| Im
Rausch des Fäkalhumors
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Grissemann & Stermann im Programm "Willkommen in der Ohrfeigenanstalt" des Berliner BKA-Theaters |
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Der Österreicher Christoph Grissemann und der Deutsche Dirk Stermann haben sich in verschiedenen Radiosendern, so in "Radio 1", zum Kult-Duo entwickelt. Ihre mal satirischen, mal deftigen und mal grotesken Einsprengsel nehmen alles auf die Schippe, was ihnen über den Weg läuft. Dabei bevorzugen sie durchaus den konkreten Witz, nur milde gewürzt mit Hintersinn und Doppelbödigkeit. Ihr abendfüllendes Programm präsentierten sie dem Berliner Publikum im BKA-Theater am Kreuzberger Mehringdamm, einer Spielstätte hoch im 5. Stock eines alten Mietshauses, die ringsum schwarz ausgeschlagen ist und eher an eine Diskothek erinnert.
In diesem Stil jedoch geht es weiter: Kotzen, Scheißen, Ficken sind die beliebtesten Ausdrücke, wobei diese "Unwörter" jedoch nicht einen Kontext satirisch zuspitzen, sondern sehr schnell eine Eigendynamik entwickeln und zum Selbstzweck mutieren. Mit Vorliebe übernimmt vor allem Grissemann die Rolle des verbal in Exkrementen Wühlenden, wobei ihm jedoch Stermann immer wieder die Bälle zuspielt. Die Bedeutung des unappetitlich Körperlichen nimmt vor allem in der zweiten Hälfte überhand, verliert jedoch zunehmend den Bezug zu gesellschaftlichen Themen, die einzig dieser Art des deftigen Humors eine Berechtigung verleihen könnten. In den sechziger und siebziger Jahren hat man ein prüdes, in Tabu gefangenes Publikum mit dieser Art Humor provozieren und gleichzeitig aus der Erstarrung locken können, mit den Jahren hat jedoch der Unterleib diese Provokationsfunktion verloren, und die ausgiebige kabarettistische Beschäftigung damit führt nicht mehr zu Schreck und Schock, sondern nur zu mittlerem Ekel. Die Lacher auch noch für die übelsten Witze dieser Art - die teilweise auch die Grenzen des politischen guten Geschmacks übertraten - sprechen nicht unbedingt für die Komiker sondern sondern gegen das Publikums. Fazit: Stermann & Grissemann mögen Meister der kleinen Form sein, des überraschenden Einfalls, des kurzen Radio-Sketches. Für ein abendfüllendes Programm reicht jedoch reicht es nicht, sich gegenseitig Beschimpfungen an den Kopf zu werfen oder verbal von Hundehaufen zu Hundehaufen zu wandern. Ein solches Programm müsste ein Thema oder zumindest einen roten Faden aufweisen, der die einzelnen Nummern und Sketche innerlich zusammenhält. Die verschiednen Ausscheidungen des menschlichen Körpers reichen auf die Dauer als Thema nicht aus, um einen bleibenden Eindruck zu erzielen. |