| Slapstick-Akrobatik
und Parodie
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Berliner Varieté "Chamäleon" mit der "Nacht der Komödianten" |
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Programmpunkt auf Programmpunkt folgt, immer wieder verbunden durch die trockenen, tolpatschig-coolen Auftritte Hacki Gindas. Robby Heim tänzelt als schwuler Künstler mit langem Nackenhaar ("Vokuhila") in neckischer Pose über die Bühne, überschüttet das Publikum mit allerlei abstrusen Schüttelreimen und betet mit eben dieser poetischen Kunst die mimiklose Frau Maier an, die immer wieder im herrlich spießigen rosa Kleid und Hut scheinbar desorientiert über die Bühne läuft. Ihre Stunde kommt noch. Ihr Mann, der lange, dürre Herr Maier, nutzt immer wieder kleine Pausen im Programm, um sich an den Bühnenrand zu schleichen und - scheinbar - ungelenke Späße von sich zu geben. Der geborene Hintergrund-Komparse mit dem immerwährenden Traum des großen Auftritts. Doch schnell entpuppt sich die peinliche Ungelenkigkeit als Täuschung und Herr Maier als Meister der Kleinkunst, so beim kunstvollen Jonglieren, das nur vordergründig dilettantisch wirkt. Seine besondere Kunst besteht darin, immer messerscharf am Scheitern entlang zu schrammen und es doch - natürlich souverän - zu vermeiden. Sein großer Auftritt führt ihn dann mit der bereits erwähnten "Frau Maier" zusammen, wenn sie beide eine herrlich verdrehte Akrobatik-Nummer am Trapez über den Köpfen der Zuschauer präsentieren - er in langen Unterhosen und sie im Kostüm und mit Hut und Handtasche - und dabei wie zwei Tolpatsche vor dem Absturz wirken, deren Handgriffe und Figuren jedoch absolut sitzen und die nahende Katastrophe nur vorgaukeln. Die
"Maiers" am Trapez Hacki Ginda und der Pianist Lito Tabora tänzeln als Don Quichotte und Sancho Pansa auf Pferdeattrappen über die Bühne, wobei sich Rosinantes Kopf recht eigenwillig verhält, Hacki Ginda liefert noch eine Angler-Pantomime frei nach Luis de Funès ab, bei der die imaginäre Angelleine fast den realen Kontrabass der Kapelle umwirft, und der Amerikaner Tom Noddy erweist sich als wahrer Zauberer der Seifenblase. Ergänzt wird das Programm durch eine 3D-Show, die dank der vorher ausgeteilten Spezialbrillen zu spitzen Schreckensschreien im Publikum führt, wenn plötzlich Gegenstände und Schwerter auf die Sitzenden zuzurasen scheinen. Neben diesen ausgewählten Punkten bietet das Programm noch eine Reihe weiterer Einlagen und Sketches, die permanent die Lachmuskeln reizen. Das Motto des Abends lautet nichts zu ernst nehmen und selbst akrobatische Leistungen immer mit dem gehörigen Schuss an Humor und Selbstironie zu würzen. Diese Mischung erst macht einen Varieté-Abend unterhaltsam, und unterhalten hat sich das Publikum an diesem Abend bestens.
Tom Noddy, der Meister der Seifenblase |