"I möcht so gern a Reblaus sein"

Weinprobe mit musikalischer Untermalung im Kloster Eberbach im Rahmen des Rheingau Musik Festivals

 
Das Rheingau Musik Festival, seit Jahren ein kultureller Erfolg und Garant für erstklassige musikalische Leistungen, kennt nicht nur die großen Messen, die Solokonzerte und die anspruchsvolle Kammermusik, sondern es beweist auch einen Sinn für die Verbindung von gehobener Gastronomie und unterhaltsamer Musik. Das gilt nicht nur für die großen musikalischen Diners, so im Schloss Johannisberg, sondern auch für die Verkostung von Weinen. Im Kloster Eberbach, idyllisch oberhalb des Rheintales gelegen, hatten die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach unter der Leitung von Direktor Dieter Greiner zu einer exklusiven Weinprobe geladen. Das Laiendormitorium des Klosters war an diesem Freitag Abend bis zum letzten Platz ausgebucht, nicht nur wegen der zu erwartenden Spitzenweine, sondern ebenso wegen des viel versprechenden Beiprogramms. Hierfür hatte man den Wiener Altmeister für ernste wie für kabarettistische Rollen, Ernst Stankovski, gewinnen können, der zusammen mit dem "Trio Amanti della Musica" (Willy Freivogel (Flöte), Rainer Schumacher (Klarinette) und Siegfried Schwab (Gitarre)) Wiener "Schrammelmusik" bot, versetzt mit bekannten Stücken Mozarts und Beethovens.
 
Direktor Dieter Greiner von den Hessischen Staatsweingütern bei der Begrüßung
 
Zur Einstimmung wurde ein 2001er "Rauenthaler Baiken Rielsing Sekt brut" gereicht, der vor kurzem bei einer offiziellen Verkostung gegen starke Konkurrenz den ersten Platz belegt hatte und diesem ihm vorauseilenden Ruf voll gerecht wurde. Leider ging die anschließend den Abend eröffnende musikalische Präsentation des Trios in den anschwellenden Gesprächen des zahlreichen und bereits gut gestimmten Publikums ziemlich unter. Erst Dieter Greiners Begrüßungsrede und Ankündigung der unterschiedlichen Weine sorgte dann für etwas Ruhe.
 
In der ersten Probenrunde kredenzten die Weingüter zwei leichte Weine, einen Heppenheimer Centgericht (Grauburgunder) aus dem Jahre 2003 und den hellen Spätburgunder "2003 Assmannshäuser Höllenberg". Dazu zelebrierte Ernst Stankovski verschiedene kurzweilige Wiener Schrammel-Lieder, dazu das uns Deutschen fast schon peinliche "Ein Prosit der Gemütlichkeit" sowie das satirische Gedicht "Der Gast", und gab den "trunkenen Dichter". Der Begriff "Schrammel-Musik" bezieht sich übrigens nicht auf zweitklassige Wirtshaus-Musik, was mittlerweile umgangssprachlich so interpretiert wird, sondern stammt von den Wiener Brüdern Johann und Josef Schrammel, die im 19. Jahrhundert volksnahe Lieder komponierten, die sie dem Volksmund entnahmen. Diese Musikgattung enthält denn auch viele humoristische, parodistische und satirische Elemente, die eine genaue Menschenbeobachtung zeigen. Dabei spielen natürlich der Wein und das Wirtshausleben immer wieder eine zentrale Rollen. Doch plump oder gar nur frivol sind diese Lieder durchaus nicht.
 
 
Die zweite Probenrund brachte dann schon etwas kräftigere Weine, so den "2003 Steinberger Riesling Kabinett Champion" und den "2002 Rüdesheimer Berg Schlossberg Riesling Erstes Gewächs". Dazu präsentierten Ernst Stankovski und seine Begleiter schon etwas weinseligere Schrammel-Lieder, so "Mir hat heut´ tramt, es gibt kan Wein mehr" - schreckliche Vorstellung - oder "Holder Wein der perlt im Becher". Ernst Stankovski gelang es dabei immer wieder, die typische Mentalität und Befindlichkeit des weinseligen Wirtshausbesuchers zu parodieren und die geradezu pazifistische Seite des Weinrausches herauszustellen.
 

Ernst Stankovski trägt ein Schrammel-Lied vor

 
Die dritte Runde brachte dann die Schwergewichte: eine "2003 Rauenthaler Baiken Riesling Auslese" und - Höhepunkt des Abends - die "Rauenthaler Gehrn Riesling Auslese" aus dem Jahre 1971, von dem eine Flasche heute deutlich über 300 Euro kostet! Diesen Schwergewichte entsprachen dann "endzeitliche" Lieder wie "Kornblumenblau" und "Bruader ums Eck, i hab´ an Rausch". Die Besucher nahmen sich diese letzteren Texte jedoch nicht allzu sehr zum Vorbild, mussten sie doch alle noch mit dem Auto nach Hause fahren. So mussten die Lieder und Gedichte über den Weinrausch denselben ersetzen und die vorzüglichen Weine die Vorstellung eines "Edelrausches" vermitteln. Und das gelang den Veranstaltern in vollem Umfang. Aufgekratzt und rundherum zufrieden mit dem Abend verließen die Besucher eine gelungene Veranstaltung, die nicht nur neue Weinerlebnisse sondern auch Erkenntnisse über die Wiener Schrammel-Musik vermittelte.