| Kammermusik im Kirchenschiff |
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Abschlusskonzert des Rheingau Musik Festivals mit J.S. Bachs "Messe H-Moll" |
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Mit Johann Sebastian Bachs "H-Moll Messe" endete am Samstag, dem 28. August, das diesjährige "Rheingau Musik Festival", das bei 141 Veranstaltungen, von denen viele ausverkauft waren, 112.000 Besucher zählte. Angesichts der allgemeinen Konsumflaute und des Besucherrückgangs bei anderen Festivals sind dies stolze Zahlen. Für das Abschlusskonzert hatte man nicht nur wieder die Basilika des Kloster Eberbach ausgewählt, eine "Parade-Spielstätte, sondern auch ein renommiertes Ensemble verpflichtet. Der "Monteverdi Choir London" und die "English Baroque Soloists" präsentierten unter der Leitung von John Eliot Gardiner die von vielen als das größte Musikwerk aller Zeiten apostrophierte Messe, die Bach um 1748 komponierte. Festival-Leiter Michael Hermann begrüßte das Publikum in der vollständig ausverkauften Basilika mit einem kurzen Rückblick auf das Festival, gefolgt von einer kurzen Ansprache des Ministerpräsidenten Roland Koch, der sich jedoch auf wenige Gruß- und Dankesworte beschränkte, da dies nach seinen eigenen Worten "nicht sein Metier" sei.
Wer
nun barocke Pracht und akustische Macht erwartet hatte,
die das Kirchenschiff füllt und alle Sinne gefangen
nimmt, sah sich jedoch getäuscht. Gardiner hatte einen
fast kammermusikalischen Ansatz gewählt. Der Chor
zählte nur zwanzig Stimmen, und das Orchester hielt
sich eher zurück, um Chor und Gesangssolisten nicht zu
übertönen. Das einleitende "Kyrie" wirkte
anfangs im Chor etwas matt, fast unentschieden, das
erste Gesangsduett (Sopran/Mezzosopran) stimmlich eher
verhalten, und erst das abschließende "Kyrie"
des Chors brachte mehr stimmliche Fülle und
Strahlkraft. Auch im "Gloria" hätten die
Arien durchaus prägnanter gesungen werden können, war
doch ein großes Kirchenschiff zu füllen, dessen
Akustik nicht unbedingt die beste ist. Hier bestach
jedoch der Chor vor allem im "Gratias agimus tibi"
durch klare und kräftige Konturen. Auch der männliche
Alt im "Qui sedes ad dextram Patris"
beeindruckte durch die kräftige Stimme und einen
intensiven Vortrag. Das Finale des Glorias zeigte dann
wieder einen strahlenden und wahrhaft gloriosen Chor.
Im
Credo faszinierten vor allem die thematischen
Verschränkungen des "Credo in unum Deum" und
"Patri omnipotentem"; das "Et incarnatus
est" bestach durch die intensive Düsternis des
Chors, und das anschließende "Cruxifixus etiam pro
nobis" steigerte diese Wirkung noch durch die
absteigenden Linien. Ein seltsam schwebendes "Confiteor
unum baptisma" mahnte noch einmal, bis das
jubilierende "Et expecto resurrectionem" die
erhoffte Auferstehung feierte. Das
"Osanna Benedictus" und das "Agnus
Dei" schlossen das Werk ab, blieben aber eher
verhalten, auch wenn das "Osanna" mit viel
Strahlkraft begann.
Wenn
auch die musikalische Darbietung überzeugend war, so
fehlte doch der ganz große Eindruck, das berühmte
"Erschauern", was sich einerseits auf die
Akustik zurückführen lässt, andererseits jedoch an
der kammermusikalischen Interpretation liegen mag, die
letztlich dazu führte, dass der große Raum nicht
gefüllt wurde. Wenn schon in der 12. Reihe - Platz des
Rezensenten - manches recht leise erklang, kann man sich
vorstellen, was die Besucher in den Reihen jenseits der
30 oder gar 40 noch hörten. Das gilt vor allem für die
Solopassagen der weiblichen Stimmen, denen man zeitweise
mehr Durchsetzungskraft gewünscht hätte.
Diese
Einschränkungen taten jedoch der Begeisterung des
Publikums keinen Abbruch. Begeisterter Beifall und
"standing ovations" galten dabei nicht nur dem
Ensemble und den Solisten, sondern wohl auch dem
gesamten Festival für ein gelungenes Programm.
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