorgegebenen Thema besteht. Robert Schumann hat in diesen Satz seine ganze innere Unruhe gelegt, die er durch extreme Ausgestal- tung der einzelnen Variationen musikalisch zum Ausdruck bringt. Im folgenden Adagio schlägt die verzweifelte Suche des zweiten Satz in eine tiefe Klage um. Während in den ersten drei Sätzen die erste Violine eine dominierende Rolle spielt, tritt im letzten, schnellen Satz das gesamte En- semble als geschlossene musikalische Einheit auf. Zerrissene Motive jagen wild bewegt durch die Instrumente, und das Tempo steigert sich zu einer wahren Eruption der angestauten Emotio- nen. Ungeachtet des hohen Tempos zeichnete sich das Spiel der vier Musiker durch hohe Kon- zentration und Exaktheit aus. Jeder Einsatz saß, und auch die Abstimmung der vier Instrumente stimmte bis ins Detail. Wie aus einem Guss jagte die Musik durch die Zeit, bis sie sich an der eigenen Kraft erschöpfte. Nach der Pause endete das Programm mit Felix Mendelssohns Streichquartett Nr. 3 A-Dur. Bereits der erste Satz beginnt emphatisch und lässt den typisch Mendelssohnschen Streicher- klang erkennen. Der zweite Satz, ein Menuett, erinnert streckenweise an das berühmte Violin- konzert in e-moll, das in kurzen Zitaten aufblitzt. Im Andante zieht sich die Musik ganz auf sich selbst zurück und gewinnt ein hohes Maß an Konzentration und Dichte. Der vierte Satz wiede- rum kommt als lebhafter Ausklang mit viel Temperament und Witz daher. Die vier Musiker zelebrierten auch dieses Werk mit viel Herz und musikalischem Gespür. Bis zur letzten Note spürte man das Engagement und den Willen zur Gestaltung des musikalischen Materials. Das Ensemble ließ sich vom begeisterten Beifall des Publikums nicht lange bitten und legte noch ein Menuett von Mozart sowie einen späten Satz von Beethoven als Zugabe nach. |